Sport WM-Tagebuch (12): König Fußball sorgt für Bewegung

„Rot, rot, rot sind alle meine Kleider, rot, rot, rot ist alles, was ich hab’ …“. So heißt es in dem bekannten Kinderlied. Rot war auf einmal auch die dominierende Farbe im Südwesten Moskaus. Nein, es gibt keine Renaissance der Sowjetunion. Und Fans der Roten Teufel vom 1. FC Kaiserslautern habe ich seit der Abreise der Familie Reuter aus Wachenheim bisher auch keine mehr getroffen in Russland. Aber am Montagabend sind sehr viele dänische Fans angekommen in unserem Hotel in Moskau. Als ich mit Kollegen vom Essen in einem russischen Lokal mit internationaler Karte nahe der U-Bahn-Stadion Jugo-Zapadnaja kam, sind gerade einige Dänen im Salut eingetroffen. Und es wurden immer mehr. Auch sie sind schon viel gereist bei dieser WM, obwohl das Turnier ja nur im westlicher gelegenen Teil des Riesenlandes ausgetragen wird. Sein erstes WM-Spiel hatte Dänemark gegen Peru in Saransk, in Samara war die zweite Partie gegen Australien. Und gestern das 0:0 im dritten Gruppenspiel gegen Frankreich im Luschniki-Stadion – weiter! Auch wir, die meisten der deutschen Journalisten, die über das Team von Bundestrainer Joachim Löw berichten, hatten gestern wieder Reisetag. Vom Flughafen Moskau-Wnukowo aus ging’s ins 720 Kilometer entfernte Kasan. Für die Kapitäne, Co-Piloten, Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter in Russland ein Kurztrip. Sie sind ganz andere Entfernungen gewöhnt, man denke nur an die 7027 Kilometer Luftlinie von Sotschi am Schwarzen Meer nach Wladiwostok am Pazifik. Von Wladiwostok ist diese WM ganz weit weg. Die östlichste Stadt, in der Turnierspiele ausgetragen werden, ist Jekaterinburg, wo heute die deutschen Gruppenrivalen Mexiko und Schweden gegeneinander spielen. Jekaterinburg liegt 1416 Kilometer Luftlinie östlich von Moskau. So sollen die Flugzeiten für Teams und Fans in Grenzen gehalten werden. Wladiwostok ist dann doch etwas zu weit weg von Moskau, Sankt Petersburg und Kasan. Während der WM herrscht natürlich auch bei den Fluggesellschaften Hochkonjunktur. Die Besatzungen der nach Passagieraufkommen fünftgrößten russischen Airline Utair gehen ebenfalls ein und aus in unserem Moskauer Hochhaus-Hotel. So mancher Flugbegleiterin ist die Erschöpfung deutlich anzumerken – im Fahrstuhl. Dann nämlich halten einige den noch vor den Arbeitskollegen gewahrten Schein – „alles top, ich bin noch fit“ – nicht mehr aufrecht, lehnen vor Müdigkeit in der Ecke, wollen nicht mehr reden und nur noch schnell in ihr Zimmer. Wir sind gestern Abend nicht ganz so schnell in die Hotelzimmer in Kasan gekommen. Die 1,2 Millionen-Einwohner-Metropole an den Flüssen Wolga und Kasanka ist die Hauptstadt der halbautonomen russischen Republik Tatarstan. In Kasan, eine der „drei Schönen“ neben Moskau und Sankt Petersburg genannt, gab es gestern Nachmittag ein heftiges Unwetter. Unser Flieger kam bei 25 Grad leicht verspätet an. Auch der Plan des Nationalteams wurde durcheinandergewirbelt. Einige Kollegen fühlten sich an das Unwetter von Recife bei der maximal erfolgreichen WM 2014 erinnert, werteten das als gutes Omen. Und: Ein paar Fans aus Südkorea haben wir gestern Abend doch noch gesehen – mit roten Trikots.