Kultur Südpfalz Auf der Suche nach Neuem

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Dem musikalischen Mainstream fühlt sich Anna Zassimova nicht verpflichtet, die junge, aus Moskau stammende, inzwischen an der Karlsruher Musikhochschule unterrichtende Pianistin kann nicht nur auf eine vielfältige Konzertlaufbahn, die sie im vergangenen Jahr auch nach Herxheim führte, zurückblicken, sie hat zudem eine Reihe interessanter CDs mit seltenem Repertoire eingespielt.

Weiterhin hat sie eine musikwissenschaftliche Promotion an der Musikhochschule vorgelegt, die sich mit dem Leben und Schaffen von Catoire befasst. Auf Georges Catoire (1861 bis 1926) sei sie durch einen Zufall während ihrer Studienzeit Ende der 1990er Jahre in Moskau gestoßen: „Eine Geigerin bat mich, mit ihr die Sonate für Violine und Klavier op. 20 durchzuspielen, die ihr Geigenlehrer ihr gegeben hatte“. Die farbenreiche Musik fand bei Zassimova sofort anklang, danach begann sie sich um die zu diesem Zeitpunkt nahezu vergessene Musik und den Komponisten intensiv zu kümmern. „Catoire, dessen Vater ein bedeutendes Handelshaus in Moskau besaß, wurde von Tschaikowsky ermuntert, eine Karriere als professioneller Musik einzuschlagen“, sagt die Pianistin. Studiert habe er beispielsweise bei dem großen Klavierpädagogen Carl Klindworth, aber auch bei Rimsky-Korsakow und Liadow. Ihr Doktorarbeit über den Komponisten, der ab 1917 am Moskauer Konservatorium Musiktheorie und Komposition unterrichtete, sei mehr biografisch aufgebaut denn analytisch, meint Zassimova. Sie hat Catoire auch zwei sehr interessante CDs gewidmet, eine mit Violinwerken mit dem Karlsruher Geigenprofessor Albrecht Breuninger (cpo 777378-2) sowie eine mit Lieder Catoires (Antes Edition BM319286) mit der Sopranistin Yana Ivanilova. Zudem hat sie sich jüngst für Sergej Tanejew eingesetzt, dessen Klavierquartett op. 30, das Klavierquartett op. 20 und das Klaviertrio op. 22 Anna Zassimova mit Breuninger jüngst für cpo ( 2 CDs 777793-2) aufgenommen hat. „Tanejew ist zwar nicht so unbekannt wie Catoire, aber es gibt Vorbehalte gegenüber seiner Musik, da sie angeblich zu konstruiert sei“, erläutert die seit 2006 in Deutschland lebende Künstlerin. In Deutschland fühlt sich die Künstlerin, die mit einem Stipendium zum Studium nach Karlsruhe bei Michael Uhde und Markus Stange kam, sichtlich wohl. „Mir haben hier so viele Menschen weitergeholfen“, sagt Anna Zassimova, was sie eigentlich gar nicht erwartet hätte. Neben dem Unterrichten und der regen Konzerttätigkeit sind es vor allem ihre CD-Einspielungen, die für sie besonders wichtig sind. Eine Konzept für eine CD zu entwerfen, wobei sie auch gerne die Booklet-Texte selber schreibt, und dieses dann im Studio umzusetzen, sagt die sympathisch uneitle Pianistin, sei etwas sehr befriedigendes. Neuem ist die Pianistin nie abgeneigt, hat sie doch auch mit dem Heilbronner Kammerorchester jüngst in London die „Bernhard Suite“ von Adam Donen und Roger O’Donnell aufgeführt. Wobei die beiden Komponisten nicht aus dem klassischen Bereich kommen, sondern O’Donnell beispielsweise der Keyboarder der populären Band „The Cure“ ist. Auch wenn Anna Zassimova oft bei internationalen Festivals und Konzertreihen, eingeladen wird, um Werke von Catoire, Medtner, Nicolai Roslavez und anderen heute kaum sonst zu hörender Musiker zu spielen, ist sie ebenfalls begeistert davon, Chopin zu interpretieren, einem Komponisten, dem sie sich seit ihrer Jugend verbunden fühlt: „Ich bin, sobald mir dies möglich war, den Spuren des Lebens von Chopin gefolgt.“ (gt)

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