Rheinpfalz Assistenzärzte verzweifelt gesucht

Das Westpfalz-Klinikum ist ein Haus der Maximalversorgung, nur eine Hautklinik fehlt.
Das Westpfalz-Klinikum ist ein Haus der Maximalversorgung, nur eine Hautklinik fehlt.

Der Fachkräftemangel ist am Westpfalz-Klinikum angekommen. „Wir müssen extreme Anstrengungen unternehmen, um gutes Personal zu finden“, sagt Personalchef Frank Ostermann. Seit zwei Jahren arbeitet er mit Personalvermittlungsfirmen zusammen, obwohl er sich dagegen jahrelang gesträubt hatte.

Chefärzte zu gewinnen, das ist das geringste Problem. „Da erhalten wir noch fünf bis 15 Bewerbungen auf eine Stelle“, erläutert Personalchef Ostermann. Der Einstellung von Chefärzten gehe eine lange Vorlaufzeit voraus. „Wir fangen möglichst ein Jahr bevor ein Arzt altersbedingt ausscheidet mit der Suche an, es gibt eine medizinische Findungskommission.“ Aktuell sucht Ostermann einen Nachfolger für den Chef der Radiologie. Vor allem bei den Assistenzarztstellen werde es deutlich schwieriger. Vakanzen und Engpässe gebe es derzeit schon in der Gynäkologie und Neurologie. „In der Kardiologie hingegen kriegen wir richtig gute Bewerbungen. Manchmal hängt das auch mit dem Fach zusammen“, erläutert der Stellvertreter des Geschäftsführers. Für ihn ist das aber kein Kaiserslautern-spezifisches Problem. „Es fehlt einfach an Nachwuchs, es gibt zu wenig Studienplätze für Mediziner.“ Und natürlich konkurriere Kaiserslautern mit Großkliniken und Metropolen wie Hamburg oder München. Ein Pluspunkt sei bei der Gewinnung von Ärzten nach wie vor, dass das Westpfalz-Klinikum ein Haus der Maximalversorgung ist, außer Dermatologie alles bieten kann. Das sei für Ärzte in Ausbildung sehr attraktiv. „Die können hier viel lernen, weil wir ein ganz breites Spektrum haben und gut aufgestellt sind.“ Vor zwei Jahren sei erstmals ein Praxistag für Jungmediziner veranstaltet worden. „Da haben wir dem Nachwuchs an zwei Tagen das Haus gezeigt. Die Leute müssen wissen, welche Entwicklungsmöglichkeiten sie haben, wenn sie erst mal da sind. Wer bei uns seinen Facharzt macht, bleibt in der Regel.“ Das sei ein gutes Zeichen, weiß Ostermann, der den Job seit 30 Jahren macht. Die Identifikation mit dem Haus sei sehr hoch, was sich auch daran zeige, dass die Fluktuation bei den Chefärzten ganz gering sei. Dass es zuletzt zwei überraschende Wechsel gab, sei ungewöhnlich. „In einem Fall hatte der Stelleninhaber ein Angebot einer großen Klinik in München. Da konnten wir nicht mithalten.“ Für den Standort spreche, dass einige Kräfte sogar aus Unikliniken nach Kaiserslautern gefunden haben. Oberärzte könne man in der Regel aus eigenen Reihen rekrutieren. Um Ärzte im letzten praktischen Jahr nach Lautern zu navigieren, hat das Haus sogar eine Kooperation mit einer privaten Universität in Ungarn geschlossen, in Pécs. „Dort schicken wir gezielt Chefärzte zu Vorträgen hin“, so Ostermann, der mit attraktiven Teilzeitmodellen werben muss, weil die Medizin immer weiblicher wird. 300 von 4200 Stellen an den vier Standorten seien mittlerweile mit ausländischem Personal aus 67 Nationen besetzt, Tendenz steigend. Auch wenn Ostermann nicht leugnet, dass sprachliche Hürden ein Problem sind, sieht er sein Haus da im Zugzwang. „Wir müssen die Stellen ja besetzen.“ Sein Credo sei, die ausländischen Ärzte gleich an die „Front“ zu schicken, damit sie sicherer werden. Parallel müssten sie Sprachkurse besuchen. „Und es gibt die strikte Anweisung, auf Station nur Deutsch zu sprechen, auch mit Landsleuten.“ Ausgeschrieben werden längst nur noch Chefarztstellen und Positionen von Leitenden Oberärzten. „Der Rest läuft über Initiativbewerbungen.“ Mittlerweile arbeite er sogar mit „Headhuntern“ zusammen. „Dagegen habe ich mich noch vor ein paar Jahren mit Händen und Füßen gewehrt, aber es geht nicht mehr anders.“ Seit zwei Jahren beauftrage er Personalvermittlungsfirmen, die für das Klinikum die Akquise machen. Ein schweres Feld ist laut Ostermann auch die Pflege. Um die Leute ans Haus zu binden oder nach der Familienphase zur Rückkehr zu bewegen, biete das Klinikum 500 verschiedene Arbeitszeitmodelle an. „Da wird jeder Wunsch erfüllt“, betont er. „Die Leute können von 8 bis 12 Uhr arbeiten, nur abends, nur am Wochenende, wir machen alles möglich.“ Gute Erfahrungen gemacht habe das Krankenhaus mit Fachkräften aus Italien, die über ein Programm mit dem Internationalen Bund für den deutschen Arbeitsmarkt fit gemacht werden, die Sprache lernen und ein interkulturelles Training absolvieren. „So haben wir 30 Krankenpfleger gefunden.“ Die eigene Krankenpflegeschule helfe auch sehr. „Wir bilden jedes Jahr 150 bis 180 Schüler aus. Da hängen wir uns richtig rein, um gute Leute zu finden, bieten Ausbildungstage an Schulen an.“ Selbst im medizintechnischen Bereich werde es immer schwerer, Interessenten zu finden. Ebenso wie bei den Ungelernten. „Es ist viel schwieriger geworden, Küchenhelfer, Reinigungspersonal sowie Kräfte für die Wäscherei oder die Logistik zu finden, Krankenfahrer. Früher hatten wir für zwei Stellen 20 Bewerbungen. Die Zeiten sind vorbei, obwohl wir noch nach Tarif bezahlen.“ Man könne sich in vielen Fällen nicht mehr die Besten aussuchen.

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