Rheinpfalz 30 Minuten pure Ruhe

. „Zum Besten aller Wesen nehmen wir Zuflucht, zu Buddha, dem erleuchteten Zustand unseres Geistes.“ Bedächtig, melodisch, ruhig dringen die Worte Andrea Dansauers durch den Meditationsraum des Buddhistischen Zentrums in Mannheim. Mit überkreuzten Beinen, auf roten Sitzkissen meditieren an diesem Mittwochabend rund 25 Personen, gemeinsam mit Dansauer, die sich seit gut zehn Jahren im Zentrum engagiert und regelmäßig Meditationen leitet. Die Gruppe ist bunt gemischt, vom Studenten bis zum Rentner, vom erfahrenen Buddhisten bis hin zum Neuling, der zum ersten Mal das Zentrum besucht. Sie alle konzentrieren sich auf den Meditationstext, versuchen, Gedanken und Geräusche an sich vorbei ziehen zu lassen. Ziel der buddhistischen Meditation ist ein müheloses Verweilen, in dem, was ist. Was einfach klingt, ist in Wirklichkeit harte Übungssache. „Es ist vollkommen normal, gerade wenn man noch nicht so lang meditiert, dass Gedanken immer wieder abschweifen. In dem Fall sollte man sich nicht ärgern, sondern sich freuen, dass man es bemerkt hat, und zur Meditation zurückkehren“, erklärt Dansauer. 30 Minuten dauert die Meditation. Still und andächtig folgen die Teilnehmer, meist mit geschlossenen Augen, dem vorgelesenen Text, in dem es um die Wirkung der eigenen Taten, Worte und Gedanken geht und in dessen Mittelpunkt die Visualisierung einer Lichtform steht. Die Meditierenden sollen sich den 16. Karmapa, den höchsten Lama der Karma-Kagyü-Schule des tibetischen Buddhismus, an dessen Lehren sich das Zentrum orientiert, als strahlendes Kraftfeld aus Energie und Licht vorstellen. „Das Wissen buddhistischer Lehren lässt sich aus Büchern beziehen. Damit man sie allerdings verinnerlicht und im eigenen Leben einbringen und umsetzen kann, braucht es die Meditation“, verdeutlicht Claus Eder, Sprecher des Zentrums. Der Buddhismus hat seinen Ursprung als Religion und Lehrtradition im Grenzgebiet zu Indien, im heutigen Nepal. Vor etwa 2560 Jahren wurde hier Buddha geboren, die historische Person, an dessen Lehren sich Buddhisten orientieren, um Erleuchtung zu erlangen. Ziel von Buddhisten ist es, die Natur des eigenen Geistes zu erkennen, zu verstehen, was wirklich und was vergänglich ist und dadurch dauerhaftes Glück zu erleben. Karma ist ein zentraler Begriff im Buddhismus. Es bedeutet nicht Schicksal, sondern das Zusammenwirken von Ursache und Wirkung. „Jeder ist für sein eigenes Leben verantwortlich und prägt es durch Gedanken, Worte und Handlungen“, erläutert Eder. Auch Christel Conrad meditiert regelmäßig im Zentrum. „In dieser Zeit nehme ich ganz bewusst störende Gefühle in mir wahr und weiß dadurch, woran ich arbeiten muss. Früher war ich im Alltag viel aufbrausender“, so die 73-Jährige, ohne deren Einsatz das Buddhistische Zentrum vor 30 Jahren nicht gegründet worden wäre. Damals war sie Teil einer kleinen privaten Gruppe, die sich in der Freizeit mit dem Thema Spiritualität auseinandersetzte und Vorträge organisierte. 1984 lud sie dafür den Lama Ole Nydahl ein, damit er über das Thema Buddhismus referieren konnte. „Am meisten hat mich der Grundgedanke angesprochen, immer zum Besten aller Wesen zu arbeiten. Das hat mich auf einer emotionalen Ebene sehr berührt“, erzählt Conrad. Der Buddhismus ließ sie danach nicht mehr los. Sie studierte Bücher, blieb mit Ole Nydahl in Kontakt, versorgte sich mit Informationsmaterial und entschloss sich nach ein paar Wochen, dem buddhistischen Weg zu folgen. Wenige Monate später kam der Lama, der in Conrad die Begeisterung für die tibetischen Lehren geweckt hatte, erneut nach Mannheim und gründete das Buddhistische Zentrum. Meditationen und Vorträge fanden in der Anfangszeit noch in Conrads Reihenhaus in Mannheim-Rheinau statt. „Wir waren zu Beginn eine überschaubare Truppe von vier bis fünf Personen“, sagt Conrad. Bis heute ist das Zentrum mehrmals umgezogen. Man brauchte immer mehr Platz. Denn mit Meditation zu sich finden wollen offenbar immer mehr Menschen in der Region.