Rheinpfalz „Aus Schaden wird man klug“
Hitze, Gewitter, Dürre: Kaiserslautern hat einen außergewöhnlichen Sommer hinter sich. An der Technischen Universität (TU) beschäftigt sich Stadtklimatologe Sascha Henninger mit den Auswirkungen des Klimawandels in Städten – und er berät die Kommunen, wie sie damit umgehen sollten.
„Seit 2003 ist der Begriff Stadtklima in der Bevölkerung und der Politik angekommen“, sagt Henninger, nach eigenen Angaben einziger Stadtklimatologe an der TU. 2003 habe ein Hochdruckgebiet wochenlang über Europa gelegen („Hochs sind relativ faul“) und für Hitze gesorgt. „Damals war, nachdem es vor allem in Frankreich viele Tote gegeben hat, so etwas wie der Startschuss für die Stadtklimatologie“, sagt Henninger. Durch Hitzebelastung steige die Sterberate nachweislich. Seitdem kümmerten sich Städte verstärkt um Klimaschutzkonzepte, die Anzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen in dem Fachbereich sei in die Höhe geschossen. Dass solche Konzepte notwendig sind, zeige just der Sommer 2018. „Dieses Jahr hat gezeigt, man muss sich darauf einrichten, dass Wetterextreme häufiger auftreten.“ Die früher genutzten Begriffe wie 100- oder 1000-jährige Ereignisse seien überholt. Dadurch wachse der Druck, sich anzupassen – ob in der Verwaltung, in Unternehmen oder für die Bevölkerung. In Städten, die am Fluss liegen, werde die Hochwassergefahr früh in Planungen mit aufgenommen, während man es andernorts oft schmerzlich lernen müsse: „Aus Schaden wird man manchmal klug“, sagt Henninger mit Blick auf Starkregen im Mai und im Juni. Klimaanpassung funktioniere nicht von heute auf morgen, betont Henninger: „Wir planen im städtischen Bereich meistens im Bestand, das braucht langfristige Planung und viele Gespräche.“ Nur selten könne man neue Wohngebiete von vorneherein aus stadtklimatologischer Sicht mitgestalten. Im deutschsprachigen Raum gebe es einen „relativ überschaubaren Kreis“ an Stadtklimatologen, in Kaiserslautern ist Henninger dem Fachbereich Raum- und Umweltplanung angehörig. Ein Vorteil, wie er findet: „Urban Planning und Urban Climate, Stadtplanung und Stadtklimatologie, sind in Gehnähe zusammen. Das ist gut für den Austausch.“ Bad Kreuznach, Mannheim, Haßloch, Ludwigshafen nennt er als Beispiele für Kommunen, in denen er tätig war oder ist. In Frankenstein hat er die 30er-Zone-Diskussion aus lufthygienischer Sicht begleitet – auch damit beschäftigen sich Stadtklimatologen, Stichwort Feinstaub. Die Arbeit wird Henninger, Mitarbeitern, Studenten so schnell nicht ausgehen ...