Rheinpfalz
Bechhofen: Mutter und Sohn räumen säckeweise Müll aus der Natur
Heidi Kneller-Gronen und ihr neunjähriger Sohn Felix sammeln in und um Bechhofen Müll ein. Zuerst mit Greifern, nun mit dem Bollerwagen, weil die Menge und die Fundstücke immer größer werden.
Mutter und Sohn laufen vom Friedhof durch den Wald runter zur Schule. Drei Tüten voll Müll sammeln sie auf der Strecke innerhalb einer halben Stunde: ein Fetzen Plastikplane, ein Alupack, eine alte Kerze und Beutel mit Hundekot, die im Wald statt in der Mülltonne entsorgt wurden. Auf dem Rückweg gesellt sich ein alter Autoreifen dazu, den Felix aus dem Wald rollt.
Die treibende Kraft hinter dem Putz auf Wald und Flur ist der Neunjährige, der nicht verstehen kann, wie all das in die Natur kommt – und vor allem: Warum es da bleiben soll. Seine Mutter kam manches Mal in Erklärungsnöte. Dann dachte sie: „Nicht reden, einfach mal machen.“ Und so begannen die beiden, Schnipsel aufzusammeln, Glasflaschen auszubuddeln und zwei Quadratmeter eingegrabene Bodenbeläge und Blech freizulegen. Anfangs sagten sie Bürgermeister Paul Sefrin Bescheid und legten ihre Mülltüten am Friedhof neben den Mülltonnen ab. Doch spätestens mit den Bodenbelägen wurde es zu viel. Die Bauhof-Mitarbeiter mussten ran und brachten den ganzen Schlamassel nach Contwig zum Wertstoffhof.
„Riesige Müllhalde“
Sogar alte Feuerwehrschläuche liegen im Wald herum. Kürzlich fanden die beiden einen Stuhl samt einem kleinen Holzunterstand. Der Unterstand war zusammengebrochen. Er war gespickt mit rostigen Nägeln. „Wer hineintritt, kann sich verletzen“, sagt Kneller-Gronen. Auch Hunde oder Rehe seien gefährdet. Diese Gedanken würden sich offenbar nicht so viele Menschen machen. Allerdings, berichtet sie, habe noch eine weitere Bechhofer Familie begonnen, Müll aufzusammeln. Diese habe die Feuerwehrschläuche gefunden.
Anfangs waren Mutter und Sohn mit ihrem Hund unterwegs, doch den lassen sie mittlerweile zu Hause. Denn wenn Felix, der eine Spürnase für Müll habe, etwas ausgrabe, könne das ein wenig dauern. Zwei- bis dreimal die Woche sammeln sie jeweils um die vier Tüten Müll. Vor allem hinter dem kleinen Park am Friedhof. „Dahinter ist eine riesige Müllhalde“, hat Felix festgestellt.
Kneller-Gronen, im Beruf Rechtsanwältin, sagt: „Ich verstehe die Motivation nicht. Warum machen sich die Leute die Mühe, den Müll einzugraben? Warum stopfen sie ihren Hausmüll in Tüten und fahren mit ihrem Auto durch die Gegend, um ihn in eine öffentliche Mülltonne zu pressen? Ist die Entsorgung von Hausmüll zu teuer?“
Ausstellung geplant
Mutter und Sohn haben darüber nachgedacht, wie sie auf diesen Missstand aufmerksam machen können. Felix will Plakate gestalten, seine Mutter hat Gabionen im Sinn – Drahtboxen, die man mit Steinen füllen und als Mauer oder Zaun verwenden kann. Statt mit Steinen sollen sie mit den hässlichen Fundstücken bestückt und ausgestellt werden – „damit die Leute sehen können, was so alles herumliegt“.