Rheinpfalz Arbeiten fürs Klettervergnügen
Der Hochstein bei Dahn ist ein begehrtes Ausflugsziel und vor allem Kletterer drängt es immer wieder an das über 40 Meter hohe Felsmassiv zwischen Dahn und Reichenbach. Da verwundert es nicht, wenn sich Kletterer auch für den Erhalt der Natur rund um den Hochstein engagieren. Gerade arbeitete eine Jugendgruppe des saarländischen Alpenvereins am Hauptweg vom Parkplatz hoch zum Fels. Das Ziel: die Erosion bekämpfen.
„Die Stufen hier sind nicht nur für die Bequemlichkeit da“, erzählt Wolfgang Gebhardt, der zusammen mit Katja Becker die achtköpfige Jugendgruppe leitet, die am Samstag bei wenig angenehmen Temperaturen den Hohlweg sanierte. Ohne die Stufen würde der sandige Weg immer weiter ausgeschwemmt und nicht nur das. Wanderer und Kletterer gehen ohne gut ausgebauten Weg, wo es ihnen gerade gefällt. Die Folge: Überall im Wald rund um den Hochstein gebe es Trittschäden und weitere Erosion. Wie das aussieht, können Wanderer sehen, die in der Vorderpfalz zu beliebten Burgen unterwegs sind. „Abschneidewege“ werden deshalb am Samstag auch gleich beseitigt, erklärt Gebhardt. Finden die Aktiven vom Alpenverein eine dieser Abkürzungen, wird sie mit Reisiggeflecht versperrt und damit renaturiert, schildert Katja Becker die Vorgehensweise. 1993 sei der Alpenverein zum ersten Mal am Hochstein mit einer „Umweltbaustelle“ aktiv geworden. „Da gab es 50 Trampelpfade rings um den Hochstein“, erzählt Gebhardt. Am Samstag waren etwa 200 Meter des Weges vom Parkplatz zwischen Dahn und Reichenbach dran. Gleich nach den ersten Metern wirft Gebhardt den ersten Querbalken raus. „Der hält nicht mehr lange.“ Weitere Querbalken folgen, die den Weg halten und dem Wanderer einen sicheren Tritt geben sollen. Die Jugendlichen schleppen Spitzhacke, Zuschlaghammer und Schippen den Berg hoch. Dazu kommen Sägen und Äxte. Jetzt heißt es erst mal Holz für die neuen Querbalken holen und das wird links und rechts des Weges gefunden. „Wir haben das mit dem Forst abgesprochen, dass wir uns ein paar krumme Bäumchen holen dürfen“, meint Gebhardt und zeigt drei Jugendlichen eines dieser krummen Bäumchen. Mit der Handsäge gehen zwei dran, das etwas mehr als zehn Zentimeter dicke Bäumchen zu fällen. „Für die meisten Kinder ist das hier das erste Mal, dass sie einen Baum fällen“, meint Gebhardt, der zuschaut, wie sich die Zwei mit der Säge mühen, um den Baum zu fällen. Kurz vor dem Fall greift Gebhardt ein und hält den Baum. Dann kommt der Klopftest. „Guck mal, ist das Holz hier noch was?“ Nach Klang und sichtbaren Spuren von Verfall wird der Stamm beurteilt. Sechs Meter Stamm bleiben letztlich übrig, die in kleinere Stücke gesägt für die Befestigung der Querstämme genommen werden. Die Truppe aus dem Saarland rekrutierte sich aus den Kletterern der Kletterhalle in Ensheim, erzählt Katja Becker. Normalerweise kämen zu solch einer „Umweltbaustelle“ über 20 Kinder und Jugendliche mit. Am Samstag sei jedoch die Mehrzahl der Teilnehmer krankheitsbedingt ausgefallen. Acht sind gekommen, einer davon ist ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling, der seit zwei Jahren in Deutschland ist. „Es ist auch nicht wirklich das richtige Wetter für so was“, meint Becker und schaut zum Himmel, der zum Glück keinen Regen auf die Gruppe fallen lässt. Für die Teilnehmer ist der zweitägige Ausflug umsonst. Untergebracht ist die Gruppe in einem Rad- und Wanderheim in Dahn. Das Alter der Teilnehmer reicht von zwölf bis 18 Jahren. Ein Tag lang werde am Fels gearbeitet, abends schön gekocht und am nächsten Tag wird es wetterbedingt wohl in das Dahner Badeparadies gehen, worauf sich alle schon am Samstagmorgen bei dem nasskalten Wetter freuen. Alles müssen die Jugendlichen auch nicht mit der Handsäge klein schneiden. Ein Helfer mit vorschriftsmäßiger Schutzausrüstung und entsprechender Ausbildung packt nach einer halben Stunde die Motorsäge aus und greift ein. Die Gruppe will schließlich am Samstag noch fertig werden. Dann geht es auch flink weiter. Nach einer weiteren halben Stunde sind die ersten Stufen wieder fertig in der Erde. Eine Arbeit, die ungefähr alle drei Jahre wiederholt werden muss, dann sind die Eichenstämmchen wieder zu morsch. Die Umweltbaustellen des Alpenvereins konzentrieren sich nicht nur auf den Hochstein. Die Hintere Deichwand bei Wilgartswiesen, der Backelstein bei Hauenstein, Glasfelsen bei Erfweiler und die Rotgraue Wand bei Dahn wurden ebenfalls schon Ziel einer Umweltbaustelle. Alle Aktionen seien mit der Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung abgesprochen und ein Mitarbeiter von dort werde im Laufe des Tages auch vorbeischauen, sagt Katja Becker. Die Aktionen seien auch immer im eigenen Interesse. Würde der Alpenverein sich nicht für eine umweltverträgliche Zuwegung der beliebten Kletterfelsen bemühen, könnten die Felsen irgendwann komplett gesperrt werden. Und dann wäre es Schluss mit dem Klettervergnügen für die Saarländer, die laut Gebhardt sehr oft im Sommer ins Dahner Tal fahren. „Nach dem Feierabend kann man hier schön klettern.“