Baden-Baden RHEINPFALZ Plus Artikel Ballett-Choreograf John Neumeier hat große Festival-Pläne

Christopher Evans und Alina Cojocaru im Hamburger „Sommernachtstraum“
Christopher Evans und Alina Cojocaru im Hamburger »Sommernachtstraum«

Noch bis Sonntag ist das Festspielhaus Baden-Baden sozusagen die Außenstelle des Hamburg Balletts. Seit 23 Jahren kommt John Neumeier, der legendäre Choreograf und Intendant des Hamburg Ballett, mit der Compagnie in die idyllische kleine Stadt an der Oos, um dort große Tanzkunst zu zeigen. Jetzt schmiedet er noch größere Pläne.

Von Freitag bis Sonntag entführen die Tänzerinnen und Tänzer das Publikum in eine magische Welt: auf dem Programm steht „Ein Sommernachtstraum“. Seit der Uraufführung 1977 zählt das Werk zu den beliebtesten Ballettkreationen Neumeiers, auch in der Pariser Oper und dem Bolschoi in Moskau wurde es nachgetanzt. Der „Sommernachtstraum“, der an diesem Wochenende im Festspielhaus gezeigt wird, ist die aktuelle Version. Im letzten Winter haben Neumeier und das Hamburg Ballett intensiv an dem Stück gearbeitet und es als Film auf DVD gebannt.

„In Baden-Baden richtet John Neumeier die Stücke in ausführlichen Proben noch einmal neu ein“, weiß Jörn Rieckhoff. Der Kommunikationsdirektor des Hamburg Ballett ist ebenfalls in Baden-Baden. Natürlich fließen die Erfahrungen aus der Verfilmung des „Sommernachtstraum“ in die Baden-Badener Aufführungen ein, sagt er.

Am Samstag wird Hélène Boucher tanzen

Wenn ab Freitag auf der Festspielhausbühne die Bäume kristallgrün funkeln und überirdisch wirkende Wesen perfekte Körperbeherrschung zelebrieren, dann – ja dann träumt Hippolyta davon, als Elfenkönigin Titania ihrem Gatten Oberon endlich die Stirn zu bieten.

Neumeiers Ansatz rückt nicht die zwei jungen Paare in den Mittelpunkt, die im Elfenwald ihre Liebeswirren ausfechten, sondern Hippolyta. Rieckhoff hat einen Tipp für Ballettfans: am Samstag wird Hélène Boucher die Hippolyta tanzen. Die bekannte Erste Solistin beendet zum Jahresende ihre Karriere als aktive Tänzerin.

Nicht nur im Festspielhaus

„Viele Ensemblemitglieder waren schon oft in Baden-Baden mit dabei und genießen die ganz andere Landschaft“, erzählt Jörn Rieckhoff. Für Euphorie sorge die Perspektive, im nächsten Jahr die Residenz des Hamburg Ballett in Baden-Baden zu einem richtigen Festival mit dem Titel „The World of John Neumeier“ auszuweiten.

Schon dieses Jahr wird nicht nur auf der Bühne des Festspielhauses getanzt. Die acht Tänzerinnen und Tänzer des Bundesjugendballett zeigen am 7. und 8. Oktober auf der Akademiebühne im Stadtteil Cité das Stück „John’s-BJB-Bach“. Darin enthalten sind Auszüge aus Neumeier-Choreografien wie „Matthäus-Passion“, „Magnificat“, „Bach-Suite 2“ und „Bach-Suite 3“. „John Neumeier hat vor zehn Jahren das Bundesjugendballett gegründet und kommt zu den Endproben. Bei allen Aufführungen ist er persönlich anwesend. Im Lockdown hat das Bundesjugendballett auf Straßen und öffentlichen Plätzen getanzt, und auch dann steht John Neumeier selbst am Straßenrand“, berichtet Jörn Rieckhoff.

Auch sonst tanze das Bundesjugendballett gern nicht auf klassischen Bühnen, sondern in Krankenhäusern oder Altenheimen. „Es ist wunderbar, wenn Tanz an Orten stattfindet, die eine ganz andere Atmosphäre haben“, sagt Rieckhoff.

Karten

Tickets für das Bundesjugendballett und „Ein Sommernachtstraum“ sind über www.festspielhaus.de erhältlich.

Christopher Evans und Alina Cojocaru im Hamburger „Sommernachtstraum“
Christopher Evans und Alina Cojocaru im Hamburger »Sommernachtstraum«
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