Kaiserslautern
Nach 13 Jahren Bauzeit: Stadt überrascht mit Öffnung des Viadukts
Mit der Zeit ist es eine ganz eigene Sache. Wenn man sie braucht, hat man eigentlich immer viel zu wenig von ihr. Und wenn man zu viel von ihr hat, kommt schnell Langeweile auf und man wünscht sich, sie möge doch bitte voranschreiten, die Zeit. Ob solche Fragestellungen auch die Planer im Referat Tiefbau, die Bauarbeiter und die Deutsche Bahn beschäftigt haben, während am Viadukt gearbeitet wurde? Jede Menge Zeit hatten alle Beteiligten jedenfalls. Denn 13 Jahre hat es gedauert, bis aus einer alten und dunklen Eisenbahnbrücke aus Sandstein die neue Überführung aus Beton wurde und die darunter durchführende Trippstadter Straße bis vor zur Logenstraße erneuert ist.
Damit ist, auch das erklärte die Stadt am Donnerstagmittag in ihrer Mitteilung, nach der neuen Stadtmitte die nächste große Baustelle abgeschlossen. Es könnte alles so schön sein. Endlich Aufbruch, Fortschritt, weniger Umleitungen und Baulärm. Wenn da eben nicht 13 Jahre gewesen wären. Was man in dieser Zeit alles machen kann: Der Abiturjahrgang 2026 hat in dieser Zeit seine gesamte Schulkarriere absolviert – von der Grundschule bis zur Reifeprüfung. Andere haben sich in dieser Zeit verliebt, geheiratet, eine Familie gegründet, und nicht wenige davon sind vielleicht schon wieder geschieden. Der FCK stieg in der Zwischenzeit aus der zweiten in die dritte Liga ab, spielte dort vier Saisons und stieg viel umjubelt wieder in die Zweite Bundesliga auf. Viel Zeit also.
Und doch konnte man am Donnerstagmittag meinen, es sei nichts gewesen: Denn kaum sind 13 Jahre rum, schwups ist es auf, das Viadukt. So mir nichts dir nichts – ohne viel Getöse, ohne öffentliche Vorwarnung. Die Baustelle einfach weg. Werden Medien sonst gerne mal zur feierlichen Durchschneidung eines roten Bandes eingeladen, wenn irgendwo ein neues Sträßchen fertig ist, blieb es diesmal bei einem Hinweis per Pressenotiz – beim größten Projekt seit vielen Jahren. Um 12 Uhr vermeldete die Stadt, dass sie ab 14 Uhr die Arbeiten endgültig für beendet erklären kann und das Viadukt und die Trippstadter Straße wieder vollständig für den Verkehr geöffnet sein werden. Ende gut, alles gut?
Denn die Karcherstraße bleibt Einbahnstraße, ein in Zeiten der Bauarbeiten vielfach geäußerter Kritikpunkt. Wer sich im Viadukt ein bisschen genauer umguckt, stellt fest: Das scheint wohl auch nicht schon zu Beginn der Bauarbeiten geplant gewesen zu sein. Denn die Spur stadteinwärts teilt sich kurz vorm Abbiegen auf einmal auf. Geradeaus-Pfeile sind auf diesem Teilstück bereits auf- und schon wieder überklebt.
Als die Stadt das Viadukt im Herbst 2024 zunächst nur stadtauswärts geöffnet hatte, war die Kritik daran oft hart ausgefallen. Auch ich konnte es mir nicht so recht vorstellen, ob das nicht anders geht. Damals hatte die Stadt argumentiert, die Karcherstraße sei allein zu schmal, um den großen Verkehrsstrom in beide Richtungen – stadtein- und -auswärts – zu ermöglichen, die Ableitung über die Trippstadter Straße sei zwingend notwendig. Die Einbahnstraßenlösung habe sich in der Zwischenzeit bewährt, schreibt die Stadt in ihrer Mitteilung. Man wolle insbesondere Radfahrer und Fußgänger schützen, viele von ihnen Kinder auf dem Schulweg.
Es ist ein guter Gedanke in einer Stadt, die sich gerade in Teilen mit ihrer Position, Kaiserslautern habe zu wenig Parkplätze, aufmacht, wieder stärker auf den Autoverkehr zu setzen. Eine Stadt, in der immer dann, wenn es um die neue Fahrradstraße geht, jede Freundlichkeit in den Kommentarspalten der Sozialen Medien verloren geht und die Radfahrer gescholten werden. Städte der Zukunft sehen aber anders aus – autofreier als bisher.
Ob die Diskussionen um die neue Verkehrsführung damit aber ein für alle Mal enden? Muss rund um das Viadukt noch einmal nachgesteuert werden? Es würde irgendwie passen, wenn das letzte Kapitel der (fast) unendlichen Geschichte dieses Bauprojektes noch nicht geschrieben wäre.