Rheinpfalz Abstürze aufklären

91-95339309.jpg

„Als die Flieger vom Himmel fielen – im Raum Waldfischbach-Burgalben“, hat Vermisstenforscher Uwe Benkel seine neue Dokumentation genannt. Der erste von zwei Bänden ist jetzt erschienen und befasst sich mit vier Flugzeugabstürzen und gerade noch vermiedenen Abstürzen im Zweiten Weltkrieg in der Region. 15 Jahre Recherche sind in das Projekt geflossen. „Und kaum eine Geschichte ist ganz zu Ende erzählt“, sagt Benkel.

Ein Beispiel dafür, dass sich durch intensive Puzzlearbeit vieles aufklären lässt, das den Angehörigen von Opfern des Krieges nach Jahrzehnten endlich Gewissheit bringt, und doch auch immer wieder Fragen offen bleiben, findet sich im Buch. Der Absturz einer britischen Lancaster-Maschine im Schwarzbachtal im September 1943. An der Bombardierung Mannheim/Ludwigshafens war die Maschine beteiligt gewesen, auf dem Rückflug stürzte sie ab. Mit Hilfe von Zeitzeugen, die noch Fotomaterial hatten und sich gut erinnern konnten, gelang es über die Jahre, die Geschichte zusammenzusetzen. Aber bis heute ist nicht völlig geklärt, was mit der Besatzung geschah. „Im Archiv der Gemeinde Waldfischbach-Burgalben sind fünf Namen von Besatzungsmitgliedern vermerkt, die ausgegraben wurden. Aus den offiziellen britischen Umbettungsformularen geht hervor, dass fünf Besatzungsmitglieder umgebettet wurden. Auf dem britischen Soldatenfriedhof in Rheinberg sind aber laut Grabstein alle sechs Besatzungsmitglieder beerdigt“, sagt Benkel. „Was ist also mit dem sechsten Besatzungsmitglied geschehen?“, lautet die Frage. Das sind Fragen, die typischerweise zu weiteren Recherchen, weiteren Geschichten führen, erläutert Benkel, wie die Arbeitsgruppe Vermisstenforschung an Themen herangeht. Für ihn war die Flugzeugkatastrophe von Ramstein im Jahr 1988 der Auslöser, sich intensiver mit dem Thema Flugzeugabstürze zu befassen. „Ich habe mich aber schon immer für Flugzeuge interessiert. Zwei Brüder meines Vaters sind auch in Russland vermisst“, erzählt Benkel, dass schon früh Bezugspunkte zum Thema da waren. Ramstein sei aber die Initialzündung gewesen, sich zu engagieren, Geschichte zu dokumentieren, „weil die Zeitzeugen irgendwann nicht mehr leben werden und die Geschichte nie vergessen werden darf“, sagt Benkel. Deshalb habe er die Recherchen zu den Flugzeugabstürzen in der Region auch zu Papier gebracht. „Ich erhoffe mir natürlich, dass sich dadurch noch Menschen melden, die sich erinnern und vielleicht noch kleine, bislang ungeklärte Puzzleteile zu Geschichten beisteuern können“, sagt Benkel, der mittlerweile ein sehr umfangreiches Archiv und ein noch größeres Netzwerk hat. Nicht nur in Deutschland, auch in den USA, in England und vielen anderen Ländern, die im Zweiten Weltkrieg mit der Region in Verbindung kamen. Auch in der Gegend von Kusel hat Benkel schon zu Flugzeugabstürzen geforscht. Was ihn nach wie vor am meisten berührt, seien die Momente, wenn Angehörige abgestürzter Piloten nach Jahrzehnten Gewissheit über das Schicksal des Vaters, des Onkels, des Bruders bekämen. „Abschließen zu können, ist für die Menschen sehr wichtig“, sagt er. |add

x