Rheinpfalz 50 Fahrzeuge, mehr als 600 Personen

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Die Fusion der Verbandsgemeinden Lauterecken und Wolfstein war und ist immer noch eine Mammutaufgabe. Auch an der Feuerwehr geht sie nicht vorüber: Aus zwei Verbandsgemeinde-Wehren wurde eine. Sie umfasst nun 37 Ortswehren, 50 Fahrzeuge und mehr als 600 Feuerwehrleute. Probleme hat das laut Wehrleiter Markus Böhmer aber keine gemacht. Vorbildlich – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn schon bald steht auch für die anderen Wehren im Landkreis Kusel Ähnliches an.

WOLFSTEIN

/LAUTERECKEN. Einen authentischen Einblick in den Feuerwehr-Alltag liefert das erste RHEINPFALZ-Gespräch mit Markus Böhmer: Es dauert nur zehn Minuten, dann wird er zu einem Einsatz gerufen. Für eine Personensuche hat die Polizei Unterstützung der Feuerwehr angefordert. Also muss ein Folgetermin her mit Böhmer, der seit 1984 in der Feuerwehr aktiv ist, zehn Jahre lang stellvertretender Wehrleiter und seit 2010 Wehrleiter in der Verbandsgemeinde Wolfstein gewesen war, ehe er im vergangenen Jahr dann zum Wehrleiter der Feuerwehr in der neuen Verbandsgemeinde gewählt wurde. „Wir konnten die Fusion locker auf uns zukommen lassen, weil sich für die Feuerwehren ziemlich wenig geändert hat“, sagt Böhmer vorweg. Schon in der Vergangenheit hätten die Wehren der beiden Verbandsgemeinden zusammengearbeitet, etwa bei der Nutzung der Drehleiter, die nur in Lauterecken vorhanden war. Außerdem kannte man sich von den regelmäßigen Sitzungen auf Kreisebene. Dann allerdings verlief die Wahl des neuen Wehrleiters äußerst überraschend. Außer Böhmer hatte auch Hans-Peter Stude kandidiert, der Wehrleiter der VG Lauterecken. Bei der geheimen Wahl durch die Wehrführer der Ortswehren bekam Böhmer eine Stimme mehr – obwohl es in der Verbandsgemeinde Lauterecken 23 Ortswehren gegeben hatte, in Wolfstein nur 14. „Das hatte niemand erwartet, da war es sehr still im Saal“, erinnert sich Böhmer. Stude wurde als stellvertretender Wehrleiter gewählt und ist zuständig für den Ausrückebereich Nord und die Koordinierung der Ausbildungslehrgänge. Weitere Stellvertreter sind Udo Göttel und Bernd Kalweit. Böhmer sieht seine wichtigste Aufgabe darin, eine neue Struktur für die Feuerwehr Lauterecken-Wolfstein zu schaffen, die schrittweise verwirklicht werden soll. Dazu gehört die Bildung fester Ausrückegemeinschaften der Wehren aus benachbarten Dörfern – zum Beispiel Eßweiler, Jettenbach und Rothselberg –, die beim Erstalarm benachrichtigt werden. Dabei muss es in jeder Ausrückegemeinschaft ein wasserführendes Fahrzeug geben. Durch gemeinsame Übungen soll die Zusammenarbeit in den Ausrückegemeinschaften gestärkt werden. Zusätzlich rückt bei einem Alarm die Stützpunktwehr Lauterecken oder Wolfstein aus. Parallel dazu wird an einem neuen Fahrzeugkonzept gearbeitet. Derzeit hat die Feuerwehr 50 Fahrzeuge, darunter auch eine Reihe älterer Modelle. Böhmer geht davon aus, dass innerhalb der kommenden zwölf Jahre in jedem Jahr ein bis zwei neue Fahrzeuge angeschafft werden. „Je nach Ausstattung kostet ein Fahrzeug zwischen 70.000 und 250.000 Euro. Das sind gewaltige Investitionen, die der Verbandsgemeinderat zu entscheiden hat“, weiß er. Veränderungen gab es auch bei der Kleiderkammer, die jetzt zentral in Wolfstein ist, bei der Aufgabenverteilung für die Werkstätten und bei der Angleichung der Arbeitsweisen. Trotz der vielen Aufgaben, Böhmers abschließendes Urteil lautet: „Die Zusammenführung vollzog sich nahtlos.“ Für den Wehrleiter selbst sind die Aufgaben, die er neben seinem Beruf ausübt, sehr viel umfangreicher geworden. Hatte es für die Feuerwehr in der VG Wolfstein im Jahr 40 bis 60 Einsätze gegeben, sind es jetzt etwa dreimal so viele. Grund ist nicht nur die größere zu betreuende Fläche – sondern auch die Verkehrsunfälle auf den Bundesstraßen 270 und 420. Denn Brände seien in den vergangenen Jahren seltener geworden, gut die Hälfte aller Einsätze erfolge inzwischen aus anderen Anlässen. „Fast jeden Tag ist etwas anderes los“, sagt Böhmer. „Ich bin mit meinem eigenen Wagen im Jahr 3000 bis 4000 Kilometer unterwegs, nicht nur zu Einsätzen, sondern auch zu Sitzungen oder Gesprächsterminen. Eigentlich ist Wehrleiter ein Vollzeitberuf.“ Leiter des Brand- und Katstrophenschutzes ist Verbandsbürgermeister Egbert Jung. Er kennt die Feuerwehr, trat bereits mit elf Jahren in die Jugendfeuerwehr ein und war anschließend bis 1995 aktiver Feuerwehrmann. Die Fusion sei reibungslos verlaufen, urteilt auch er. Das sei vor allem dem Einsatz der mehr als 600 Männer und Frauen zu verdanken, die in der Feuerwehr für die Sicherheit der Bürger tätig sind. Besonders anerkennenswert sei es, dass sich die Feuerwehrleute wegen der sich verändernden Aufgaben ständig in neue Bereiche einarbeiten müssten – und das natürlich in ihrer Freizeit.

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