Rheinpfalz Allein gelassen

Die Organisation von Unterstützungsangeboten für Flüchtlinge in Waldfischbach-Burgalben geht aus Sicht der ehrenamtlichen Helfer vor Ort nicht schnell genug vonstatten. Dies wurde deutlich bei einem ersten Treffen des Lokalen Bündnisses für die Familie im Landkreis Südwestpfalz, das sich dieses Projektes angenommen hat.
Nur sehr wenige Ehrenamtliche kümmern sich um die 68 Flüchtlinge – darunter vier Familien, vier Frauen und sieben Kinder –, die in der Ortsgemeinde wohnen. Sie sind teilweise an ihre Grenzen gelangt und erhoffen sich Hilfe. Ein großes Problem stelle die Sprache dar. Einige Flüchtlinge können englisch, der Großteil spricht arabisch. Nur ein ehrenamtlicher Helfer spricht Arabisch. Dieser wird denn auch meistens bei auftauchenden Problemen angerufen – und davon gibt es viele. Was tut man an Wochenenden bei einem medizinischen Notfall? Was steht in den Briefen, die man erhält? Was tun, wenn die Heizung nicht funktioniert? Warum gibt der Arzt einen Zettel mit? Alles Dinge, die schon vorgekommen sind und die von den Ehrenamtlichen, darunter auch eine Nachbarin eines der Wohnhäuser, in denen die Flüchtlinge untergebracht sind, geregelt wurden. Extrem problematisch seien die ganzen Anträge, mit denen man sich als Flüchtling beschäftigen müsse, meinte eine Teilnehmerin des Treffens, die von einem regelrechten „Behördenmarathon“ sprach. Gehe man mit den Flüchtlingen zu einer Behörde, bekomme man stapelweise Unterlagen. Die Flüchtlinge würden damit völlig alleine gelassen, sagte Gudrun Platt, die sich ehrenamtlich um eine Gruppe Syrer kümmert. Hinzu komme das Behördendeutsch in den Briefen, mit dem man selbst als Deutscher Probleme habe, und dass die Mitarbeiter bei den Kreisbehörden im breitesten Dialekt schon behauptet hätten, dass sie der englischen Sprache nicht mächtig seien, ärgerte sie sich. Im Prinzip kämen die Leute hier an, erhielten ein Dach über dem Kopf und würden dann alleine gelassen, waren sich die Teilnehmer einig, dass hier Abhilfe geschaffen werden müsse. Oft müsse man die Leute einfach an die Hand nehmen und mit ihnen gehen. Was nutze es, wenn man jemand auf die Verbandsgemeindeverwaltung schicke und dieser dort in den Fluren stehe, weil er nicht wisse, wo er hin soll und mangels Sprachkenntnisse auch niemand fragen könne? Die Arbeitsgruppe wird das Unterstützungsprojekt entwickeln. Angeregt wurde die Projektidee vom Mehrgenerationenhaus Waldfischbach-Burgalben aufgrund der aktuellen Flüchtlingslage. Das Treffen wurde organisiert, um Aktivitäten vor Ort zu bündeln und vor allem interessierte Mitwirkende, von denen etliche gekommen waren, zu finden. Neben einer großen Anzahl von Vertretern aus katholischen Einrichtungen der Verbandsgemeinde waren auch dabei das örtliche CVJM, Caritas Zentrum Pirmasens, Mehrgenerationenhaus, Volkshochschule, Gleichstellungsstelle des Kreises und etwa neun Personen, die bereits ehrenamtlich tätig sind oder Interesse daran haben. Hinzu kamen noch Ortsbürgermeisterin Anne Silvia Henne, der erste VG-Beigeordnete Benjamin Gundacker, Heike Fasco-Anstett (Sachbearbeiter für Asylbewerber bei der Verbandsgemeinde) und Udo Rapp (Fachbereichsleiter der Verbandsgemeinde). Laut Udo Rapp ist man auf das ehrenamtliche Engagement angewiesen. Von institutioneller Seite sei bei dieser ganzen Problematik keine Hilfe zu erwarten, stellte er fest und sprach von einer Überlastung der Verbandsgemeinde. Anne Siliva Henne meinte, dass die Ortsgemeinde als Arbeitgeber versuche, die Ein-Euro-Jobs als Integrationshilfe zu nutzen. Für das dringlichste Problem – die Sprache – sei eine Lösung gefunden worden, freute sich die Pädagogische Leiterin der Kreisvolkshochschule, Julia Wirth. Das Land hat Mittel zur Verfügung gestellt für einen Sprachkurs, die Flüchtlinge besuchen können, die keinen Anspruch auf einen Integrationskurs haben. Der Kurs mit Einbindung von Alltagslotsen wird nur für die Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben durchgeführt. 15 Flüchtlinge sollen zwei Mal die Woche je 1,5 Stunden lang über eine Zeitdauer von 100 Unterrichtsstunden geschult werden. Die zehn Lektionen orientieren sich an Alltagssituationen und sollen im Anschluss an den Unterricht von den Alltagslotsen Praxisbezogen in Alltagssituationen eingeübt werden. Sie sei sich klar darüber, dass es sich hierbei nur um einen Tropfen auf den heißen Stein handele. Sie hoffe aber darauf, dass die Schüler ihr Wissen in ihren Familien oder an ihre Freunde weitergeben. Außerdem soll im Mehrgenerationenhaus ein „Cafe International“ als Treffpunkt und Anlaufstelle für die Flüchtlinge geschaffen werden. Hier sollen sich auch die Ehrenamtlichen treffen, um ein Netzwerk aufzubauen. Sie will man nicht alleine lassen und ihnen beistehen, damit sie sich nicht überfordert fühlen. Angeregt wurde auch in diesem Kreis etwas zu entwickeln, das man den Flüchtlingen bei ihrer Ankunft an die Hand geben kann, um sie über das Cafe International zu informieren, wo Hilfe in Notsituationen zu erhalten ist, und ähnliches. „Wir werden es nicht schaffen, eine Rundum-Betreuung zu gewährleisten, was auch nicht unser Anliegen ist“, sagte Susanne Morsch, die die Sitzung leitete. Neben den Alltagslotsen, die die Sprachschüler begleiten, soll eine andere Gruppe ergänzend Sprachförderung betreiben. Dies könne beispielsweise in Vereinen passieren, bei zwanglosen Treffen oder anderen Aktivitäten. Henne regte an, die Flüchtlinge, von denen ein Großteil alleinstehende junge Männer sind, nach ihren Interessen zu fragen, damit man sie in Vereine integrieren könne. Erste Versuche wurden schon bei der SGW mit dem Fußballspielen unternommen. Einige Flüchtlinge haben sich bereit erklärt, einen Vortrag vorzubereiten, in dem sie ihr Land und die dortigen Zustände vorstellen, hieß es in der Teilnehmerrunde.