Rheinpfalz B 10 an der Felsnase herumgeführt
Sie ist oft in den Schlagzeilen, die Felsnase an der B 10 zwischen Hauenstein und Hinterweidenthal. Oft muss über Unfälle an dem durch den Sandsteinfelsen verursachten Nadelöhr berichtet werden, immer wieder auch über Bauarbeiten, die umständliche und weite Umleitungen notwendig machen oder lange Staus verursachen. Am Sonntag, 29. Juli, ist es mal wieder soweit: Der Landesbetrieb Mobilität hat Rodungsarbeiten und damit verbunden eine Sperrung angekündigt.
Die Engstelle unter der Felsnase ist heute ein neuralgischer Punkt, vielleicht sogar ein Verkehrshindernis. Als die B 10 im Jahr 1955 in dem entsprechenden Abschnitt gebaut wurde, sorgte die neue Trasse für Entlastung und für mehr Sicherheit. Wer aus Richtung Pirmasens kam, musste nicht mehr den schienengleichen Bahnübergang am heutigen Wartbachbrunnen – damals sprach man vom „Woatbrunnen“ – passieren, an dem es manchen schweren Unfall gegeben hatte. Er wurde überflüssig und später geschlossen, denn die B 10 ließ nun die Gleise rechts liegen. Und weil man am „Schwemmwasser“ nicht mehr die Schienen überqueren musste, konnte der vergleichsweise geringe Verkehr weiter ostwärts auch geradeaus Richtung Landau fahren und musste nicht mehr die 90-Grad-Kurve über die alte Bahnbrücke am „Jakobsgalgen“ nehmen – dort, wo heute die B-10-Auffahrt Hauenstein liegt. Seither gibt es in Hauenstein die „Alte B 10“, die als Sackgasse von der heutigen ShoeCity Richtung Westen führt und Radler auf den Weg Richtung Hinterweidenthal bringt. Eugen Klein, der über ein begnadetes Gedächtnis und ein umfangreiches Archiv in Wort und Bild über das alte Hauenstein verfügt, hat der RHEINPFALZ einen zeitgenössischen Bericht über die Straßenbauarbeiten vor 63 Jahren zwischen „Schwemmwasser“ und „Jakobsgalgen“ zur Verfügung gestellt, der zunächst einmal darüber staunen lässt, wie zügig der 2200 Meter lange Ausbau damals über die Bühne ging. Im Mai 1955 hatte die Zweibrücker Baufirma Oltsch mit den Arbeiten begonnen. Und schon am 12. Dezember wurde der Abschnitt dem Verkehr übergeben. Es war eine Baustelle, die es in sich hatte, vor allem, wenn man bedenkt, welche bescheidenen technischen Hilfsmittel damals zur Verfügung standen. 20.000 Kubikmeter Fels mussten nach einem Bericht des „Hauensteiner Bote“ weggesprengt werden, die gleiche Menge sei „verschoben“ worden. Ein „ansehnlicher Teil des Schutts“ sei nach Hauenstein transportiert worden: Mit dem Abraum sei der Weg zwischen Dahner Straße und Glatzeck aufgefüllt worden, am „Bildstöckel“ – heute etwa Standort „Wasgau Landhotel“ – sei die alte Sandgrube eingeebnet worden. In Hauenstein beobachtete man die „besonders schwierigen Arbeiten“ sehr intensiv und war mit deren Verlauf zufrieden: „Sehr gut haben sich die Leitung der Baustelle und die Arbeiter verhalten, denn immer konnte der Bahnverkehr aufrecht erhalten werden. An Störungen auf der Bundesstraße durch Sperren war sehr wenig spürbar“, heißt es in dem Bericht weiter, der auch lobend erwähnt, „dass Hauenstein mit seinen Straßen nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde“. Indes: Die Baustelle blieb von Unfällen nicht verschont. Schon im September hatte der „Hauensteiner Bote“ von einem schweren Arbeitsunfall am „Woatbrunnen“ berichtet: „Dort waren Arbeiter mit dem Aufräumen des Bahndamms beschäftigt. Ein 47-jähriger Arbeiter aus Maßweiler kam einem vorbeifahrenden Zug zu nahe, wurde von demselben erfasst und an eine Felswand geschleudert. Er wurde mit bedenklichen Verletzungen ins Krankenhaus verbracht.“ Am gleichen Tag hatte es am „Jakobsgalgen“ bereits einen anderen schweren Unfall gegeben: Ein Motorradfahrer war aus der Kurve getragen und gegen einen Lkw geschleudert worden: „Dem Motorradfahrer wurde ein Bein abgerissen“, heißt es im Unfallbericht. Gerade weil solche Unfälle künftig vermieden werden sollten, drückt der Berichterstatter seine Hoffnung aus, dass durch die neue Trasse „die große Gefahrenquelle an der Kurve ausgeschaltet ist, dass nicht die neue gerade Straße zu einer ,Rennstrecke’ wird, die vielleicht schlimmer werden kann.“ Erinnert man sich an die vielen Opfer, die die B 10 in den vergangenen Jahrzehnten gefordert hat, dann möchte man fast an seherische Gaben des Berichterstatters glauben.