Jockgrim RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung im Zehnthaus: Künstler teilen Leidenschaft für Linie

Armin Göhringer will seine Skulpturen in Balance bringen.
Armin Göhringer will seine Skulpturen in Balance bringen.

Zwei ausgezeichnete Künstler zeigen im Zehnthaus Jockgrim ihre Werke: der Maler Rainer Nepita (Oberkirch) und der Holzbildhauer Armin Göhringer (Zell am Harmersbach).

„Wir haben schon oft gemeinsam ausgestellt“, erzählte Göhringer wenige Tage vor der Vernissage, während des Aufbaus der Ausstellung. Er ergänzte: „Was uns künstlerisch verbindet, ist die Linie.“ Sein Freund Rainer widme sich der Linie in der zweiten Dimension, also überwiegend in seinen gemalten Werken, er selbst habe die dritte Dimension in Form von Holzplastiken gewählt. Die Kunst von Göhringer und Nepita zeichnet sich jedoch durch ein weiteres gemeinsames Merkmal aus: Ihre Werke laden dazu ein, näher an sie heranzutreten. Sie wollen ergründet werden, ihre Schichten offen legen, ihre Fragilität und Tiefgründigkeit zeigen.

Rainer Nepita zeigt in Jockgrim Malerei, Zeichnungen und Drucke. „Ich male seit gut 25 Jahren in diesem Stil“, sagt er. Damit meint er, dass er sich organischen Formen, genauer Blättern von Pflanzen, hingewandt hat. „Schon in meiner Jugend habe ich lineare Zeichnungen bevorzugt.“ Heute gehe er in die Natur, halte seine botanischen Entdeckungen in präzisen Zeichnungen fest, um sie später im Atelier auf Leinwand ganz neu zu komponieren. Aus mehreren Schichten bestehen seine auf der einen Seite Farb-intensiven, auf der anderen Seite zarten Werke. Eine Grundfarbe, mehrfach und ebenmäßig als Basis auf den Bildträger gebracht, ist der ruhige Grund für die folgenden Zeichnungen. Er male teilweise in Bildgruppen, hatte hellere und dunklere Phasen, gut zu sehen in seinen mit Grautönen unterlegten Arbeiten. Schwarz als Basisfarbe verwende er nicht, bei ihr sei der Kontrakt zu seinen botanischen Motiven zu groß.

Blätter laden zum Näherkommen ein

Die Blätter lassen sich keiner konkreten Pflanze zuordnen, sie wirken wie fragile Flügel, die durch den Wind driften, ganz zufällig ihren Weg finden. Werden die Werke mit etwas Abstand betrachtet, sind nur die kräftig ausgeführten Konturen zu entdecken, doch beim Annähern werden immer mehr Linien in der Tiefe sichtbar, es wird beinahe zu einem Spiel, jeden bewusst gesetzten malerischen oder zeichnerischen Akzent zu entdecken.

Einer Art Spiel widmet sich auch Armin Göhringer. Er lotet in seinen abstrakten Plastiken die Grenzen der statischen Belastbarkeit von Holz aus, indem er Durchbrüche schafft, Schnitte setzt, soviel Holz wie möglich mit der Kettensäge entfernt. „Ich habe an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach bei Frankfurt zuerst Malerei und Zeichnung studiert.“ Durch eine Auftragsarbeit sei er zur Holzbildhauerei gekommen. Und dabei geblieben. Es brauche schon viel Erfahrung, um mit dem 30 Zentimeter langen Schwert einer Carving-Kettensäge einen groben Holzklotz in ein Kunstwerk zu verwandeln.

Alles wirkt roh, unfertig, verletzlich

Bevor Göhringer die Säge ansetzt, zeichnet er sein Objekt oder fertigt ein Vormodell davon an. Vor jedem Schnitt muss er hinsehen, wie das Holz, oft benutzt er Pappel, gewachsen ist, wo er Stege sägen und Schnitte ansetzen kann, ohne dass das Werkstück aus der Form gerät. Er beachtet Zug- und Druckkräfte des gewachsenen Holzes, denn sein oberstes Ziel ist es, das Kunstwerk in einen Zustand der Balance zu bringen.

„Ich möchte das Gefühl beim Betrachter erzeugen, dass alles gleich zusammenbricht“, meint er ernsthaft. Die Mehrzahl der archaisch wirkenden Arbeiten schwärzt er mit Dispersionsfarbe, nur wenige zeigen die natürliche Holzfarbe. Seine Werke für draußen verbindet er regelmäßig mit grob bearbeitetem Metall, Schweißnähte sind sichtbar, alles wirkt roh, unfertig, ein Stück weit verletzlich.

Info

Vernissage am Sonntag, 14. Juni, 11 Uhr, im Zehnthaus Jockgrim, Ludwigstraße 26-28; Öffnungszeiten bis zum 5. Juli jeweils samstags 15 bis 17 Uhr und sonntags 11 bis 17 Uhr; www.zehnthaus-jockgrim.de.

Rainer Nepita faszinieren Blätter (Ausschnitt).
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