Rheinpfalz Ab heute Schleichwege dicht

Wer vom südlichen Kreis Kusel über Schönenberg-Kübelberg zum US-Army-Depot oder auf die Autobahn fährt, kennt die seit September andauernden Behinderungen in Miesau. Das dortige Verkehrs-Chaos gerade zu Stoßzeiten wird aber mit dem heutigen Montag wohl eine neue Dimension erreichen: Drei Wochen lang ist auch für ortskundige Autofahrer absolut kein Durchkommen mehr.
Ab heute früh – pünktlich zum ersten Werktag in den Sommerferien – bleibt der größte Teil Miesaus vom Süden des Ortes, von Bruchmühlbach und der Autobahn-Auffahrt abgeschnitten. Wer auf die jeweils andere Seite muss, dem bleiben größere Umwege nicht erspart. Dies betrifft zahlreiche Menschen, die im Kreis Kusel zu Hause sind. Solche, die berufsbedingt tagtäglich nach Bruchmühlbach müssen, die im Army-Depot arbeiten, die als Pendler öfter die Autobahn-Anschlussstelle der A 6 zwischen den beiden Ortsteilen Bruchmühlbach und Miesau nutzen. Streng genommen müssten all jene bereits seit Mitte September den nicht unbeträchtlichen Umweg über Waldmohr und die dortige A-6-Auffahrt in Kauf nehmen. Allerdings gibt es in Miesau eine innerörtliche Umleitung, die an der gesperrten Bahnhofstraße vorbeiführt. Jene haben – wie Anwohner immer wieder beklagen – auch Ortsfremde gerne genutzt. „Der halbe Kuseler Südkreis fährt durch die Wiesenstraße“, hat etwa Werner Holz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau, bereits festgestellt. Auch jene „Schleichwege“ – die durch Wohnstraßen führen – sind aber ab heute nicht mehr zugänglich. Das liegt darin begründet, dass in den kommenden drei Wochen die Kreuzung in der Ortsdurchfahrt in Angriff genommen wird. Die Arbeiten dort – vor allem das Verlegen von Versorgungsleitungen – sind laut Landesbetrieb Mobilität Kaiserslautern nur unter Vollsperrung der Straße machbar. Dass es zu der dreiwöchigen Sperrung keine Alternative gebe, erfuhren leidgeplagte Miesauer Bürger bei einer Anliegerversammlung. Die bot auch Gelegenheit, angestautem Ärger Luft zu machen. Denn die Nerven liegen blank in Miesau. Das wurde deutlich am vergangenen Donnerstagabend in der Turn- und Festhalle. Bürgermeister Werner Holz, Ortsbürgermeister Klaus Neumann sowie Mitarbeiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) informierten über den Stand der Dinge und das weitere Vorgehen beim Straßenbau-Großprojekt. Seit September 2013 wird die Bahnhofstraße grundlegend erneuert. Noch mindestens bis zum Frühjahr kommenden Jahres wird es dauern, bis das Großprojekt – das unter anderem eine Kompletterneuerung der täglich von mehr als 7000 Verkehrsteilnehmern genutzten Ortsdurchfahrt vorsieht – abgeschlossen ist. Die Begleiterscheinungen der umfangreichen Straßenbauarbeiten nerven vor allem die Anwohner: Die innerörtliche Umleitung über die Wiesenstraße sollte Einheimischen vorbehalten sein. „Stattdessen hängt der halbe Kuseler Südkreis drin“, hat auch Holz beobachtet. Meist fahren Autos Stoßstange an Stoßstange durch die Wiesenstraße. Lasse es die Situation aber zu, werde mit Karacho durch die Wohnstraße gebrettert. Nicht mal Fahrer von 40-Tonnern kümmerten sich um das Durchfahrts-Verbot. In all dem ist man sich einig. Nur: Wie den Auswüchsen Herr werden? Im Grunde ging es um die ab heute Morgen gültige dreiwöchige Sperrung der Kreuzung Bahnhof-/Wiesen-/Pfühlstraße. Die verwehrt auch Ortskundigen Zugang zum Schleichweg. Es gehe aber nicht anders: Unmengen an Versorgungsleitungen müssten in der Kreuzung verlegt werden. Aus Sicherheitsgründen sei dies nur mit einer Vollsperrung machbar, hat die Baufirma laut Holz versichert. Dies unterstrichen auch die Vertreter des LBM, die bei der Anliegerversammlung Rede und Antwort standen. Doch war es vor allem Holz, der mit Engelszungen sprach. Drei Wochen über Hütschenhausen und Hauptstuhl oder über Schönenberg fahren – das sei doch mal zumutbar, appellierte Holz an Vernunft und Verständnis. An beidem fehlt’s ja nicht bei den Anliegern. Aber: Die haben nach eigenem Bekunden schon so viel mitgemacht. Beispiel: Einige werden innerhalb der „Umleitung“ von einem kaputten Kanaldeckel wachgehalten, der laut scheppert, wenn Autos drüber rollen – was praktisch rund um die Uhr der Fall sei. Vorschläge, andere Schleichwege zu nutzen, gingen ins Leere. Feldwege und zu gering belastbare Brücken seien dafür einfach nicht geeignet, punktum, beschied Holz. Ein Bürger forderte gar eine Vignette für Einheimische. Der Rest müsse halt einen Bogen um Miesau machen. Dies aber löse den Chaos-Knoten genauso wenig wie Polizeikontrollen: Die seien wünschenswert, gingen aber ins Leere, sobald ein Ertappter geltend mache, er habe ja in der Wiesenstraße ein Anliegen. „Wir Anlieger werden durch die Vollsperrung noch bestraft“, stellte ein Betroffener fest. Die Fachleute aber sagten klar, dass es für manches Problem beim Bahnhofstraßenausbau keine Lösung gibt. Die drei Wochen sind zu überstehen, danach ist die innerörtliche Umleitung wieder nutzbar. Wenngleich das Chaos bleibe. Ab heute wird, wie Holz ankündigt, verstärkt kontrolliert. Das habe die Polizei zugesichert. (cha)