Rheinpfalz Bangen um Bereitschaftsdienst
Speyer. Veränderungen stehen der Bereitschaftsdienstzentrale am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus ins Haus. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) als Betreiber plant neue Öffnungszeiten. Die langjährigen medizinischen Koordinatoren aus Speyer sind zurückgetreten.
Zurzeit ist die Zentrale von mittwochs, 14 Uhr, bis donnerstags, 7 Uhr, und von freitags, 16 Uhr, bis montags, 7 Uhr, besetzt. Also in vier von sieben Nächten. Umliegende Zentralen – etwa Germersheim, Landau, Ludwigshafen und Neustadt – bieten schon heute in jeder Nacht Hilfe bei medizinischen Problemen, die nichts für die Notaufnahmen der Kliniken sind. Nach RHEINPFALZ-Informationen war zu Beginn dieses Jahres die Rede davon, auch für Speyer das Angebot auszuweiten. Jetzt soll die Tendenz umgekehrt sein und die nächtliche Öffnung generell in Frage stehen: Nur noch von 8 bis 24 Uhr könnte es wochenends und feiertags gehen. Noch ist alles geheime Kommandosache. Es gibt wohl eine Lösung, lässt Klaus Sackenheim, Mitglied im Vorstand der KV Rheinland-Pfalz, auf Anfrage durchblicken. Nicht einmal den zu Notdiensten verpflichteten Ärzten vor Ort sei diese aber bekannt. Es könne also erst später informiert werden. Hintergrund der Reformen, die viele der 50 rheinland-pfälzischen Zentralen beträfen, sei aufs Ganze gesehen eine Ausweitung der Öffnungszeiten. Im nächsten Jahr solle es im gesamten Land gut erreichbare, jede Nacht geöffnete Anlaufstellen geben. Um die damit steigenden Kosten im Griff zu behalten, seien aber Zusammenlegungen und Veränderungen an einzelnen Standorten denkbar, sagt Sackenheim ganz allgemein. „Die Details werden noch ausgearbeitet.“ Dem Vernehmen nach könnte der Germersheimer Standort zu Lasten Speyers gestärkt werden. So ist von einer Abschaffung der heute noch von Speyer aus angebotenen Fahrdienste die Rede, mit denen die Ärzte bei Hausbesuchen begleitet werden. Diese gäbe es dann nur noch von Germersheim aus, ebenso Öffnungen nach Mitternacht. Von der dortigen Asklepios-Klinik aus gebe es Fahrten in Bereitschaftsdienst-Zeiten bis zur französischen Grenze. Insider befürchten, dass mögliche lange Wartezeiten aufgrund dieses großen Gebiets künftig zu einer vermehrten Alarmierung der eigentlich für Fälle mit Lebensgefahr reservierte Speyerer Rettungsdienst gerufen würde. Er wäre somit für andere Fälle blockiert, ebenso vielleicht die Notaufnahmen der Kliniken. Der Fahrdienst ist ein Thema, das bereits früher für Ärger gesorgt hat: Früher hatten die Mediziner bei allen Hausbesuchen im Bereitschaftsdienst einen Fahrer dabei, zuletzt gab es kein Geld mehr für diese Hilfe in der Nacht. Eine Folge: Ärztinnen meldeten sich nicht mehr für diese Dienste. „Sie wollen aus verständlichen Gründen nicht allein zu Patienten fahren“, sagt Dr. Harold Ritthaler, Speyerer Praxisinhaber, der bis Mai sechs Jahre lang die Speyerer Bereitschaftsdienstzentrale koordiniert hatte. Von dieser Aufgabe ist er wie seine Kollegen im Ausschuss, Johannes Neidig und Uwe Glück, zurückgetreten. Die Abstimmung mit der KV sei zunehmend schwer gewesen, sagt Ritthaler auf Anfrage. Vor Jahren war der lokale Praxisverbund „Pravo“ für die Bereitschaftsdienstzentrale zuständig gewesen, dann hatte die KV übernommen. Die Eigenorganisation sei ihm lieber gewesen, so Ritthaler, der sich an gute finanzielle Ergebnisse erinnert. Zuletzt hätten jedoch Speyerer „Sonderlösungen“ wie eine Zusatzbesetzung der Zentrale zum Brezelfest oder die erhöhte Bezahlung der Dienste von Weihnachten bis Neujahr nicht mehr durchgesetzt werden können. „Wir hatten relativ wenig Einfluss und sind auch nicht immer informiert worden“, bedauert Ritthaler.