Rheinpfalz Alles für die Kleinen

Inhaberin Gudrun Breiner in ihrem Kinderbekleidungsgeschäft „Purzelbaum“.
Inhaberin Gudrun Breiner in ihrem Kinderbekleidungsgeschäft »Purzelbaum«.

Handel ist Wandel – dieser Spruch ist aktueller denn je. Alles verändert sich rasant: das Verhalten von Käufern, die mehr und mehr das Internet nutzen. Oder auch das Verhältnis zwischen Handel und Hersteller, wobei viele Produzenten inzwischen Endkunden direkt bedienen, so in Factory Outlets oder Internet-Shops. Wie gehen damit klassische inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte auf dem Land um und welche Überlebensstrategie haben sie? Dieser Frage gehen wir in unserer Serie nach. Heute beim Kinderladen „Purzelbaum“ in Dahn.

Hier geht es bunt zu. Ob ein schickes Kleidchen für die kleine Dame, Leggins zum Toben oder Totenkopf-Schals und klettertaugliche Hosen für coole Jungs: Im Kinderladen „Purzelbaum“ von Gudrun Breiner in der Marktstraße findet sich für jedes Alter und jeden Geschmack der Sprösslinge etwas. Dicht an dicht hängen hier Textilien, für Deko-Schnick-Schnack ist gar kein Platz. Eine Auswahl an Kinderbekleidung, die es im weiteren Umkreis so nicht – mehr – gibt. Dies hänge auch damit zusammen, sagt die Inhaberin, dass es für Kinder eben deutlich mehr Größen gebe als für Erwachsene. Der „Purzelbaum“ begleitet schließlich die gesamte Kindheit – von Babygröße 50 bis Teeniegröße 176 bei Mädchen und Jungs. Und mit den Wünschen, Anregungen und Anforderungen seiner kleinen Kunden ist er sozusagen mitgewachsen. Am Anfang des Einzelunternehmens stand der Handel mit Jeans und Shirts der Größen 98 bis 176. Damals waren die eigenen Kinder noch klein und die Sonderverkaufsaktionen für Jeans bei Aldi weckten bei der Mama den Ehrgeiz, selbst Kinderhosen möglichst preisgünstig und gut zu verkaufen . Denn ein eigener Laden sei schon immer ihr Traum gewesen, erzählt die Industriekauffrau, die in einer Kinderschuhfabrik in Hinterweidenthal ihren Beruf erlernt hat. 2004 wurde der Traum dann umgesetzt – zunächst in der leerstehenden Wohnung seiner Oma in der Bergstraße, erinnert sich Ehemann Jürgen Breiner. 2007 bot sich dann die Möglichkeit, die Immobilie in der Marktstraße zu übernehmen. Geplant hatten Breiners, in dem Haus, das auch mehrere Lokale beherbergt hatte, weiterhin an Gewerbetreibende zu vermieten. Doch nachdem sie umgebaut hatten für eine Bäckerei, sei daraus dann doch nichts mehr geworden, erzählt Jürgen Breiner. Um das Ladenlokal nicht leerstehen zu lassen, richtete er zunächst ein Computer-Café ein, das sich jedoch am Ende nicht rentierte. Eine Konzession hält er aber bis heute und öffnet das Lokal an besonderen Tagen wie der „Langen Einkaufsnacht“ oder der „Nacht der 1000 Lichter“ im Winter. Ins Ladenlokal nebenan zog 2010 schließlich der Kinderladen ein – aus praktischen Gründen, um Leerstand zu vermeiden. Dass der Laden in der eigenen Immobilie betrieben wird, sei ein Kostenvorteil, bestätigt die Geschäftsfrau. Damit seien sie unabhängig von der Mietpreisentwicklung. Eine weitgehende Unabhängigkeit pflegt sie ebenfalls in Bezug auf ihre Lieferanten. Denn der Großteil der Kinderkleidung wird hier nicht per Order monatelang vor dem Verkauf bestellt, sondern direkt eingekauft beim Großhandel. Gudrun Breiner hat nämlich auf angesagte Marken verzichtet, weil diese zum Teil hohe Abnahmemengen verlangten – für eine Einzelkämpferin ein hohes Risiko. Zwei solide deutsche Marken für Mädchen und Jungs führe sie, sagt sie, bei denen sie zum Teil per Order, aber auch direkt bestellen könne. Der Rest bestehe aus „No Name“-Produkten, die aber durchaus von guter Qualität seien. Denn produziert würden etwa Jeans verschiedener Marken oftmals in ein und derselben großen Fabrik in der Türkei oder in China. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie – anders etwa bei der schnelllebigen Damenmode – nur zwei Kollektionswechsel benötigt, im Frühjahr und im Herbst. Eine große Auswahl zu möglichst günstigen Preisen und darunter Besonderes, das es nicht überall gibt – das ist ihre Strategie, mit der sie sich behauptet. Die Anfangspreise auf Aldi-Niveau – eine Jeans zu 8,50 Euro – hätten sie zwar nicht halten können, meint sie, aber sie bewegten sich im niedrigen bis mittleren Preisniveau. Damit kann sie Stammkunden halten: Etwa 80 Prozent ihrer Kunden kämen aus dem Dahner Tal, stellt sie fest. Plus Touristen, die für sie eine wichtige Gruppe darstellen. Mit der Umsatzentwicklung ist Gudrun Breiner zufrieden: Sie erziele keine riesigen Umsätze, habe aber auch keine großen Einbrüche, sagt sie. Noch nicht. Denn auch sie spürt die Konkurrenz. Neben den Discountern, die ihr Angebot immer weiter vergrößern, ist das Internet ihr größter Wettbewerber. Die Jungen kauften fast nur noch online, stellt sie fest – die eigene Tochter mache da keine Ausnahme. Es werde zu einfach gemacht, Waren zu bestellen und zurückschicken zu können, findet Jürgen Breiner. Die Folgen fürchten beide: Ihre Kundschaft werde mit ihnen älter, weil keine jungen Mütter mehr im Laden einkauften. Aufhalten lasse sich diese Entwicklung zwar nicht, meinen sie. Aber verlangsamen. Zum Beispiel durch Einkaufs-Erlebnisse, wie sie im Werbekreis übers Jahr veranstaltet werden. Dann, sagt Gudrun Breiner, kämen auch etliche Junge zu ihr und kauften ein.

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