Breakdance
Wenn Fußballer sich als Breakdancer versuchen
„Das klappt ja tatsächlich!“ Der Freudenschrei, den der kleine Fußballer des FV Olympia Ramstein auf dem Hallenboden der Turnhalle der Wendelinus-Grundschule Ramstein loslässt, ist auch auf der Tribüne, auf der die Eltern sitzen, nicht zu überhören. Und auch nicht die Verwunderung, die mitschwingt, weil der Olympianer aus der Gruppe der E- bis C-Jugend-Kicker, selbst nicht geglaubt hätte, dass sein Körper so was mitmacht. Thomas Stark grinst. Er kennt solche Schreie und weiß, wozu selbst Anfänger im Breakdance fähig sind.
Zumindest dann, wenn er sie Schritt für Schritt an die Materie ranführt und ihnen jede Bewegung genau erklärt. Anfangs waren seine Schüler noch skeptisch und es hat eine zeitlang gedauert, bis sich die Ersten gemeldet haben, die bei der freiwilligen Einheit mit dem Breakdanceprofi mitmachen. „Aber als die Ersten sich gemeldet haben, haben sich auch ihre Freunde getraut“, erzählt Jugendleiter Ralf Hechler.
60 Minuten Tanzen?
Anfangs waren die Jungs und Mädels, die mit den Mitgliedern der Ramsteiner Breakdancegruppe Breakings zum Workshop antraten, noch kritisch und konnten sich nicht vorstellen, wie sie 60 Minuten Tanzen durchhalten sollten. Stark nahm ihnen schnell die Angst, erklärte ihnen, dass das Wichtigste sei, egal in welchem Sport, dass er Spaß mache.
Rechts, links, hüpfen, trampeln, das Aufwärmtraining ist gestartet. Als der Coach zum Sprint durch die Halle aufruft, sind alle mit Feuereifer dabei. Und gespannt, wie es weitergeht. Der Breakdance-Instructor erklärt ein paar Basisschritte, zählt und tanzt vor. Dann macht er den ersten Freeze, eine der statisch gehaltenen Formen im Breakdance. Beeindrucktes Staunen bei den Fußballern, die sich nicht vorstellen können, wie sie sowas hinbekommen sollen. Thomas Stark hat da keine Zweifel. Er erklärt alles Schritt für Schritt. Gibt Tipps, wie die Hand sitzen, der Arm stehen muss, damit sich der Körper hochdrücken lässt und die Beine über dem Boden schweben, während der Kopf am Boden klebt. Fußballer Leon saugt jeden Tipp auf, setzt alles direkt um, und auf einmal schwebt sein Körper über dem Boden. „Oh, das funktioniert ja tatsächlich!“, ruft er erstaunt. Und schiebt dann hinterher: „Alter, tut das weh.“
Die Wangen glühen
Die Kicker hat jetzt der Ehrgeiz gepackt. Mit roten Wangen stemmen sie die Hände in den Boden, versuchen sich konzentriert und kontrolliert mit den Füßen abzudrücken und es klappt fast bei allen. Der Beat wummert aus der Box, bringt den Hallenboden zum Beben, während Stark die nächsten Bewegungen vormacht. Aus dem Knien auf die Füße springen und hochliften. „Es ist ein Spiel zwischen Körper und Kopf“, erklärt er, wie Breaking funktioniert. „Ihr habt alle die Kraft und die Technik und seid alle talentiert“, sagt er und meint es auch so. Seine Schüler drehen sich jetzt auf dem Hintern, kreiseln nach seinem Vorbild langsam auf den Rücken.
Und bald entsteht eine Choreographie, die „Thomas“, wie sie ihn alle nennen dürfen, aneinanderreiht. Zu den Beats aus der Box tanzt er vor, und die Breakings mit den coolen Mützen und die Fußballer im Olympiatrikot tanzen mit, als hätten sie tagelang dafür geübt. „Das ist alles zu einfach für euch“, sagt ihr Lehrer und grinst. Die zwei Trainer der Ramsteiner Breakdancegruppe sind vorübergehend raus. Sie können langsam nicht mehr. Es ist ihre fünfte Einheit an dem Tag, nach der auch Thomas Stark seine Knochen spürt, wie er hinterher zugibt.
Die Königsdisziplin
Aber erst einmal geht es noch in den Kreis. Die Königsdisziplin. Jetzt soll jeder nach und nach reindrehen, reinrutschen, hochploppen und seinen Freestyle zeigen. Die Fußballer genieren sich noch ein bisschen, aber ein paar von ihnen trauen sich dann doch. Stellen fest, dass bei der Aufregung plötzlich nicht mehr alles so funktioniert wie geplant oder dass plötzlich doch was klappt, was sie sich nie zugetraut hätten.
Thomas Stark ist zufrieden. „Es sind tatsächlich ein paar Talente dabei“, sagt er. Und freut sich schon auf den nächsten Workshop, der am 20. Januar in Ramstein ansteht und weitere Kids und Jugendliche aber auch Erwachsene für eine Sportart begeistern soll, die 2024 ihr Debüt bei den olympischen Spielen feiert – und für 2028 schon wieder aus dem Programm genommen wurde.
Der zwölfjährige Leon ist jedenfalls froh, dass er sich für die Sondertrainingseinheit gemeldet hart. Dass es so gut bei ihm klappt, hätte er selbst nicht gedacht. „Vielleicht liegt es dran, dass ich mal Leichtathletik gemacht habe“, meint er. Äuf die Frage, ob er weitermachen wird, zögert er. „Vielleicht werde ich zum Ausprobieren ein paar YouTube-Videos kucken. Aber Fußball mag ich schon lieber.“