Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Zur Meisterschaft des FC Bayern München: Oscarreife Vorstellung

Jan-Christian Dreesen, der künftige Bayern-Boss, gibt die Meisterschale an Manuel Neuer. Es ist eine Kopie, das Original war in
Jan-Christian Dreesen, der künftige Bayern-Boss, gibt die Meisterschale an Manuel Neuer. Es ist eine Kopie, das Original war in Dortmund.

Glückwunsch zum Titel, FC Bayern München. Aber im Moment des großen Erfolgs gibt der Verein ein blamables Bild ab.

Quasi mit dem Abpfiff der Saison verbreiten „Kicker“ und „Bild“ die Meldung, dass Bayern-Vorstandsboss Oliver Kahn und Manager Hasan Salihamidzic, über deren Aus seit Wochen spekuliert wird, tatsächlich keine Zukunft in München haben würden. Es erweckt den Anschein einer abgesprochenen Geschichte, die der Klub später bestätigt. Weil die Verantwortlichen nicht damit rechneten, doch noch Meister zu werden, nicht an die Chance der eigenen Mannschaft glaubten und hofften, dass die Nachricht im Dortmunder Meisterjubel untergehen würde? Das wäre fatal. Oder weil man im Rausch des Konkurrenten selbst für Schlagzeilen sorgen wollte? Das wäre arrogant. Nun überlagert das Chaos im Verein die Freude über den elften Meistertitel in Folge und wird für immer mit diesem „Triumph“ verbunden sein. Nach dieser Saison ist das vor allem eins: verdient.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Aber der Reihe nach – doch wo soll man bloß anfangen? Bayern-Trainer Thomas Tuchel, gerade deutscher Meister geworden und somit doch noch mit einem Titel dekoriert in dieser Saison, sagt im TV-Interview, ihm sei am Freitag mitgeteilt worden, dass der Verein Kahn und Salihamidzic rauswerfen werde. Jene beiden also, die maßgeblich dafür verantwortlich waren, ihn als Nachfolger von Julian Nagelsmann nach München zu lotsen. „Brazzo war es, der mich vor acht Wochen angerufen hat“, sagt Tuchel, „das muss ich auch erst einmal verarbeiten.“

Der FC Bayern demontiert sich selbst

Die Spieler der Bayern hätten derweil in der Kabine erfahren, dass es bald neue Bosse an der Säbener Straße geben würde. Thomas Müller gibt zugleich zu Protokoll, just im Meisterschaftsinterview erstmals davon zu hören. Und dann ist da noch Oliver Kahn, der nicht beim Team ist, angeblich wegen einer Grippe, und per Twitter zur Meisterschaft gratuliert. Ihm sei untersagt worden, nach Köln zu fahren, schreibt er im Kurzmitteilungsdienst. Auf Nachfrage der Fernsehreporter stellt der Verein klar: Der Arzt habe von der Reise abgeraten. Wirklich? Denn so leicht lässt der geschasste Bayern-Boss seinen (einstigen?) Herzensverein nicht davon kommen. Kahn legt bei Twitter nach, korrigiert seinen Beitrag und wird konkret: Der Klub habe die Reise untersagt, steht da nun.

An dieser Stelle finden Sie einen Beitrag von X (ehem. Twitter).

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Das, was der FC Bayern München an diesem letzten Bundesliga-Spieltag abseits des Platzes abliefert, reicht nicht nur an die Dramatik in der Entscheidung um den Meistertitel heran – es übertrifft sie. Oft wurde in dieser Saison an die wenig ruhmreiche Zeit des erfolgreichsten deutschen Klubs als „FC Hollywood“ erinnert, wegen interner Querelen, Maulwürfen und Informationen, die aus der Kabine nach außen drangen. Die neueste Darbietung verdient gar einen Oscar. „Statt zu feiern, haben wir jetzt das nächste politische Thema“, sagt Trainer Tuchel.

Im Moment des großen Erfolgs demontiert sich der FC Bayern selbst und gibt ein blamables Bild ab, organisatorisch, kommunikativ, aber auch menschlich. Man kann von der Arbeit von Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic halten, was man möchte. Man kann sie kritisieren und hinterfragen. Aber dieser Umgang ist unwürdig. Eine der Aufgaben des neuen Bayern-Bosses Jan-Christian Dreesen (Foto, mit Manuel Neuer) dürfte es erst einmal sein, den Verein zu einen. Das Problem: Nach der Vorstellung vom Samstag ist der neue Chef schon belastet, bevor er überhaupt mit der Arbeit begonnen hat.

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