Rheinpfalz Autobahn als Reservedamm

Frankenthal. Mit einem überschaubaren Kostenaufwand von rund 150.000 Euro könnte die Stadt Frankenthal ihren Schutz vor Hochwasser deutlich verbessern: indem hinter dem Rhein-Hauptdamm Vorkehrungen für weitere Sperren getroffen werden.
Diese Empfehlung hat Stefan Wallisch, Ingenieur beim Planungsbüro BGS Wasserwirtschaft, gegeben. Drei Katastrophenszenarien haben der Experte für Hochwasserschutz aus Darmstadt und seine Mitarbeiter näher untersucht: die Auswirkungen von möglichen Brüchen des Rhein-Hauptdamms bei einem Extrem-Hochwasser im Bereich der Eckbachmündung, der Isenachmündung oder südlich der A 6. Ergebnis: Große Gebiete bis hin zur Frankenthaler Stadtmitte würden dann in einem Zeitraum von 48 bis 72 Stunden überflutet, zum Teil mehrere Meter hoch. Die zu erwartende mögliche Schadenshöhe liege in einem solchen Fall zwischen 175 und 350 Millionen Euro. „Hochwasserpartnerschaft Nördliche Vorderpfalz“ nennt sich die Arbeitsgemeinschaft, die diese Untersuchung in Auftrag gegeben hat. Frankenthal, Ludwigshafen, Bobenheim-Roxheim, Rhein-Pfalz-Kreis, BASF und der Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach gehören dem 2010 gegründeten Bündnis an; der Verband hat die Federführung. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd gibt fachliche Unterstützung. Gegenwärtig böten die Dämme am Rhein Schutz bis zu einem Hochwasser, wie es im statistischen Durchschnitt alle 120 Jahre vorkomme, sagte Wallisch. Der Ausbau für den Schutz bis auf das Niveau eines „200-jährigen Hochwassers“ laufe. Zwar seien solche extremen Ereignisse selten – aber sie kämen eben doch vor, wie Überflutungen an der Elbe 2002, am Rhein 1993 oder an der Donau 1999 und 2013 zeigten. Um bei einem Deichbruch am Rhein mehr Abwehrmöglichkeiten als bisher zu bekommen, habe man nach weiteren „möglichen Riegeln“ Ausschau gehalten, sagte Wallisch. In Frage kämen dafür ein Binnendamm bei Bobenheim-Roxheim, der Damm, auf dem die A 6 verläuft, und ein Feldweg südlich der A 6 bei einem Gewerbegebiet in der Nähe des Rheins, der erhöht werden könnte. Den Kostenanteil der Stadt beim Ausbau dieses Weges schätzte Wallisch auf 100.000 Euro. Am Damm der A 6 müsste die Stadt Frankenthal für die Schließung mehrerer Durchlässe sorgen. Dies könnte mit mobilen großen Kunststofftonnen erreicht werden, die mit Sand gefüllt werden. Kosten: etwa 48.000 Euro. Berechnungen zeigten, dass bei erfolgreichem Einsatz dieser Barrieren 60 bis 100 Prozent der sonst befürchteten Schäden vermieden werden könnten. Mobile Sperrelemente habe Frankenthal wie auch die Stadt Ludwigshafen bereits beschafft, sagte Bürgermeister Martin Hebich (CDU). Man wolle den vorhandenen Bestand weiter „Zug um Zug aufrüsten“. Die beschriebenen Vorkehrungen zur Abriegelung wirkten zwar auf den ersten Blick einfach; tatsächlich gehe es aber um ein „komplexes System“, und es seien viele Punkte zu bedenken. Dazu gehört nicht nur die Frage, wie in einem solchen Krisenfall Wasser aus der Isenach abgeleitet werden könnte, sondern auch jene, was dann mit der Kläranlage der BASF geschehen würde. Auch dieses Thema fließe „in die Alarmeinsatzpläne ein“, sagt Jürgen Decker, Leiter der Regionalstelle Wasserwirtschaft bei der SGD Süd, ohne Einzelheiten zu nennen. In den Kostenaufstellungen seien diese Fragen noch nicht berücksichtigt. (spi)