Rheinpfalz Ausweg aus dem Hamsterrad
Gleich „25 Gründe, warum Laufen gesund ist“, nennt die „Huffington Post“ und listet die Effekte für den Körper, die beim Laufen erzielt werden, Punkt für Punkt auf. In Hauenstein hat sich eine Laufgruppe gebildet, die sehr wohl die gesundheitsfördernde Kraft des Laufens im Auge hat. Beim „spirituellen Laufen“ stehen aber dessen mentale Effekte im Vordergrund.
Wir begegnen der Gruppe, die sich jeden Montag um 19 Uhr trifft, am westlichen Ende der alten B 10. Heute sind es sechs Frauen aus Hauenstein und anderen Orten der Region, die sich bald auf den Weg machen werden. Oft ist es ein gutes Dutzend im Alter von 35 bis gut über 70 Jahren, die der Einladung zum wöchentlichen „spirituellen Laufen“ folgt. Die Gruppe initiiert hat Pastoralassistent Martin Fischer, der in der Pfarrei St. Katharina Dienst tut und seit seiner Jugend begeisterter Läufer ist. „Laufen ist ein guter Weg, um zum Meditieren zu finden“, sagt er und beschreibt damit schon den Kern des „spirituellen Laufens“, das einen „Ausweg aus dem Hamsterrad“, dem viele ausgesetzt sind, zeigen will. Vor dem eigentlichen Lauf auf dem Fahrradweg Richtung Hinterweidenthal steht eine Phase, in der die Teilnehmer sich ihre „Selbstwahrnehmung“, wie es Fischer nennt, bewusst machen: „Wie fühle ich mich? Was war heute gut, was belastet mich?“, seien die Fragen, die jeder für sich beantwortet. Diese Zeit diene „dem Ankommen, dem Bereitwerden für die Meditation“, die, wie es Warren Kay, ein Vordenker des „spirituellen Laufens“, formulierte, zwar „im Geist beginnt, jedoch das Herz mit einschließt und eine Reise durch das eigene Selbst“ sei. Es schließt sich ein Impuls an: Die Gruppe steht im Kreis, Martin Fischer, der seit seiner Schulzeit regelmäßig meditiert und sein Wissen um Methode, Formen und Techniken der Meditation stetig erweitert hat, stellt eine „Aufgabe für den Tag“: Das können Hinweise zur Atmung auf der Laufstrecke sein, das könne ein „Mantra“ sein, das immer wieder wiederholt wird, wie der Bibelspruch „Der Herr ist mein Hirte“, an dessen Rhythmus sich der Laufrhythmus angleiche, und es könne ein Bild sein, das man sich gedanklich vorstellt, sagt er. Wichtig: Es solle etwas sein, auf das sich die Läuferinnen konzentrieren können, um so den „Geist zur Ruhe zu bringen“. Nach dem Impuls macht man sich auf den Weg: Man findet sich zusammen in kleinen Gruppen, 20 Minuten lang wird in unterschiedlichem Tempo – je nach läuferischem Vermögen – gelaufen oder gegangen. Während dieser Zeit wird geschwiegen. Der Impuls beherrscht das Denken, ablenkende Gedanken, die sich einschmuggeln, werden abgewiesen. Nach 20 Minuten kehrt man um, auf dem Rückweg können sich die Teilnehmerinnen austauschen. Gemeinsam kommt die Gruppe wieder am Ausgangspunkt an, wo noch eine kleine Schlussrunde stattfindet: „Jeder kann seine Eindrücke schildern, keiner muss…“, sagt Fischer. Warum das Laufen ein idealer Wegweiser zur Meditation ist? Frank Hofmann, früherer Chefredakteur des Lifestyle-Magazins „Runner’s World“, der sich vom rein sportlichen zum „spirituellen Laufen“ hingewendet hat, sagt: „Wenn jemand läuft, werden bestimmte Regionen des Gehirns zunächst mit Sauerstoff unterversorgt, weil alles in die Muskeln geht. Also machen diese Hirnregionen Pause, und uns gelingt es, Dinge innerlich loszulassen, Probleme zu vergessen.“ Und: Man komme „in einen anderen Bewusstseinszustand, den man zur Entspannung nutzen kann, zur Meditation oder auch – wenn man ein religiöser Mensch ist – zum Gebet.“ „So richtig zum Meditieren komme ich nicht immer, manchmal geht’s gut, manchmal weniger gut“, sagt Gerda Edrich. Aber sie bestätigt Fischers Aussage: „Meditieren ist auch Übungssache.“ Zum „spirituellen Laufen“ sei sie gekommen, weil sie „etwas Neues ausprobieren“ wollte. „Es geht mir sehr gut dabei, weil ich in der Bewegung Ruhe finde“, sagt sie. Damit hat das „spirituelle Laufen“ seinen Sinn erfüllt. Info Treffpunkt zum „spirituellen Laufen“ ist montags um 19 Uhr am westlichen Ende der alten B 10 ( Verwaltungsgebäude Schuh-Marke), Dauer: etwa eine Stunde. Auskünfte bei Martin Fischer, Telefon 06392/4090416, oder per E-Mail an martin.fischer@bistum-speyer.de.