Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Aufregung vor dem Start: Gäste heben ab beim Flugplatzfest in Eßweiler

Gleich geht es los: Die neunjährige Maja Schwarz vor ihrem ersten Flug in einem Segelflugzeug mit Pilot Markus Gutmann.  Foto: V
Gleich geht es los: Die neunjährige Maja Schwarz vor ihrem ersten Flug in einem Segelflugzeug mit Pilot Markus Gutmann.

Höhenluft schnuppern und vielleicht auch etwas Nervenkitzel erleben – das konnten die Besucher des Flugplatzfestes in Eßweiler. Am Wochenende richtete der Luftsportverein auf seinem Gelände außerhalb des Ortes sein Fest aus. Er öffnete Hallen und Cockpits, und wer wollte, konnte als Passagier an einem Rundflug teilnehmen.

Sitzgarnituren im Freien und in einer der Hallen, dazu ein Getränkewagen, ein Verpflegungsstand und eine Kuchentheke: Das verführt zum Verweilen und zum Plaudern, ganz gleich, ob als Fachmann oder Gast. Kurz nach der Eröffnung am Sonntagvormittag sind bereits die ersten Besucher erschienen. Bei Sonnenschein und einer etwas diesigen Luft, wie Lukas Eichel bedauert, haben sich schon die ersten Passagiere für einen Rundflug gemeldet.

Eichel hat die Flugleitung inne. Das bedeutet, dass er die Piloten vor dem Abheben – basierend auf einem 15-seitigen Regelwerk der Oberen Luftfahrtbehörde – einweist. Dies dient vorrangig der Sicherheit, egal ob Flugzeugführer, Passagier oder Besucher. Denise Maue und Lukas Wimmer sind die ersten Fluggäste an diesem Tag. Sie werden in dem viersitzigen Motorflieger von Ralf Bock Platz nehmen. „Das ist einmal etwas ganz anderes“, meinen sie gut gelaunt. Wobei sie schon etwas aufgeregt ist – und er geht davon aus, dass es ihm beim Start so ergehen wird, denn schließlich hat er in einem solch kleinen Flugzeug noch nie gesessen.

Flugplatz Ramstein aus der Vogelperspektive

„Das wird schön“, ist sich Bock sicher. Die Spuckbeutel, die er dabei hat, seien noch nie nötig gewesen. Bock ist einer der befreundeten Piloten des LSV, die das Fest unterstützen. Auf etwa 1500 Metern über Meereshöhe und in einem Radius von 30 Kilometern wird er seie Fluggäste durch die Luft chauffieren und ihnen dabei Dörfer, Sehenswürdigkeiten oder auch den Flugplatz Ramstein aus der Vogelperspektive zeigen. Das Besondere an einem solchen Flug ist seiner Meinung nach, dass sich keine Stahltür zwischen Pilot und Passagieren befindet. „Man hat direkten Kontakt und kann sich über ein Headset unterhalten.“

Dann wird’s ernst. Hinter dem rot-weißen Flatterband, das den Start- und Landebereich abgrenzt, parkt der Flieger. Nach dem Einsteigen lässt Bock den Motor an, die Propeller rotieren, knatternd rollt die Maschine los. Dann Gas geben, die Motoren dröhnen. Der Flieger verschwindet hinter Hecken, als er wieder auftaucht, hat er längst abgehoben. Nach wenigen Sekunden ist er nur noch ein kleiner Punkt am Firmament.

Endlich groß genug, um mitzufliegen

Am Boden haben Melanie Klahr und ihre siebenjährige Tochter Lotta das Schauspiel beobachtet. Die Familie aus Horschbach besucht fast in jedem Jahr das Flugplatzfest – und in diesem Jahr ist Lotta endlich groß genug, um mitfliegen zu dürfen. Etwas aufgeregt sei sie schon, gesteht die Siebenjährige. Ihre Mutter freut sich darauf, die Welt und vor allem die Heimat von oben zu sehen. Lottas jüngere Schwester und der Opa behalten festen Boden unter den Füßen. Nach der Landung meint die Mutter: „Es war ein schöner Flug.“ Auch der Tochter hat es gefallen, aber auf die Frage, ob sie denn noch einmal einsteigen möchte, schüttelt sie den Kopf.

Am Boden geblieben ist zunächst auch André Jacobs. Seine Kunstflugvorführung am Vormittag wurde wegen der zu erwartenden Besucher und des Sonnenstands auf den Nachmittag verlegt. Seine Pilatus B4, ein Segelflieger in Leichtbauweise mit gerade mal 241 Kilo Gesamtgewicht, parkt noch in der Halle. Sie gebe am Boden und in der Luft ein wunderschönes Bild ab, schwärmt der 24-Jährige aus der Region Hermeskeil.

Hohe G-Kräfte

Als Steppke von fünf Jahren hat er zum ersten Mal in einem Flieger gesessen, seit sechs Jahren hat er sich den Kunststücken verschrieben. Bei seiner 20-minütigen Show wird er auf eine Höhe von rund 1200 Metern im Schlepptau einer Motormaschine gezogen, bevor er Loopings nach oben und unten, Rückenflug oder das Abwärtstrudeln zeigt. Eine gute Kondition und völlige Konzentration sind die erforderlichen Voraussetzungen, wenn er den Steuerhebel in der Hand hält, denn gerade bei diesen Flugmanövern multiplizieren sich die G-Kräfte, die ihn entweder in den Sitz oder Richtung Fenster drücken. Einen Fallschirm hat Jacobs immer dabei, aber er sagt: „Beim Kunstflug lernt man, den Flieger in jeder Situation im Griff zu haben.“

Gegen Mittag trudeln immer mehr Besucher ein. „Wir erwarten 250 bis 300 Gäste“, sagt Eichel. Für sie haben die Vereinsmitglieder den Tisch gedeckt. Gegrilltes, Schnitzel und das Kuchenbuffet sind eröffnet. Gerne wird hier zugegriffen. Am Vortag war ein Pilot mit seinem Oldtimer-Doppeldecker, Baujahr 1941, gelandet. Ob er heute auch kommen wird, ist offen. Geplant ist, dass am Nachmittag ein Rettungshubschrauber landet, den sich die Besucher anschauen können.

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