Rheinpfalz „Alles ehrenamtlich“: Karnevalspräsidenten über die Vereinsarbeit

Hinter einem Fasnachtsumzug steckt viel Arbeit. Nicht nur für die Marketinggesellschaft Lukom, die Veranstalter des bunten Treibens ist. Auch in den Vereinen ist viel zu tun. Darüber haben wir mit Thomas Dörner (58), Präsident der Karneval-Komission Mannheim, und Gregor Seelinger (64) gesprochen. Er ist Präsident des Großen Rates der Ludwigshafener Karnevalvereine.
Es steht viel Arbeit hintendran. Dafür, den ganzen Umzug zu planen, muss ich der Lukom ein Riesenkompliment machen. Das klappt hervorragend. Für die Vereine ist jedoch zum Beispiel der Wagenbau schwierig. Dörner: Das große Problem ist, dass in den Vereinen nicht mehr so viel Manpower vorhanden ist wie noch vor zehn, zwanzig Jahren. In den Vereinen wird alles ehrenamtlich gemacht! Wir würden uns natürlich wünschen, Motivwagen wie in Mainz, Köln oder Düsseldorf zu haben. Aber – und das muss man ganz klar sehen: Dazu sind wir in Mannheim und Ludwigshafen nicht in der Lage. Warum? Dörner: Das ist ein riesiger finanzieller Aufwand. Aber für das, was wir an finanziellen Möglichkeiten haben, stellen wir einen super Fasnachtsumzug auf die Beine. Einmal in Ludwigshafen, einmal in Mannheim. Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit. Und Konkurrenz belebt das Geschäft. (blickt lachend zu Seelinger) Was ist das Teuerste an der Wagengestaltung? Dörner: Sie brauchen erst mal ein Grundgerüst. Dafür müssen Sie eine Firma finden, die bereit ist, Ihnen rechtzeitig vor dem Umzug einen Wagen zu stellen. Sie brauchen ja mindestens drei, vier, fünf Tage um sowas aufzubauen. Dann brauchen Sie ein Zugfahrzeug dazu. Sie benötigen einen Fahrer. Die Firmen können den dann montags nicht mehr einsetzen. Wegen der Wochenendruhezeit. Was bedeutet das finanziell? Dörner: Mit einem aufwendig gestalteten Wagen sind Sie ganz schnell zwischen 5000 und 10.000 Euro. Hinzu kommt die Arbeitszeit. Sie brauchen Leute, die alles unter der Woche aufbauen. Seelinger: Es gibt ja viele Vereine, die samstags erst den Umzugwagen bekommen und den ganzen Samstag und in der Nacht auf Sonntag daran arbeiten, damit er rechtzeitig fertig wird. In 16 Stunden können Sie aber nicht leisten, was man in Mainz in 150 Tagen macht. Die haben dort ja ganze Lagerhallen, in denen die Wagen stehen, und wo sie das ganze Jahr über arbeiten können. Haben Presse und Publikum falsche Erwartungen an den Umzug und vermissen die große Motivwagen? Dörner: Vom Publikum wird das gar nicht so extrem wahrgenommen. Nur von solchen, die sich intensiv mit der Materie beschäftigen. Seelinger: Das Publikum ist auf der Straße und will vor allem feiern. Wenn ich vom Wagen runterschaue und den Kindern in die Augen sehe, die sich über jedes Bonbon freuen, dann ist das eine tolle Sache. Dann sagen wir Elferräte auch danach: Es war zwar viel, aber es hat sich rentiert und Spaß gemacht. Dörner: Ich glaube, wenn man die Hintergründe objektiv nach außen trägt, hat jeder Verständnis dafür. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn es mehr Sponsoren gäbe. Aber in den Karnevalvereinen besteht die Motivation nach wie vor!? Seelinger: Ahjo! Dörner: Sonst hätten wir jetzt keinen 66. Fasnachtsumzug! (lacht) Also wir sind motiviert, Gregor, oder? Herr Seelinger, für Sie ist es der letzte Umzug als Präsident des Großen Rats. Ist er deshalb etwas besonderes? Seelinger: Ich bin jetzt 22 Jahre in der Vorstandsschaft, elf Jahre bin ich Präsident. Ich denke: Es reicht auch mal. Am Aschermittwoch werde ich 65. Was will man mehr? Aber der Fasnacht bleiben Sie treu. Seelinger: Auf jeden Fall! Ich habe ja mit der KG Klotzgrumbeer noch meinen Verein.