Rheinpfalz Alte Raspeln sind einfach lauter
Dreifach verglaste Fenster, gut isolierte Häuser – das mag für den Energieverbrauch von Vorteil sein. Den Ministranten, die in der Karwoche durch die Straßen ziehen und die Leute mit Ratschen zum Gottesdienst rufen, bereitet das allerdings Probleme. Denn die Leute hören ihr Ratschen kaum noch. Das hat sich in der Großpfarrei St. Wendelinus Trulben in diesem Jahr aber wieder geändert. Auf Initiative der 18-jährigen Helena Fuchs konnten dort viele alte Ratschen reaktiviert werden. Und die sind deutlich lauter als die neueren.
«Trulben.» Um an die alten Ratschen zu gelangen, die ihre Dienste längst getan hatten und auf Speichern oder in verstaubten Ecken lagerten, startete die Obermessdienerin einige Wochen vor Ostern einen Aufruf. Im Wendelinusboten der Großpfarrei sowie im Amtsblatt der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land bat sie die Bürger, die Dachböden zu durchstöbern und den Messdienern ihre alten Raspeln auf Leih- oder Spendenbasis zu überlassen. Und der Aufruf blieb nicht ungehört: Die Ministranten konnten beim Raspeln auf 26 verschiedene Holzinstrumente zurückgreifen. „Ich bin überwältigt von der Resonanz, die ich mir so nicht vorgestellt hatte“, sagt die Obermessdienerin aus Trulben. Aus zahlreichen Gemeinden hat sie die historischen Raspeln erhalten. Die sind bereits einige Jahrzehnte alt und haben in der Karwoche für ordentlich Lärm gesorgt. „Früher waren die Häuser nicht so isoliert und die Fenster nicht dreifach verglast. Da hörte man die Raspeln, zuletzt jedoch kaum noch. Doch die alten Raspeln waren viel lauter“, findet Agnes Späth, die Trulber Großmutter von Fuchs. Die 26 Raspeln hatte Helena Fuchs jeweils bei den Eigentümern abgeholt. 16 hat sie wieder zurückgegeben. Zehn Raspeln, darunter auch Klepper und Ratschen, wurden den Messdienern gespendet. Sie sind in das Eigentum der Großpfarrei St. Wendelinus Trulben übergegangen. „Für mich bedeutet die Aktion nur einen vorläufigen Erfolg, denn in den kommenden Jahren soll das Brauchtum weiter gepflegt werden“, sagt die 18-Jährige. Deshalb nimmt sie weiterhin Raspeln auf Spendenbasis entgegen. Die junge Frau lebt mit ihren Eltern in Trulben. Sie hat vier Geschwister. Ihr Bruder Thomas ist, unterstützt vom Vater und Großvater Jakob Späth, Nebenerwerbslandwirt. Beim Trulber Almabtrieb wird seine Herde durch den Ort getrieben. Er ist zugleich Inhaber des Trulber Hofladens. Obwohl sich Helena Fuchs beruflich anders orientiert hat, hat sie keine Probleme damit, im landwirtschaftlichen Betrieb und im Hofladen zu helfen. Die 18-Jährige hat nach der Mittleren Reife an der Pirmasenser Realschule 2014 eine Ausbildung bei der Katasterverwaltung des Landes als Vermessungstechnikerin (mittlerer Dienst) begonnen. Die Berufsausbildung war für sie jedoch kein Grund, das Ministrantenamt aufzugeben. Ganz im Gegenteil: Seit zwei Jahren ist sie Obermessdienerin, hat zusammen mit Sarah Frey aus Lemberg die Jugendvertretung im Pfarreirat Trulben übernommen. Zusammen mit Frey war sie mitverantwortlich für die erste Stationenwanderung der Großpfarrei zur Wendelinuskapelle Trulben während der Fastenzeit. Bei alldem hat sie noch Zeit, bei den Fußballfrauen in Münchweiler die Schuhe zu schnüren, um im Mittelfeld ebenso gefühlvoll mit dem Ball umzugehen, wie während der Kartage mit einer der Raspeln oder das Jahr über bei Gottesdiensten mit dem Rauchfass. Zur Info Wer alte Raspeln spenden möchte, kann sich mit Helena Fuchs unter Telefon 0175-2327947 in Verbindung setzen.