Landau
Archäologen entdecken Kinderdoppelgrab im Feld hinter Lazarettgarten
So viel Kartenmaterial haben Archäologen selten, wenn sie gerufen werden, ein geplantes Baugebiet zu sondieren. Dass im Westen Landaus hinter dem Lazarettgarten auf der Wollmesheimer Höhe einiges im Boden schlummert, war zu vermuten gewesen: 1702 war die französische Festung hier von den Preußen belagert worden, und ganz in der Nähe verlief im Zweiten Weltkrieg der Westwall – das zeigen Luftaufnahmen der Alliierten. Auch über die Festungszeit sind viele Karten und andere Dokumente überliefert. Daraus sei beispielsweise auch bekannt, dass in Landau einmal ein Pulvermagazin explodiert ist mit größeren Verwüstungen.
Das alleinstehende Haus auf der südlichen Seite der Wollmesheimer Straße, das den Abschluss des neuen Baugebiets bilden soll, besitzt einen alten Bierkeller, der von den Nazis zu einem Bunker umgerüstet wurde. Und man vermutete noch einen weiteren in der Nähe, wie David Hissnauer, der Gebietsreferent der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) in Speyer berichtet. Nach ihm wurde bei der geomagnetischen Prospektion im Vorfeld der Sondierungsgrabung gesucht, und ein so massiver Betonklotz mit Stahlbewehrung im Boden hätte auf jeden Fall auffallen müssen. Doch entweder liegt er woanders, ist verschwunden oder entgegen der Planung nie gebaut worden.
Dafür schlug das Gerät auf dem Areal im Westen der Stadt in großer Streuung bei vielen kleinen Anomalien im Boden an, erzählt Hissnauer. Die Stellen können tatsächlich menschliche Artefakte sein, aber auch geologische Veränderungen wie Lehmschollen im Boden. Gefunden haben die Archäologen dann bei der Sondierungsgrabung die aus den Karten vermuteten, über 300 Jahre alten Belagerungsgräben mit ihrem festgestampften Laufboden, außerdem Musketenkugeln, eine Kanonenkugel und ein Schaufelblatt.
Aber es fanden sich Hissnauer zufolge viele Keramikscherben und auch ganz alte Siedlungsgruben, die einmal als Vorratskammern oder als Löcher für den Abfall dienten. Und zuletzt stießen sie am südlichen Rand der Grabungsfläche auf eine Kinderdoppelbestattung. Festlegen bei der zeitlichen Einordnung wollen sich die Archäologen noch nicht, denn es fand sich kein datierbares Material im Grab. Daher soll das Alter der Knochen mit der C14-Methode untersucht werden – doch das dauert ein paar Monate, sagt Hissnauer.
Bei den Keramikscherben waren die Experten ursprünglich von der Hallstattzeit ausgegangen, die zur älteren Eisenzeit gehört. Noch sind die Scherben in den Speyerer Werkstätten nicht wieder zusammengepuzzelt worden, sodass sie anhand der Verzierungen eindeutig zuzuordnen wären. Dennoch gehen die Fachleute jetzt davon aus, dass die Funde noch älter sind, aus der mittleren Bronzezeit um 1500 bis 1300 vor Christus stammen. „Bestätigt sich diese Arbeitshypothese, wäre das interessant, da diese Epoche in der Pfalz bisher unterrepräsentiert ist“, sagt Hissnauer.
Die schiere Größe des Areals ist für die Archäologen ungewöhnlich: 38.000 Quadratmeter misst der erste Bauabschnitt des Gebiets, dessen Untersuchung im März begann. In zwei Wochen ist der Trupp mit der Hälfte fertig: Jeweils zwölfmal rund 100 Meter lange Abschnitte räumen sie mit dem Bagger ab, um Verfärbungen im Untergrund zu erkennen. „Wir kommen schneller voran als kalkuliert“, sagt Grabungsleiter Andreas Zschommler. Bis Juni 2026 ist der Abschnitt durch, dann kann’s an den zweiten, weiter südlich gelegenen, gehen. Eine solche Sondierungsgrabung ist immer ein Überraschungsei, doch Hissnauer ist zuversichtlich, die Kalkulation von 700.000 Euro nicht zu reißen. Und erst, wenn die Erfahrungswerte des ersten Abschnitts vorliegen, könne der zweite verlässlich kalkuliert werden.
Im Frühjahr will die GDKE mit der Stadt zusammen Grabungsführungen anbieten. Bis dahin sollen die Metallteile und die Keramikgefäße in Speyer aufbereitet werden.