Eisenberg 34 Stunden für Schüler mit Handicap

„Die BBS geht drei Jahre in die Lehre“, sagt der Direktor der Berufsbildenden Schule Donnersbergkreis, Matthias Frietsch, und erläutert bei einem Pressegespräch in Eisenberg: „Wir wollen den Facharbeiterbrief ,Inklusives BVJ’ erwerben.“ Hintergrund: Die Landesregierung habe beschlossen, es geistig behinderten Jugendlichen zu ermöglichen, das Berufsvorbereitungsjahr einer BBS zu besuchen. Start des neuen Angebots ist der 7. September.
„Schüler mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung, die sich derzeit in den Klassenstufen 9 oder 10 an Schwerpunktschulen befinden, können ab kommendem Schuljahr ein BVJ besuchen“, bestätigt auf Anfrage Ann-Kathrin Scheuermann, Pressesprecherin beim Bildungsministerium. Bei Mädchen und Jungen, die zurzeit auf einer G-Schule sind, werde die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) die Eltern hinsichtlich eines Wechsels an eine BBS beraten. Laut Frietsch sind im Zuständigkeitsbereich der ADD Neustadt zunächst fünf Berufsbildende Schulen für die Aufnahme von Jugendlichen mit Handicap vorgesehen: neben der BBS Donnersbergkreis je eine in Landstuhl, Ludwigshafen, Mainz und Zweibrücken. Laut Ministerium werden diesen Schulen pro Klasse mit maximal vier G-Schülern (geistig behinderte Schüler) jeweils 20 zusätzliche Lehrerwochenstunden für Förderschullehrer oder Pädagogische Fachkräfte zugewiesen. „Abhängig vom Förderbedarf kann die Klassenmesszahl reduziert werden“, so Scheuermann. Zusätzliche Unterstützung gibt es von Integrationsdiensten. An seiner BBS rechnet Frietsch nach den Sommerferien mit vier G-Schülern. „Wir erwarten das mit großer Spannung, weil wir keine Sonderpädagogen sind“, so Frietsch. Aber auch als „normale“ Pädagogen ist der Leitung der BBS klar, dass die ursprüngliche Idee des Bildungsministeriums keine gute war. Die Schüler mit Handicap sollten 34 Stunden pro Woche das BVJ besuchen. „Damit wären sie überfordert“, ist sich Frietsch mit der Abteilungsleiterin, Dagmar Tittnags, einig. Das BVJ hat das Ziel, innerhalb von einem Jahr die Berufsreife zu erlangen. Das klappt in der Regel auch mit Jugendlichen, die zuvor auf einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen waren. „Mit diesen L-Schülern, die bei uns inzwischen einen Anteil von bis zu 40 Prozent einnehmen, haben wir gute Erfahrungen gemacht“, sagt Tittnags. „Bei G-Schülern geht es nicht um den Hauptschulabschluss, sondern um eine Vorbereitung auf die Arbeitswelt über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren“, erläutert Frietsch. Gemeinsam mit dem Leiter der Förderschule am Donnersberg in Rockenhausen, Harald Dechent, sei ein Teilzeitmodell für die geistig beeinträchtigten Jugendlichen erarbeitet worden. Das Ministerium lässt den Berufsbildenden Schulen dafür weitestgehend freie Hand. „Wir begleiten und beraten nur bei der Entwicklung der inklusiven pädagogischen Konzepte. Erst aus den Erfahrungen werden Rahmenvorgaben entstehen“, so Scheuermann. „Wir wollen die Betroffenen nicht abrupt komplett aus der G-Schule herausreißen“, betont Matthias Frietsch. Da biete sich die räumliche Nähe zum BBS-Standort Rockenhausen an. Im ersten Jahr sollen sie an zwei Tagen pro Woche jeweils für sechs Stunden fachpraktischen Unterricht in der Hauswirtschaft erhalten. Dreimal wöchentlich geht es im zweiten Jahr an die BBS zu jeweils zwei Stunden Theorie und vier Stunden Praxis. Je nach Leistungsstand wird das dritte Jahr für ein Praktikum genutzt, womit ein Helferjob angestrebt wird. Frietsch zeigt sich optimistisch: „Es ist anzunehmen, dass sich die Chancen der behinderten Jugendlichen auf dem ersten Arbeitsmarkt durch unser Konzept erhöhen.“ (abf)