KARLSRUHE
Auch Museen packen Notfallkoffer
In Karlsruhe wurde vor zehn Jahren der Notfallverbund für Archive und Bibliotheken gegründet. Der Fokus lag also zunächst darauf Schriftstücke vor Katastrophen zu bewahren. Das hat sich jetzt geändert, nachdem auch das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), die Städtische Galerie und das Naturkundemuseum beigetreten sind. Für Christoph Hierholzer, zuständig für Museumstechnik im ZKM, ist dies ein besonderes Signal.
„Mit unserer Bewerbung war klar, dass sich der Charakter des Verbunds verändern würde. Und daher wird es nicht bei diesen drei Museen bleiben, da auch für die zahlreichen anderen Karlsruher Museen Verantwortung übernommen werden muss“, sagt Hierholzer. Ziel des Verbunds sind Prävention und Schadensbegrenzung bei kleinen und großen Katastrophen. Die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig mit Ausrüstung und Schulung im Ernstfall: personell, logistisch, materiell und durch die Bereitstellung von Räumen.
Wenn Museumsstücke eingefroren werden müssen
Es gibt verschiedene Szenarien vom Brand bis zu Naturkatastrophen wie eine Überflutung nach Starkregen oder gar ein Erdbeben, erklärt Leonie Rök von der Restaurierungsabteilung. Für das ZKM am wahrscheinlichsten seien Kabelbrände oder Wasserrohrbrüche, wie es sie im Badischen Landesmuseum schon des Öfteren gegeben hat.
Was tun, wenn das Depot unter Wasser steht? Nasse Archivalien müssten umgehend eingefroren werden, da unter anderem Schimmel droht, sagt Rök. Bei einem Brand wiederum müssen Sammlungsbestände gesichert, transportfähig verpackt und an geeigneten Orten ausgelagert werden.
Die Kunst liegt in der Beschränkung
Wichtige Bausteine für ein rasches Handeln werden gerade im ZKM bestückt. „Wir versuchen uns vorzustellen, was im Fall der Fälle notwendig ist“, sagt Hierholzer. Zur Grundausstattung zählen Schreibwaren, Säcke, Reinigungsutensilien, Folien, Strahler und Kabeltrommel, Schutzkleidung, Verbandskasten und ein Werkzeugkoffer. Untergebracht ist das alles in Rollboxen in den Grundmaßen regulärer Europaletten. Um beim Zuhörer auch nicht den Hauch eines Gedankens an Slapstick-Szenen aufkommen zu lassen, stellt Hierholzer klar: „Die Rollbox ist natürlich nicht verschlossen.“
Um deutlich zu machen, was in solch einer Notfallbox alles steckt, packen die beiden einfach mal aus. Zum Vorschein kommt ein Sammelsurium des Besten aus heimischer Schreibtischschublade und des im Keller stehenden Werkzeugregals. Die Kunst scheint in der Beschränkung zu liegen. Hierholzer: „Die Planung ist ein Gedankenspiel, das nie aufhört und automatisch erneut ablaufen wird, wenn die Haltbarkeit des vorhandenen Materials regelmäßig überprüft wird. Dazu kommen einem ja immer wieder Erkenntnisse, die man hier umsetzen kann.“
Den Ernstfall gab es bei einem Sturm
Hierholzer ist seit der Eröffnung im Herbst 1997 beim ZKM tätig. In diesen Jahren habe es fast nur Schäden gegeben, die Besucher verursacht haben. So sei es vorgekommen, dass Gäste buchstäblich in ein Kunstwerk hineingelaufen seien und zum Beispiel Systeme aus Leuchtstoffröhren zerstört haben.
Vor über zehn Jahren aber hab es einen Sturmschaden in einem großen Außenlager des ZKM. Eine Wärmeabzugshaube am Dach sei abgerissen und Wasser eingedrungen. „Wir mussten improvisieren, um das riesige Loch in der Decke zu stopfen. Plastik war zwar da, aber wie sollten wir es befestigen? Am Ende ging es glimpflich aus, weil sich das Wasser innen nur auf der einzigen freien Fläche gesammelt hat.“
Dass das ZKM mit Havarien noch keine großen Erfahrungen sammeln musste, sei allerdings kein Grund zur Entwarnung. Hierholzer: „Gerade weil wir bislang so glimpflich davon gekommen sind, müssen wir uns ganz besonders vorbereiten. Denn es ist nur eine Frage der Zeit, niemand ist gefeit.“