Rheinpfalz Badesalz entspannt die Eltern

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HOMBURG. Am vergangenen Mittwoch hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seinem Unmut Luft gemacht: Die deutsche Wirtschaft fordert von Ländern und Kommunen Unterstützung in den Ferienzeiten. Während Eltern arbeiten müssen, sind die Schulen und Tagesstätten für die Kinder geschlossen. Ausfallzeiten der Eltern kosteten der Volkswirtschaft Milliarden Euro. In Homburg haben die Unternehmen Schaeffler, Michelin und Naturwaren Theiss zur Selbsthilfe gegriffen. Ein Besuch.

Gelb und Blau hätte es auch sein dürfen. Aber Nico mag’s grün. „Grün ist meine Lieblingsfarbe.“ Also lässt er sich mit der Pipette einen Tropfen grünen Farbstoff zu seiner Mischung aus Badesalz und Parfüm hinzugeben. In der Entwicklungsabteilung des Pharma- und Kosmetik-Herstellers Theiss entsteht so Nicos ganz eigenes Badesalz. Später wird es noch in einer eigenhändig beschrifteten Faltschachtel verpackt. Nico und 39 weitere Kinder lernten diese Woche, wie und wo die Dr.-Theiss-Produkte wie die Allgäuer Latschenkiefer, die Zahnpasta Lacalut oder die Olivencremes, hergestellt, verpackt und versandt werden. Von Homburg-Erbach aus. Am Donnerstagmorgen waren die Kinder, allesamt Nachwuchs von in der Ferienzeit geforderten Mitarbeitern, bei Theiss zu Besuch; nachmittags ging′s zum Reifenwerk von Michelin, wo die Werksfeuerwehr ihre Fähigkeiten demonstrierte. Und auch beim Automobilzulieferer Schaeffler sah so mancher der Sechs- bis Zwölfjährigen zum ersten Mal den Arbeitsplatz von Vater oder Mutter. „Das ist ein willkommener Effekt unseres Wochenprojektes. Aber eigentlich geht es darum, unsere Mitarbeiter zumindest in der ersten Ferienwoche zu entlasten, ihnen die Sorge zu nehmen, dass, wenn sie arbeiten müssen, ihre Kinder nicht betreut sind“, sagt Julia Ruffing. Die Marketing-Angestellte hat mit Kollegen von Michelin und Schaeffler die für die Eltern kostenlose Projektwoche organisiert. Mit Besuch im Zoo, einem ADAC-Fahrradtraining, einem Sportnachmittag und eben den Werkserkundungen. Von 8 bis 16 Uhr waren die Kinder beschäftigt – und die Eltern sorgenfrei. Die drei Homburger Firmen, zusammen 4200 Menschen beschäftigend, hatten zum zweiten Mal die Betreuung selbst in die Hand genommen. Ohne öffentliche Förderung, im Eigeninteresse. Bei Theiss etwa laufen die Vorbereitungen für das für die Kosmetikbranche eminent wichtige Weihnachtsgeschäft auf Hochtouren. Die Kunden, Apotheker, bestellen mit einem halben Jahr Vorlauf. Zudem wird aktuell an beiden Homburger Standorten umgebaut, die Kapazitäten erweitert. „Wir brauchen unsere Mitarbeiter auch dann, wenn Schulen und Kitas geschlossen sind“, bringt Ruffing den ernsten Hintergrund der bei den Sechs- bis Zwölfjährigen so spielerisch ankommenden Aktion auf den Punkt. Obwohl fast alles hausgemacht ist, sprich mit Personal der drei Firmen abgedeckt wird, entstehen einige Tausend Euro Kosten. Mindestens einmal im Monat traf sich die Projektgruppe im vergangenen Jahr. Laut einer DIHK-Befragung von 1600 Unternehmen organisieren mittlerweile 18 Prozent der Betriebe Ferienbetreuungen auf eigene Faust. In Homburg ist der Verbund von Schaeffler, Michelin und Dr.-Theiss-Naturwaren einzigartig. Und erweitert bei Nico das Spektrum der Wunschberufe. „Eigentlich wollte ich ja wie Papa zu Schaeffler. Aber vielleicht gehe ich jetzt doch zu Dr. Theiss“, sagt er. Am Nachmittag ging’s noch zur Feuerwehr ... (cps)

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