Rheinpfalz Ausgezeichnet wohnen
„Der Umbau erfolgte mit Respekt vor der Geschichte des Hauses“: Mit dem Bauherrenpreis, den sie alle vier Jahre verleiht, würdigt die Architektenkammer des Saarlandes (AKS) Silke und Rolf Sommer für die Sanierung ihres alten Bauernhauses in Einöd. Der Preis zeichnet Bauherren aus, die sich um die Baukultur verdient gemacht haben – in enger Zusammenarbeit mit ihrem Architekten. Auch dieser ist ein Einöder: Seit Umbau-Beginn 1997 ist Lothar Burger als Planer mit im Boot.
„Statt neuen Wohnraum auf der grünen Wiese oder nach Abriss alter Bausubstanz zu schaffen, entschieden sich die Bauherren, das alte landwirtschaftliche Gehöft in der Dorfmitte an einer für das Ortsbild wichtigen Stelle zu erhalten und zu modernisieren“, lobt die Saarbrücker Jury. AKS-Präsident Alexander Schwehm: „Nur durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Planern und Bauherren auf Augenhöhe entsteht qualitätvolle und nachhaltige Architektur.“ Sieben Bauherren haben vorigen Donnerstag den Preis erhalten. Lothar Burger, der sein Büro in der Einöder Hauptstraße betreibt – ebenfalls in einem Bauernhaus – reichte zusammen mit dem Ehepaar Sommer deren Projekt zur Begutachtung bei der Architektenkammer ein. Mit Erfolg. Betritt man das Anwesen in der Einöder Webenheimer Straße durch die Hoftür, fällt der Blick auf den gemütlich-rustikalen Innenhof mit Ziehbrunnen und Bruchsteinmauern. „Hier stand früher ein verfallener Schuppen“, erzählt Burger: „Wir haben ihn abgerissen und den großen Hof freigelegt. Mit den Steinen des alten Gebäudes haben wir die Mauern aufgebaut.“ Den Kiesbelag auf dem Fußboden haben sich Burger und die Sommers vom Kloster Hornbach abgeschaut: „Den Quarz-Splitt, der dort verwandt wurde, haben wir hier auch benutzt.“ Dem Budget für die umfassende Sanierung kam es zupass, dass die Bauherren ihr Haus nicht erst hatten kaufen müssen. „Wir sind hier im Elternhaus meines Vaters. Meine Oma hat hier zeitlebens gewohnt“, erzählt Silke Sommer. Wie der Architekt ist sie eine waschechte Einöderin – und beide sind sie in Zweibrücken zur Welt gekommen und dort zur Schule gegangen. 1997 haben die Sommers zunächst das Wohn- und Haupthaus des Anwesens aus dem frühen 19. Jahrhundert modernisiert, das Dach saniert und das alte Erscheinungsbild der Fassaden zur Webenheimer- und zur Hauptstraße hin wiederhergestellt. „Wir haben großen Wert darauf gelegt, viel Originales zu erhalten“, betont Silke Sommer, die als Bankkauffrau bei der Volks- und Raiffeisenbank Saarpfalz ihr Geld verdient. Ehemann Rolf ist selbstständiger Handelsvertreter. „Der alte Wohntrakt des Bauernhauses hatte zwar viele Zimmer; die waren aber klein und schmal“, berichtet Silke Sommer, dass 1997 beschlossen wurde, das Gebäude durch einen Anbau zu erweitern und das Schlafzimmer von der vielbefahrenen Hauptstraße nach hinten zu verlegen: Dort offenbart sich heute vom Bett aus ein großzügiger Panoramablick in den urigen Innenhof mit Blumenschmuck und Mauersteinen. „Damals erhielten wir aus einem saarländischen Dorferneuerungsprogramm Fördergelder für stilgerechte Sanierung“, sagt Burger. Der zweite – und ganz dicke – Brocken sollte in den Jahren 2016 und 2017 folgen. „Jetzt kam die alte Scheune an die Reihe, die sich im gleichen Gebäude wie unser Wohnhaus befindet“, berichtet Silke Sommer. Der Wohnbereich wurde großzügig und geschmackvoll erweitert – mit freigelegten Eichenbalken und Fachwerk-Konstruktionen, mit Fußbodenheizung und Einbau neuer Bäder. „Den Ausbau mussten wir hinbekommen, während die Bauherren schon im Haus wohnten“, berichtet der Architekt von Provisorien wie Staubschutzwänden, Planen zum Abschotten des Wohnbereichs und von Baulärm. Als wertvolle Partner am Bau hätten sich einige westpfälzische Fachfirmen erwiesen. Lothar Burger nennt die Zweibrücker Baufirma Dahlhauser, die für Durchbrüche, Fundament-Arbeiten und den Einbau tragender Konstruktionen zuständig war. Das Holzbau-Unternehmen Peifer aus Wallhalben besorgte den Innenausbau mit Holzböden, Treppen und Toren sowie dem Anfertigen stilgerechter hölzerner Sprossenfenster. Bei aller Liebe zum Detail haben die Sommers den Weitblick nicht verloren. Architekt Burger: „Die alte Treppe im Haus ist steil und schmal. Ich habe meine Auftraggeber daran erinnert, dass wir alle nicht jünger werden.“ Also wurden eine zweite, breitere Treppe und eine Dusche eingebaut, die auch einem Rollstuhl Platz bietet. Im Obergeschoss wurde ein Gästezimmer mit Bad eingerichtet, in dem eines Tages eine Pflegekraft einziehen könnte – und in einer Zwischenwand verbirgt sich ein Schacht, in dem die Sommers bei Bedarf einen Aufzug nachrüsten können. Der Umbau ist geschafft. „Jetzt müssen wir noch sehen, wo wir die Metallplakette mit dem Architektenpreis am Haus anbringen können“, suchen Silke und Rolf Sommer derzeit noch ein Plätzchen für die Ehrentafel.