Rheinpfalz „Aus dem Ruder gelaufen“

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Der einst barrierefrei ausgebaute Wanderweg zum Bärenfelsen in der „Langenbach“ glich bis vor ein paar Tagen einem Truppenübungsplatz. Im vorderen Bereich wurde zwischen dem 3. und 20. Februar im Auftrag des Forstamtes Westrich eine Durchforstung durchgeführt. Weil die beauftragte Firma trotz Starkregens mit schwerem Gerät weiterarbeitete, entstanden große Schäden am Weg. Die muss die Firma nun beheben.

Als der Leiter des Forstamtes Westrich, Theodor Ringeisen, und der zuständige Revierförster, Peter Kiefer, den Weg sahen, waren sie entsetzt: „Diese Maßnahme ist vollständig aus dem Ruder gelaufen, der Unternehmer ist seinen Pflichten nicht nachgekommen.“ Das Ausmaß der Zerstörung beschreibt Ringeisen so: „Ich bin seit 25 Jahren Forstamtsleiter, aber so etwas habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt.“ Revierförster Kiefer gibt zu bedenken: „Wir haben in deutlich schwerer zugänglichen Lagen Holzerntemaßnahmen durchgeführt, die nicht ansatzweise diese Schäden verursacht haben.“ Der finanzielle Schaden bewege sich jenseits der 10.000 Euro. Der Weg musste gesperrt werden. Eine Umleitung über den parallel verlaufenden Waldweg wurde eingerichtet. Nachdem das Forstamt die RHEINPFALZ eingeschaltet hatte, kam es zu einer Einigung zwischen Forst und Firma. Die Schäden werden auf Kosten des Unternehmers beseitigt. Die Arbeiten laufen bereits. Auf Nachfrage erklärt Unternehmer Jürgen Nick aus Gemünden im Kreis Bitburg: „Es kam zu Missverständnissen, die nach dem Gespräch mit Mitarbeitern des Forstamtes bereinigt sind.“ Ohne Details zu nennen, kündigt er an, für die Kosten der Reparatur aufkommen zu wollen. Die Chronologie der Geschehnisse beginnt am 3. Februar. Mit Harvestereinsatz und einer Rückemaschine werden über eine Strecke von 300 Metern sogenannte Rückegassen im Abstand von 40 Metern hergestellt. Dabei werden die Bäume entfernt, damit der Harvester innerhalb der Gassen agieren kann. Die seitlichen Ausleger greifen die markierten Bäume und fällen diese vollautomatisch. Der Harvester ist von früh morgens bis in den späten Abend im Einsatz, bei Dunkelheit wird mit Scheinwerferlicht gearbeitet. Etwa Mitte Februar setzt dann Starkregen ein. Die Arbeiten laufen jedoch weiter. Auf dem Weg zum Bärenfelsen fahren ununterbrochen der Harvester und die Rückemaschine. Breite Furchen, tiefe Rillen, Schlamm und Geröll dominieren nun das Bild. „Hier wurde klar gegen geltende Vertragsvereinbarungen verstoßen“, stellt Ringeisen fest. Bei einsetzendem Regen sei Standard, dass alle Arbeiten eingestellt werden, damit die Schäden auf den Wegen nicht zu groß werden. Erst im vergangenen Jahr ist dieser Bereich im Zuge des Einbaus einer neuen Wasserleitung von Pirmasens nach Rodalben komplett saniert worden. Kurz vor dem Einsetzen des Starkregens, Mitte Februar, sei bei einem Ortstermin das Forstunternehmen, das hier tätig war, ein Subunternehmer des Vertragspartners, durch den technischen Produktionsassistenten des Forstamtes, Nicolay Metzmann, explizit angewiesen worden, die Arbeiten bei Regen einzustellen. „Zu diesem Zeitpunkt war der Weg auch noch befahrbar und in einem intakten Zustand“, berichten Metzmann und der technische Produktionsleiter Simon Wöllhaf, die den Wegezustand auch fotografiert haben. Umso entsetzter seien alle gewesen, als sie dann das Ausmaß der Zerstörung festgestellt haben. Der Weg war nicht einmal mehr für die Abfuhr der rund 850 Festmeter Stammholz, die entlang der Wege aufgestapelt wurden, zu benutzen – und schon gar nicht für Fußgänger oder Radfahrer. Trotz aller wirtschaftlichen Aspekte, die bei der Holzernte auch eine Rolle spielen, könne man die Bürger gut verstehen, „die für solchen Raubbau kein Verständnis aufbringen“, waren sich Revierförster und Forstamtsleiter einig. Wie Kiefer mitteilte, wurde der Weg inzwischen aber bereits planiert und gröberes Material aufgebracht, damit zunächst einmal das Stammholz abtransportiert werden kann. Das könne je nach Wetter allerdings einige Wochen dauern. Danach werde erneut am Weg gearbeitet, feinerer Split werde aufgebracht, um den Weg zum touristisch beliebten Bärenfelsen wieder in einen barrierefreien Zustand zu versetzen. (elim)

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