Rheinpfalz
177 Pfaffianer in Kaiserslautern in Kurzarbeit
Die Pfaff Industriesysteme und Maschinen GmbH im Industriegebiet Nord hat Kurzarbeit angemeldet, weitere Firmen schwächeln. Laut Alexander Ulrich von der IG Metall ist in etlichen Unternehmen Verunsicherung spürbar, vor allem mit Blick auf das Exportgeschäft.
Bei Pfaff wird seit dem 1. September an zwei Tagen in der Woche nicht gearbeitet. Das bestätigte Geschäftsführer Guido Jaeger jetzt auf RHEINPFALZ-Anfrage. Ursächlich sei der Absatzrückgang in der Automobilindustrie. Betroffen von der Kurzarbeit seien 177 von 218 Mitarbeitern am Standort in der Hans-Geiger-Straße, wo Nähanlagen und Industrienähmaschinen für technische Textilien in Autos sowie Schweißmaschinen und Nähroboter für Jeans und Schuhe hergestellt werden. Laut Jaeger ist die Kurzarbeit für ein Jahr beantragt worden. „Ob wir das komplett ausnutzen, hängt von den Auftragseingängen ab.“ Pfaff war im Jahr 2009 ins IG Nord umgezogen. 2013 wurde das Unternehmen von der chinesischen Shanggong-Gruppe übernommen.
„Schon schlechtere Zeiten erlebt“
Nach RHEINPFALZ-Informationen geht vor allem bei älteren Pfaffianern die Angst um. Sie bangen um ihre Jobs. Wobei es bei der großen Schwester in Bielefeld, Dürkopp Adler, genauso düster aussehen soll. Betriebsratsvorsitzender Richard Müller, seit fünf Jahren im Amt, sieht die Zukunft nicht zu schwarz. „Nicht nur Pfaff hat derzeit Absatzschwierigkeiten. Wir hoffen, dass die Konjunktur Anfang 2020 wieder anzieht.“ Er jedenfalls sei optimistisch. „Es gibt keinen Grund zur Panik.“
Als positives Zeichen wertet er einen Haustarifvertrag, der in den kommenden Tagen unterzeichnet werden soll. „Wir waren die ganze Zeit nicht tarifgebunden, jetzt sollen wir besser bezahlt werden und von der 40-Stunden-Woche runterkommen. Unser Gesellschafter in China betont bei jedem Besuch, dass Kaiserslautern ein wichtiger Standort ist. Wir haben definitiv schon schlechtere Zeiten erlebt.“ Hinter vorgehaltener Hand wird positiv bewertet, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen in der Kurzarbeitsphase geben soll.
Der komplette Nähmaschinenmarkt sei in Schwierigkeiten, führt Alexander Ulrich, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, aus. Die Agentur für Arbeit wurde in den vergangenen Monaten von verschiedenen Unternehmen hinsichtlich der Möglichkeit der Kurzarbeit angefragt, erklärte ein Sprecher der Bundesbehörde in Kaiserslautern. Sechs Unternehmen in der Westpfalz haben Kurzarbeit angemeldet, 282 Mitarbeiter sind nach Angaben der Agentur für Arbeit davon betroffen. Firmennamen nennt die Agentur nicht.
Nicht genug Aufträge
Ulrich legt Wert auf die Bemerkung dass Kurzarbeit an sich noch nichts Dramatisches sei. „Vor zehn Jahren gab es das öfter.“ In Zeiten der Hochkonjunktur habe man dieses Instrument nur ein wenig aus den Augen verloren. Wenn ein Unternehmen kurzarbeite, sage das lediglich aus, dass es momentan nicht genügend Aufträge habe. Kurzarbeit schütze davor, gleich Personal entlassen zu müssen. Bei der befristeten Arbeitszeitreduzierung wird Beschäftigten mit Kindern 67 Prozent, sonst 60 Prozent des Lohnausfalls von der Agentur für Arbeit erstattet.
Mit Sorge hat Ulrich nach eigenen Worten vernommen, dass bei Opel im Stammwerk Rüsselsheim kurz gearbeitet wird. Im Kaiserslauterer Opel-Werk sei Kurzarbeit momentan aber kein Thema.