Kultur Südpfalz Auf den Straßen von Istanbul
„Lebenszeichen“ steht über der Ausstellung bei der Südpfälzischen Kunstgilde, die vorwiegend Straßenszenen in Istanbul aus der Sicht eines Deutschen und eines Türken zeigt. Dass die Schwarz-Weiß-Fotografien keinen markanten Unterschied zwischen Ralf J. Diemb aus Ettlingen und Sadik Ücok aus Istanbul preisgeben, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass beide den bedeutenden türkischen Fotojournalisten Ara Güler als Vorbild nennen.
Viele Bilder spiegeln das Leben auf der Straße in Ecken von Istanbul wider, die nicht an den Touristenrouten liegen. Fischer und Handwerker, deren Gesichter und Hände vom Wetter und harter Arbeit gezeichnet sind. Ein Geschäft bietet in der Auslage ganze und halbe Ziegen an Fleischhaken feil. Frauen in Kopftüchern und verschlissenen Kleidern ziehen mit Karren durch enge Gassen. Burka tragende Frauen haben die Fotografen in der Artgalerie am Schloss neben leichte Mädchen aus dem Rotlichtmilieu gehängt. Das Gesamtbild, das sich dem Betrachter bietet, zeigt alle Facetten des Lebens am Bosporus. Landschaftsaufnahmen, die Lust auf Ferien im Orient machen, aber auch Ruinen, die an den jüngsten Terror erinnern. Eine syrische Frau mit all ihren Kleidern übereinander auf dem Leib und einem Baby im Arm, oder ein Vater in Syrien, der seinem Sohn vor dem zerbombten Haus die Haare rasiert, erinnern an die Bedeutung der Türkei zwischen Europa und Asien in der nicht unumstrittenen Flüchtlingspolitik. Flimmernde Vergnügungstempel, Transvestiten und ein modernes, sich vor der Kamera küssendes junges Pärchen bilden den Kontrast. Diemb hat eine Ausstellung mit dem Titel „Türkische Fotografien“ in Berlin vor acht Jahren inspiriert, vor Ort selbst nach Motiven zu suchen. Eine erste Reise nach Istanbul hat ihn mit dem Virus infiziert, die vielseitigen Stimmungen dieser Stadt in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bildern festzuhalten. Sadik Ücok will mit seiner Kamera besondere Momente festhalten und Menschen porträtieren. Beide rücken mit ihrem Blick durch die Linse Alltägliches in ein emotionales Licht, die Bilder regen den Betrachter zum Lächeln, zum Sinnieren, zum Nachdenken und manchmal zum Fabulieren an. Dann zum Beispiel, wenn ein altes Paar am Straßenrand sitzt, Er scheinbar sorglos in eine Tüte mit Essbarem greift, während Sie ein paar Münzen in der offenen Hand zählt. Leuchtende Augen ärmlich gekleidete Kinder beim Spielen auf der Straße oder beim Schaukeln strahlen vor Glück. Auf dem nächsten Bild blickt ein Junge sehnsüchtig in ein Kassenhäuschen auf dem Rummelplatz, ob er sich eine Fahrt auf dem Kettenkarussell leisten kann? Als der Türke Sadik Ücok 1963 zur Welt kam, hatte der 1942 in Thüringen geborene Ralf J. Diemb gerade sein Abitur bestanden und in Heidelberg mit dem Lehramtsstudium begonnen. Bevor Ücok sich im Jahr 2003 als Fotokünstler selbstständig machte, arbeitete er als Karikaturist für bedeutende türkische Blätter wie die Hürriyet. 1980 hat er sich auf dem Weg gemacht, das soziale Leben auf der Straße fotografisch festzuhalten. Diemb lebt in Ettlingen und widmet seit 1980 seine Freizeit der Fotografie. Er ist Gründungsmitglied der seit 1983 bestehenden Ateliergemeinschaft Wilhelmshöhe Ettlingen und war 1985 Mitbegründer des heutigen Kunstvereins. Info Ausstellung bis 10. Juli, Schlossgasse 3, Bad Bergzabern, Öffnungszeiten Donnerstag und Freitag 16 bis 18 Uhr, Sonntag 15 bis 18 Uhr. Sonntags ist Ralf J. Diemb vor Ort für Fragen und Führungen. |srs