Rheinpfalz Aus Schnapsidee werden die Leimer Rinderbarone

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Es ist ein kleines Jubiläum: Seit zehn Jahren befassen sich sechs Männer hobbymäßig mit der Bio-Rinderzucht, mittlerweile unter dem Namen „Rinderbarone“ als notariell eingetragene Interessengemeinschaft. Von zunächst sieben Rindern ist die zottelige Herde auf 19 Tiere, davon acht Junge, angewachsen. Das hochwertige Fleisch ist ausschließlich für den eigenen Bedarf.

LEIMEN. Als die RHEINPFALZ mit Sven Andersson, einem der Rinderbarone, der von Anfang an dabei war, die Herde besucht, ist lautes Rindergebell und dunkles Muhen zu hören. „Das Empfangskomitee meldet sich“, sagt Andersson lachend. Unter schattenspendenden Bäumen, am kleinen Josefsbach, der am Rande der herrlichen Weidefläche das Tal durchfließt, reihen sich die stattlichen Hochland-Rinder bis an die Einzäunung auf. Ist ihre Neugierde befriedigt, herrscht wieder Ruhe. Von oben, auf einer rustikalen Holzbank, geht der Blick tief ins schöne Bornwiesental, wo die Rinder gemütlich fressen. Gemütlich, das ist das Stichwort für die Erfolgsgeschichte der Rinderbarone. An die stämmige Sandsteinmauer der stabilen Hütte gelehnt, erzählt Claus-Dieter Burkhard, wie sechs Leimer Männer zu einer kleinen Rinderherde kamen. Das war nämlich vor zehn Jahren in gemütlicher Runde bei einem geselligen Steakabend bei Gastgeber Helmut Heim. Zu vorgerückter Stunde kam Heim auf die Schnapsidee, „unsere eigenen Rinder züchten, mit eigenem guten Steakfleisch“. Eine Schnapsidee – zunächst. Aber Heim ließ nicht locker, und letztendlich traf man sich, um Nägel mit Köpfen zu machen. Schnell wurden grundsätzliche Fragen geklärt, welche Rasse gewählt wird und wo die Viecher weiden sollen. Helmut Heim organisierte Weideflächen unter der Bedingung, dass die Rinder diese offen, also von hohem Bewuchs freihalten. Zum Start war eine Einlage von 1000 Euro pro Mann fällig. Davon wurden sieben Highländer in Hauenstein gekauft. Sukzessive wurde die Rinderherde aufgebaut. Der erste Deckbulle erhielt den Namen „Rambo“. Es folgte „Oskar“ und momentan steht „Thomas“ auf der Weide „und beglückt sich und die Kühe“, feixen die Männer. „Man hat ihm angesehen, dass er sich gefreut hat, plötzlich sieben Frauen zu haben. Zumal er hier ein Schlaraffenland mit Brunnen vorgefunden hat“, freuen sich seine Besitzer mit ihm. Der Weidezaun erstreckt sich auf einer Länge von 3000 Metern. Ein Teil der natürlichen Futterfläche liegt im Bereich Bornwiesen, die Sommerweide ist das Bornfeld im Osten Leimens. Im Winter stehen die robusten Rinder im Tal, geschützt von Tannen und Kiefern, zwischen diesen beiden Bereichen. Ihre Versorgung ist prächtig, denn Helmut Heim, Sven Andersson, Mijo Sabics, Helmut Cronauer, Claus-Dieter Burkhard und Ernst Günter Wetzke, die Rinderbarone, kümmern sich täglich um ihre Herde. Nicht alle zugleich, sondern wer gerade Zeit hat. 2014 ließ sich die lose Gesellschaft beim Notar als Interessengemeinschaft eintragen, um die Sache auf stabile Füße zu stellen. Gleichzeitig wurde die urige Sandsteinhütte gekauft, so dass man sich immer trockenen Hauptes und mit schöner Aussicht vom Balkon ins Tal zur Herde niederlassen kann, wann immer man will. Damit keine Inzucht entsteht, werden die Deckbullen von Zeit zu Zeit ausgetauscht. Ein Jungbulle will derzeit Chef „Thomas“ die Deckrechte streitig machen. „Den werden wir aber eintauschen“, steht fest. Die Züchter wollen Ruhe in der Herde, denn es soll bei den schottischen Langhornrindern kein Stress entstehen, das würde die Fleischqualität mindern. Bio pur ist nämlich vorgegeben. Kein Kraftfutter. Was auf der Weide vorgefunden wird, ist Nahrung genug. Ein Wassertank ist ständig gefüllt, zusätzlich zum Josefsbächlein. Besonderen Wert legen die Züchter auf eine regelmäßige tierärztliche Betreuung. Alle Rinder sind mit Ohrmarken gekennzeichnet und führen eine Nummer. Eine Geburt hat noch keiner der Barone erlebt. „Du kommst morgens her und es stakst plötzlich so ein kleines knuddeliges Kälbchen herum,“ erzählt Burkhard strahlend. Obwohl ihnen die Rindviecher „irgendwie ans Herz gewachsen sind“, fällt letztendlich doch das Schlachtbeil. Zunächst wird das Rind aufgeladen und nach Bundenthal zu Metzgermeister Ludwig Hoffelder gebracht. Mit zwei Rinderhälften führt die Fahrt dann zu Metzgermeister Christoph Hanß in Hauenstein. Hier werden unter anderen leckere Fleischpakete und deftige Würsten hergestellt. Verkaufen? Von wegen! Nichts. Alles wird aufgeteilt in den eigenen Reihen, denn bei sechs Familien wird einiges verbraucht. Und einmal im Jahr werden die Rinderbaron-Familien zu „Ochs am Spieß“ eingeladen.

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