Die Wochenend-Kolumne
Willensstarke Handballer – und die Eskapaden beim FC Bayern
Die Geschichte hat sich wiederholt. 28:21 führten die deutschen Handballer im Platzierungsspiel gegen Ägypten, dann ging nicht mehr viel, dann brachen sie ein, am Ende der regulären Spielzeit hieß es 30:30. „Ihr seid müde, die Ägypter sind müder“, sagte Bundestrainer Alfred Gislason in einer Auszeit. Das war ein Irrtum. Aber sie kämpften leidenschaftlich und siegten dank des großartigen Torhüters Andreas Wolff 35:34. Die WM ist in dieser Phase spannend, aber spielerisch nur noch zeitweise hochklassig.
Umstrittene Schiedsrichterentscheidung
Vor dem deutschen Spiel am Mittwoch gegen Frankreich ereignete sich Unerhörtes. Norwegen verlor das Viertelfinale nach zweimaliger Verlängerung 34:35 gegen Spanien. Dabei schien das Team im Grunde schon weiter! Am Ende der 60 Minuten, beim Stand von 25:24, Sekunden vor Schluss, lief der überragende Kristian Björnsen nicht aufs Tor, passte den Ball quer. Die Schiedsrichter pfiffen Zeitspiel, Spanien erzielte vor der Schlusssirene den Ausgleich und setzte sich in der Verlängerung durch. Was für eine Tragik. Das Match war aufregend, erkennbar ist aber auch, dass sieben Partien in zwei Wochen viel Kraft kosten. Von den Handballern wird bei so einer WM viel verlangt. Und am nächsten Wochenende geht es für die meisten deutschen Spieler schon weiter – im DHB-Pokal-Viertelfinale. Brutal!
Der FC Bayern München muss aufpassen
Serge Gnabry vom FC Bayern München hat einen Tag Freizeit und fährt zu Fashion Week nach Paris. Doch noch nicht genug: Er postet seine Fotos und erregt so noch mehr Aufmerksamkeit. Man muss den Vergleich zu den Handballern wirklich nicht überstrapazieren, doch dass Juri Knorr und Julian Köster in ihren freien WM-Stunden von Kattowitz ins 80 Kilometer entfernte Krakau fahren, um ein bisschen Spaß zu haben, scheint ziemlich ausgeschlossen.
Gnabry handelte unprofessionell. Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß kürte am vergangenen Sonntag im „Doppelpass“ seinen Verein schon mal wieder zum Meister. Das gehört zu seinem Selbstverständnis. Im Moment ist aber jeder Menge Unruhe im Verein. Mit dem Skiunfall von Manuel Neuer begann die Misere, da war die hektische Torhütersuche – und zu Beginn der Woche die Entlassung von Torhütertrainer Toni Tapalovic, dem Vertrauten von Neuer. Und das geschah dann, als sich Alexander Nübel, der Kronprinz, über die mangelnde Kommunikation mit ihm im ZDF-Sportstudio beschwerte. Wie lange halten die Nachwehen der WM in Katar an? RB Leipzig trumpft auf, Eintracht Frankfurt spielt sehr konstant, Borussia Dortmund ist im Kommen, Union Berlin gewinnt einfach immer weiter – die Bayern sollten sich rasch auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.
Niemand braucht die Weiße Karte
Schiedsrichterin Catarina Campos hat bei einem Frauen-Pokalspiel zwischen Benfica Lissabon und Sporting Lissabon in Portugal die erste Weiße Karte der Fußball-Geschichte gezeigt. Mit der Karte, die es bislang nur in Portugal gibt, wird ein besonderes Fair-Play-Verhalten honoriert. In dem Fall versorgten die Mannschaftsärzte beider Teams eine Spielerin, der es in dem Moment gesundheitlich nicht gut ging. Das war ein guter, ein wichtiger Einsatz. Dennoch: Die Weiße Karte braucht niemand. Mit der Gelben Karte und der Roten Karte gibt es zwei Strafkarten, die den Fußball geprägt haben. Das reicht. Sie haben eine ganz andere Aussage. Zumal der Zuschauer im Eifer des Gefechts auf der Gegengeraden vielleicht gar nicht erkennen kann, was gerade geschehen ist. Fair-Play-Aktionen sind wichtig, aber sie sollten anders gewürdigt werden. Nicht mit einer Weißen Karte.