Rheinpfalz Über den Wolken fallen die Würfel

KAISERSLAUTERN/Waldfischbach. Die Medizin wird zunehmend weiblich – auch im Gesundheitsamt Kaiserslautern. Mit Christiane Steinebrei aus Waldfischbach-Burgalben steht eine Frau an der Spitze. Als bisherige Stellvertreterin des scheidenden Amtschefs Walther Gümbel ist sie mit den internen Strukturen, Ressorts und Inhalten bestens vertraut. Ein Vorteil, der ihr auf dem neuen Posten zugute kommt und Raum lässt, Bestehendes auszubauen und neue Ziele zu verfolgen.
Das Büro der 57-Jährigen liegt im zweiten Stock. Ein Raum, dessen klare Ordnung Auskunft über die Frau gibt, die das Steuer im Gesundheitsamt übernommen hat – und am Freitag in ihr Amt eingeführt worden ist. Dass hier nur Akten gewälzt werden, straft eine Untersuchungsliege Lügen. „Unsere Arbeit ist sehr abwechslungsreich“, sagt Christiane Steinebrei. Und fügt hinzu: „Das bringen die vier unterschiedlichen Hauptbereiche mit sich.“ Sie gliedern sich in den amtsärztlichen, schul- und jugendärztlichen und sozialpsychiatrischen Dienst sowie den Hygiene- und Infektionsschutz. Dementsprechend vielfältig seien die Aufgaben des siebenköpfigen Ärzteteams. Zwar dem Landkreis Kaiserslautern zugeschlagen, ist das Gesundheitsamt jedoch gleichzeitig für Stadt und Kreis und damit für 200.000 Menschen zuständig. Umso wichtiger ist eine gute Organisation. Die beginnt bereits bei der Tagesplanung. „Der Morgen ist oft mit der Erstellung von Gutachten ausgefüllt. Dazu kommen Besprechungen mit den Kollegen, und die Post will natürlich auch gesichtet werden.“ Jeden Mittag führt sie der Weg ins Krematorium Enkenbach-Alsenborn zur amtlichen Leichenschau. Am Nachmittag wartet unter anderem eine meist lange Telefonliste. Privat verlaufen viele Drähte Richtung Norddeutschland. Denn Steinebrei kommt von der Küste, ist aufgewachsen in einem Kieler Ärztehaushalt. In die medizinischen Fußstapfen zu treten, lag nicht fern. Dennoch nimmt sie sich nach dem Abitur eine zweijährige Auszeit. Als Flugbegleiterin setzt sie eine Zäsur zwischen Schule und der Entscheidung über die berufliche Zukunft. „Es war eine Orientierungsphase, die mir geholfen hat, den Kopf frei zu bekommen.“ Danach sind die Würfel gefallen. Sie nimmt in Mainz das Medizinstudium auf, lernt dort ihren Mann kennen, einen gebürtigen Kaiserslauterer. Ihm folgt sie nach Pirmasens, wo er sich zum Facharzt für Chirurgie ausbilden lässt. Sie selbst tritt in Dahn eine Stelle als Assistenzärztin an, wechselt 1986 für vier Jahre in die Anästhesie am St. Johannis-Krankenhaus Landstuhl. Bei Praxisvertretungen sammelt sie allgemeinärztliche Erfahrungen, bevor sie 1991 zum Gesundheitsamt Pirmasens kommt. Der Grund für diesen Schritt ist schnell erklärt: „Ich war mittlerweile Mutter und wollte für meine Familie mehr Zeit haben. Das ist im Klinikalltag mit Nacht- und Wochenenddiensten kaum machbar.“ 1999 geht Christiane Steinebrei zum Gesundheitsamt Kusel. Dort erhält sie die Chance, sich zur Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen weiterzubilden. Danach fungiert sie als Amtsärztin in allen Sachgebieten. Bis sie 2010 der Ruf aus Kaiserslautern erhält und ihr die Stelle als stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts angeboten wird. Hier stößt Steinebrei auf ein größeres Team und wird als erstes mit der Aufgabe betraut, die Website zu erweitern. Für sie ein wichtiger Beitrag, das Spektrum der Angebote und Aufgaben des Gesundheitsamts transparenter zu machen. Daran möchte sie auf unterschiedliche Weise weiterarbeiten. „Es ist mir ein Anliegen, das Gesundheitsamt als fachkompetent anerkanntes, modernes und dienstleistungsorientiertes Amt zu etablieren“, formuliert die neue Leiterin eines ihrer Ziele. „Nur wenn ausreichend bekannt ist, wie interessant das Arbeitsspektrum ist und welche Möglichkeiten die Facharztausbildung im Haus bietet, können wir qualifizierten ärztlichen Nachwuchs gewinnen und so die Zukunft des Gesundheitsamts sichern.“ Gemeinsam mit anderen Einrichtungen sollen konstruktive Lösungen gefunden werden. So gelte es auch, die gute Zusammenarbeit mit den US-Streitkräften weiter auszubauen. Denn „einheitliche Strategien erleichtern und vereinfachen vieles.“ Nicht zuletzt legt die Amtsärztin großen Wert auf ein ebenso kompetentes wie kollegiales Miteinander. Die Freizeit gehört der Familie und den Hobbys. „Möglichst dreimal in der Woche treibe ich Sport, als Ausgleich zum Job. Ich lese viel, ab und zu hole ich auch die Querflöte heraus, um nicht zu verlernen, was ich mir mühsam erarbeitet habe. Außerdem arbeite ich gern im Garten.“ Ein Wochenende im Monat ist für Treffen mit Freunden reserviert. Mindestens zweimal im Jahre zieht es Christiane Steinebrei nach Kiel. Dort erwartet sie nicht nur eine große Familie, sondern auch die Ostsee. Die vermisst sie im Sommer besonders, „auch wenn ich ansonsten die Landschaft in der Pfalz reizvoller finde“.