Kaiserslautern
Was für eine Nacht: Konfetti und ganz viel Applaus bei „KL Proms“ auf dem Schillerplatz
Dass das außergewöhnliche Open-Air-Konzert auf dem Schillerplatz passenderweise im Jubiläumsjahr Kaiserslauterns stattfand, machte es ebenso angenehm speziell wie die kleinen Überraschungen am Rande des mehrstündigen Events. Zudem war „KL Proms“ eine Leistungsschau dessen, was Kaiserslautern an hervorragenden Stimmen zu bieten hat.
Schon eine halbe Stunde vor dem ersten Ton ist der bestuhlte Schillerplatz mit erwartungsfrohen Musikfans aller Altersstufen relativ dicht besetzt. Bis zum Beginn der Show ändert sich das noch einmal deutlich: Als die Mitglieder des maßgebenden „Crossover Orchester Westpfalz“ zu den hymnischen Klängen von „Chariots of fire“ auf die Bühne kommen, gibt es anhaltenden Applaus und ermunternde Zurufe aus den jetzt fast vollständig besetzten Reihen.
Berührende Musicalnummern und Schlager
Außerhalb der Absperrung füllen sich die Stehplätze mit immer mehr Menschen. Das ist zu erwarten gewesen. Überrascht sind allenfalls Passanten, die zufällig am Schillerplatz vorbeieilen wollen, aber dann fasziniert stehenbleiben und längere Zeit zuhören. Der Name „Crossover Orchester Westpfalz“ ist Programm. Stimmlich sauber unterstützt vom formationseigenen Crossover-Chor bietet das Ensemble unter den sicheren Dirigaten von Frank Zeihsel und Jochen Messer an diesem Abend wieder gut arrangierte Orchestermusik quer durch so ziemlich alle Genres der populären Musik: berührende Musicalnummern (etwa gleich zum Beginn aus dem „Phantom der Oper“), beschwingt Jazziges, bekannte Filmmusiken, immergrüne Schlager („Griechischer Wein“) und klassische Rocksongs (wie „Another brick in the wall“). Damit erreicht man unterschiedlichste Geschmäcker. Fest zusammengehalten wird das buchstäblich viele Stile kreuzende Programm durch die Qualitäten der Orchestermitglieder und besonders der singenden Gäste an diesem Abend.
Davon gibt es reichlich. Vom charismatischen Solo-Auftritt bis hin zum kraftvollen Terzett agiert man in verschiedenen Zusammensetzungen. Die Sängerinnen Ramona Dworak, bekannt aus etlichen guten Bands der Region, und Michaela Clemenz, eine ausgebildete Opernsängerin, bilden zusammen mit der hauptsächlich im Orchester als Schlagwerkerin agierenden Noelia Messer eine solide Dreiheit an weiblichen Stimmen.
Eine Doppelrolle nimmt Gitarrist Jürgen Walzer ein, der nicht nur als Instrumentalist, sondern auch als vokale Stimmungskanone mit Hits wie „Sweet Caroline“ überzeugt. Ähnliche Reaktionen löst Winterland-Sänger Stephan Hugo etwa mit seiner Interpretation des „Summer of '69“ aus. Ergänzt wird der Reigen der Sänger durch den Orchester-Neuzugang Alexander Wildberger (seine Band war schon Support von Helloween) und den jüngsten in vorderster Reihe Mitwirkenden, Ben Clemenz, der unter anderem schon früh mit der Ray-Charles-Nummer „Hallelujah I love her so“ beeindruckt. Jeder Einzelne von Ihnen könnte locker ein eigenes Programm gestalten. Keine Überraschung.
Nette Überraschungen und Ereignisse am Rande des Konzerts gibt es indes durchaus. So kann etwa der dem Orchester öfter zuarbeitende bekannte niederländische Arrangeur Frits Kessels an jenem Abend von der souverän und kenntnisreich durchs Programm führenden Moderatorin Martina Blandfort unter viel Applaus im Publikum begrüßt werden.
Von Anfang an beste Stimmung
Apropos Publikum. Da herrscht von Anfang an beste Stimmung. Es wird bald auch vor der Bühne und mittendrin ausgelassen getanzt. Und an den Fenstern und auf den Balkonen der umliegenden Gebäude lässt sich gelegentlich mancher Musikfan an exponierter Stelle sehen. Als die „Muddi Garde“ des KVK mehrmals zu einigen Stücken tänzerische Akzente auf der Bühne setzt, steigt die Stimmung nochmals spürbar an.
Selbst weniger angenehme Vorkommnisse können die Atmosphäre nicht lange stören. Zwar gibt es zweimal heftige Regenschauer, aber jedes Mal auch einen prächtigen Regenbogen über dem Schillerplatz. Zwei Besucher, die sich nicht benehmen können, werden aus dem Areal geleitet. Und als ausgerechnet bei der Zugabe die Gitarre versagt, sorgen Musiker und Techniker sofort für Abhilfe – Profis allesamt eben. Eigentlich auch keine Überraschung.
Nach inklusive Pause einem fast vierstündigen Premium-Konzert fliegen Flitter und Konfetti durch die Dunkelheit in die Luft. Da bleibt das zuletzt von seinen Sitzen gerissene Publikum zu Recht für den Applaus gleich stehen. Was für eine Nacht!