Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Wolverhampton Wanderers zur englischen Schießbude wurden

Protest: Die Fans der Wolves ließen ihrem Unmut auf den Eigner des Klubs vor der Partie gegen Manchester United freien Lauf.
Protest: Die Fans der Wolves ließen ihrem Unmut auf den Eigner des Klubs vor der Partie gegen Manchester United freien Lauf.

Kein Team im englischen Fußball-Oberhaus war je schlechter als die Wolverhampton Wanderers. Auch ein Rockgigant leidet unter dem dramatischen Absturz.

Robert Plant ist einer der glühendsten Anhänger der Wolverhampton Wanderers. Sein erstes Spiel besuchte er im Alter von fünf Jahren. 2009 wurde der Frontmann der legendären Rockband Led Zeppelin (Bild) zum Vizepräsidenten des englischen Premier-League-Klubs erhoben, in der Wolves Foundation engagiert er sich sozial. Insbesondere die psychische Gesundheit der Gemeinschaft, in der er aufwuchs, liegt ihm am Herzen. Dieser Tage könnte der 77-Jährige wohl aber selbst ein bisschen Beistand gebrauchen, denn seine geliebten Wolves bescheren ihm nichts als Herzeleid. Sie sind seit 137 Jahren das schlechteste Team der obersten englischen Fußballklasse. Der Abstieg in die zweitrangige Championship ist schon jetzt, kurz nach Beginn des neuen Jahres, beschlossene Sache.

In 19 Spielen haben die Wanderers eben mal drei Pünktchen auf ihre Habenseite geschaufelt. Ein Tiefstwert, der europaweit seinesgleichen sucht. Bis zum vorvergangenen Spieltag hatten sie sich die Schmach mit Sheffield United geteilt, das 2020/21 nach 16 Etappen zwei Zähler eingesammelt hatte, so wie die Wolves zu jenem Zeitpunkt. Mit dem 1:1 am Dienstag bei Manchester United kam der dritte Punkt hinzu. Der Klub, der in den 1950er-Jahren als „Mighty Wolves“ (Mächtige Wolves) gepriesen wurde, ist nur mehr ein Trümmerhaufen. Rechnet man die bisherige Ausbeute auf die Spielzeit hoch, fällt am Rundenende eine weitere „Bestmarke“: Derby County verabschiedete sich 2007 mit elf Punkten aus der Premier League. Ob die Wolves wenigstens eine zweistellige Zahl erreichen?

Einen lachenden Robert Plant sieht man bei Spielen der Wolves derzeit vermutlich seltener.
Einen lachenden Robert Plant sieht man bei Spielen der Wolves derzeit vermutlich seltener.

Was ging überhaupt schief? Auf der Suche nach Gründen landet man zwangsläufig im vorigen Sommer. Nach einer schwierigen, mit Platz 16 zu Ende gegangenen Runde hätte es einer Verstärkung der kickenden Belegschaft bedurft, um nicht noch tiefer in den Keller des Klassements zu gleiten. Stattdessen veräußerte der Klub seine Stars. Matheus Cunha schloss sich Manchester United an, Nelson Semedo wechselte zu Fenerbahçe Istanbul, Fabio Silva nach Dortmund, Rayan Ait Nouri zu Manchester City.

Der Eigentümer glänzt mit Lethargie

Der chinesische Eigner Fosun International kaufte die Wolves 2016 für umgerechnet 55 Millionen Euro. Das Investmentunternehmen und dessen im Klub installierte Handlanger tragen die Hauptlast des Untergangs, durch permanente Trainer-, Spieler- und Philosophiewechsel. Seit 2021 beschäftigte der Klub fünf Übungsleiter. Im Sommer glänzte Fosun mit Lethargie. Als Folge dessen kracht das eigene Produkt mit hoher Geschwindigkeit und ungebremst in die Wand. Die Proteste der Wolves-Fans nehmen zu. Vor dem 1:4 gegen Manchester United Anfang Dezember blieben Tausende dem Spiel zunächst fern und marschierten verspätet ins Stadion Molineux. Lautstark forderten sie in Richtung Fosun und dessen Vorsitzenden Guo Guangchang, die Wolves sofort zum Verkauf anzubieten. Ein Übernahmeangebot im Oktober 2025 in Höhe von 472 Millionen Pfund durch US-Unternehmer John Textor wurde abgelehnt. 172 Millionen sollten direkt an Fosun fließen, 300 Millionen an Aktien von Textors Multi-Klub-Gruppe den Besitzer wechseln. Fosun aber wollte nur Anteile verkaufen.

2015 taxierte die „Sunday Times“ das Vermögen von Robert Plant auf 140 Millionen Euro. Es ist trotz ungebrochener Liebe zu den Wolves eher unwahrscheinlich, dass er einen Teil seines Geldes in den Klub investiert. Vielleicht sitzt Plant daheim, zermartert sich den Lockenkopf und summt ein Lied vor sich hin, dass er und seine Bandkollegen 1969 auf ihr erstes Album gepackt haben: „I can’t quit you, Baby.“ Ich kann dich nicht verlassen, Schatz.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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