Rheinpfalz Altes Handwerk neu organisiert

Roman Naab (links) und Thomas Busch sind seit 2006 Geschäftspartner.
Roman Naab (links) und Thomas Busch sind seit 2006 Geschäftspartner.

«BUNDENTHAL.» Seit 2006 sind die beiden Traditionsbäckereien Busch und Naab ein Betrieb. Roman Naab und Thomas Busch haben beide Firmen als GmbH zusammengeführt. Seit 1904 gibt es in Bundenthal die Bäckerei Busch, Thomas Busch führt diese in vierter Generation. Die Bäckerei Naab in Dahn gibt es seit 1965, dort führt Roman Naab den Betrieb in dritter Generation. Seit 2006 arbeiten beide im gemeinsamen Betrieb „Busch & Naab“ und haben ihre Entscheidung noch keine Minute bereut. Entwickelt habe sich die Idee eher spontan, erzählen sie. Es sei nicht nur die Geschäftspartnerschaft gewachsen, sondern auch eine Freundschaft. Man ergänze sich – „so wie es uns liegt, haben wir unsere Arbeitsschwerpunkte etwas aufgeteilt, aber Entscheidungen werden gemeinsam getroffen“. Naab hat seinen Schwerpunkt eher in der Produktion, Busch eher in Personalmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. „Wir sehen uns ja täglich bei der Arbeit in der Backstube“ – und da nutzen beide die Zeit, um Ideen und Vorstellungen zu kommunizieren, um den Betrieb weiter zu entwickeln. Gebacken wird in Bundenthal. Die Räume der ehemaligen Bäckerei Naab in Dahn beherbergten die erste Filiale. Mittlerweile gibt es zwei Filialen in Bad Bergzabern, eine davon im SBK-Markt, eine in Hauenstein, eine in Busenberg und ein Wiederverkäufer in Hinterweidenthal. Das Konzept der reinen Bäckerei wurde erweitert. An den Standorten Busenberg und Hauenstein ist jeweils ein Café mit dabei. Der Erfolg gibt den beiden Bäckermeistern recht. Der Betrieb ist gewachsen. Waren es zu Beginn der gemeinsamen Geschichte fünf Bäcker, sind heute 12 Bäcker und Konditoren beschäftigt und insgesamt mit allen Filialen 65 Angestellte. Damit gehört der Betrieb zu den größten Arbeitgebern im Dahner Felsenland. Zurzeit wird am Standort Bundenthal nochmal eine neue Produktionshalle von rund 250 Quadratmeter angebaut. Zu Beginn habe man durchaus darüber nachgedacht, aus der Ortsmitte herauszugehen und am Ortseingang eine neue große Halle zu bauen. „Doch das Risiko war uns zu hoch, es hätte zu viel Kapital gebunden, vor allem, da ich hier vor Ort schon einiges investiert hatte“, sagt Busch. Doch trotz neuer Produktionshalle sei man dann bald an den Kapazitätsgrenzen angelangt. Im Moment ist im Gespräch, noch eine weitere Filiale zu übernehmen, „aber das wars dann auch“, sagt der Bäcker. Für die beiden Inhaber bedeutet die Betriebsform trotz größerer Verantwortung mehr Freiraum für persönliche Lebensqualität. „Wenn man nur mit drei Leuten in der Backstube steht, muss man immer da sein, so gibt es schon eher die Möglichkeit einen freien Tag zu haben oder Urlaub zu nehmen, während der Betrieb weiterläuft“, sagt Busch. Der Tag beginnt für die Bäcker um 2 Uhr, die Angestellten haben eine Fünf-Tage-Woche, die Sonntagsdienste wechseln ab, alle drei Wochen kommt man in der Regel dran. Das Arbeitsklima im Betrieb sei gut – „das kann man auch dran fest machen, dass 99 Prozent der Angestellten zur Weihnachtsfeier kommen“. Und sie hätten keine große Fluktuation, es gebe Mitarbeiter, die schon seit 30 Jahren dabei seien – „auf unsere Mitarbeiter sind wir richtig stolz, da ist wirklich viel Engagement zu spüren“, sagt Busch. Schließlich sei es zwar wichtig, gute Qualität zu liefern, aber er halte es für ebenso wichtig, gerade in einer strukturschwachen Region auch ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Auch auf Personalschulung wird Wert gelegt, „dazu holen wir uns oft auch externe Unterstützung“. Wenn mal Stellen offen sind, spricht sich das meist rum und Bewerbungen kommen von alleine. Rund 1000 Brote werden jede Woche gebacken, das Brot macht immer noch 35 Prozent der verkauften Waren aus. Das Mehlsilo sei allerdings mittlerweile etwas zu klein. Die fünf Tonnen reichten gerade mal für eine Woche, dann müsse der Müller aus Appenhofen nachliefern. Fertigmischungen würden keine verwendet, auch die Marmelade in den Berlinern sei hausgemacht und der Pudding in den Teilchen noch echter Pudding. Dass es den Kuchen nur noch in Schnittenform gebe, sei eine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung gewesen, sagt Busch – „ich weiß, dass viele Kunden das bedauern“. Aber mit den Schnitten könne man für die Filialen eine größere Auswahl bieten, ohne zu viel wegwerfen zu müssen. Die Dauerbaustelle in Busenberg macht dem Betrieb zu schaffen. „Wenn wir nur zwei Filialen hätten, hätte ich deswegen Leute entlassen müssen und wahrscheinlich hätten wir den Verlust auch nicht ausgleichen können“, sagt Busch. Durch die Sperrung gebe es in Busenberg 50 Prozent Umsatzeinbußen, „aber da spricht vorher niemand mit einem oder informiert“, ärgert sich der Bäcker. Auch Wirtschaftsförderung sei in seinem Betrieb noch keine angekommen: „Was wir investieren, das haben wir selbst erwirtschaftet, Zuschüsse haben wir noch von niemandem bekommen“, sagt Busch. Verwundert sei er schon über die Praxis des Landes, dass Betriebe, die über mehr als 50 Kilometer ihre Filialen beliefern, 20 Prozent Zuschuss erhalten, wenn sie neu bauen. „Das fördert natürlich nur die großen Ketten, den normalen Bäckereibetrieben hilft das nicht, im Gegenteil. Ich sehe darin einen klaren Wettbewerbsnachteil für uns“, findet Busch deutliche Worte. Busch ist deutschlandweit in einem Bäckerkreis engagiert und über diesen europaweit vernetzt. „Wenn man überleben will, muss man über den Tellerrand hinausschauen“, ist seine Devise, demnächst geht’s zur Besichtigung in die Schweiz. DIE SERIE Bäckereien gab es früher in fast jedem Ort. Aber sie sind selten geworden – Ketten bestimmen das Bild. In unserer Serie „Unser täglich Brot“ stellen wir Betriebe aus der Region vor, die die Tradition des Backhandwerkes weiterführen.

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