Rheinpfalz Auch Münchner in der Westpfalz

Das 1:0 der deutschen Mannschaft gegen Brasilien sorgte schon am ersten Abend für gute Stimmung beim Pfeffelbacher Open Air. Die Rockfans ließen sich auch durch regelmäßige Regenschauer ihre Laune nicht verderben. Ausgiebig feierten sie an zwei Tagen und genossen die Musik zahlreicher Bands.
Ganz in schwarz gekleidet, mit dunklen Augenringen und blond gefärbtem Irokesenschnitt schaut Martin Engler der Band Mono Inc. düster auf die harten Jungs und Mädels des Pfeffelbacher Open Airs. Ausgelassen, vom Sieg der deutschen Mannschaft motiviert, springt die Masse vor der Bühne. Mit ausgefeilter Pyrotechnik und Bildern auf der Leinwand wird die Stimmung weiter angeheizt, während gleich nebenan auf der Bühne Schlagzeugerin Katha Mia beim nächsten Song zwischen drei Tonnen und ihrem Schlagzeug hin und herwechselt. Frenetisch werden die harten Soli der Musikerin von den Fans bejubelt. Während der Umbauphase für den Auftritt von JBO haben die Gäste eine Verschnaufpause, und die Besuchermasse verteilt sich gegen 10.30 Uhr auf dem Festivalgelände. Der gebürtige Frankfurter Chris Jung nutzt die Gelegenheit und kümmert sich um seinen Bierhaushalt. Am Donnerstag reiste er aus München an und traf sich mit den Freunden aus Frankfurt auf dem Campinggelände vor Ort. Das zweite Mal ist der 27-Jährige auf dem Festival. „Feiern, Leute anlabern und kennenlernen, JBO anhören“, für einen Kurzurlaub kann sich der Student nichts Besseres vorstellen. Daniel Krischok aus Bad Kreuznach drängt schon in die ersten Reihen für den JBO-Auftritt. Mit den Freunden hat er sich auf dem Campingplatz gut eingerichtet. Zelt und Pavillon halten bislang den Regenschauern stand, die Musik sei klasse und das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht zu überbieten, erklärt der junge Rocker. Einen privaten Spielplan hat sich die Gruppe aus Bad Kreuznach nicht gemacht. Hämatom, Kärbholz, Fiddler′s Green, Herzlos, Metakilla, Serum 114, Wilde Jungs und mehr – das Aufgebot beim Open Air ist groß; am Besten so viel wie möglich mitnehmen, ist die Devise der meisten Gäste. Gegen halb zwölf scheinen alle Besucher vor der Bühne versammelt. Die textsichere Masse feiert mit JBO und wird von der Band Wilde Jungs in die Nacht entlassen. Am Samstag gegen fünf Uhr ist Julian Ohler aus Iggelbach mit dem Kumpel vom Campingplatz aus unterwegs zum Festivalgelände. Das kleine Zelt der Pfälzer steht hoch oben auf der Wiese. Der Weg zu den Bands führt an den Waschanlagen vorbei, runter zur Straße auf den Feldweg Richtung Brücke, wo der Einlass ist. Auf dieser Strecke sind gerade viele Besucher unterwegs, denn die Band Hämatom hat um 18 Uhr ihren Auftritt. Es regnet leicht, aber anhaltend. Einige besonders harte Kerle schonen ihre Kleidung und sind nur mit Badehosen und Adiletten bekleidet unterwegs und zeigen ihre Tattoos. Ein paar Schritte weiter sitzen Jens Bergmann und Christian Lang, die zur Crew der der Band Wilde Kerle gehören, vor einem mobilen Piercingstudio. Im Wohnwagen wird gestochen und geschmückt. Lang und Bergmann haben etwas Zeit zum Entspannen. Auf Tour sei oft 36 Stunden lang etwas zu tun, da komme ihnen der bequeme Platz vor dem Studio gerade recht, erklären die Roadies. An den Ständen für Speis und Trank entlang, an manchmal unheimlich wirkenden Besuchern vorbei, haben sich etliche Fans in einer Lounge versammelt. Dort sitzen zu bestimmten Zeiten die Mitglieder der Bands und erzählen, was die Fans wissen möchten. Veranstalter Thomas Reiche ist stets mit von der Partie. Am Samstagmorgen haben die Pfeffelbacher die 20.000-Mitgliedermarke auf Facebook geknackt. Auch durch die Kommunikation über das soziale Netzwerk werde das Festival immer bekannter, erklärt Reiche. Bisher habe das Wetter keinen wesentlichen Einfluss genommen. Ein paar aufgeschürfte Knie, eine kleine Kappelei. Friedlich solle es bis zum Ende bleiben, wünscht sich Reiche. Die familiäre Stimmung unter den Besuchern des Festivals, die sich bereits seit Jahren kennen würden, die grandiosen Liveauftritte der Bands und die engagierten Helfer, die leider am Montag wieder zur Arbeit müssten – das alles mache das Pfeffelbacher Open Air zu einer erstklassigen Veranstaltung, resümiert Reiche.