OLYMPIA RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Stefan Kuntz seine Fußballer auch mal Kinderlieder singen lässt

Vorfreude: Stefan Kuntz an diesem Mittwoch beim Training in Yokohama. Dort steigt am Donnerstag im Gruppenspiel die Neuauflage d
Vorfreude: Stefan Kuntz an diesem Mittwoch beim Training in Yokohama. Dort steigt am Donnerstag im Gruppenspiel die Neuauflage des olympischen Finales von Rio 2016. Das gewann damals Brasilien gegen das von Horst Hrubesch angeleitete deutsche Team.

DFB-Trainer Stefan Kuntz leitet zum ersten Mal die deutschen Fußballer bei Olympia an. Zum Auftakt wartet einer der Topfavoriten auf das Team um Kapitän Maximilian Arnold. An diesem Donnerstag geht es gegen Brasilien. Die Einstimmung geriet zum Hindernislauf. Aber Kuntz lässt sich immer etwas einfallen.

Nach den EM-Titeln mit der U21-Nationalmannschaft 2017 und jetzt im Juni 2021 will DFB-Trainer Stefan Kuntz (58) auch mit dem Olympia-Team Erfolge feiern. Die Umstände indes sind nicht ideal. Nach vielen Absagen von Klub- oder Spielerseite konnte Kuntz nur mit 15 Feldspielern und drei Torhütern nach Japan reisen – erlaubt sind 22 Profis. Nur rund eine Woche hatte die ganz frisch zusammengestellte DFB-Auswahl, um sich auf den ersten Gegner in der Gruppe D vorzubereiten. An diesem Donnerstag (13.30 Uhr MESZ/ARD und Eurosport) geht es gegen Brasilien. Weitere Gegner sind Saudi-Arabien am Sonntag (13.30 Uhr) und am Mittwoch (10 Uhr) die Elfenbeinküste.

Herr Kuntz, was sind die für Sie momentan nützlichsten japanischen Worte, die Sie können?
Arigato (danke) und Kon’nichi wa (guten Tag).

Euer erstes Fußballspiel jetzt in Japan hat dicke Negativschlagzeilen gemacht. Welche Folgen hat euer Geschlossen-den-Platz-Verlassen nach der offenbar rassistischen Beleidigung aus dem Team von Honduras gegen Jordan Torunarigha für das Auftaktspiel gegen Brasilien? Welcher Wert bleibt sportlich, bleibt moralisch von diesem Test gegen Honduras?
Allgemeine Werte und speziell die meiner Mannschaft und des DFB wurden verletzt, dagegen wollten wir ein Zeichen setzen. Ebenso wollten wir Jordan das Gefühl geben, dass wir zu ihm halten und als Team zusammenstehen. Deshalb wird die Aktion unseren Teamgeist stärken. Sportlich war der Test top, vor allem wegen der intensiven körperlichen Belastung und der taktischen Erkenntnisse.

Der Beginn der Mission „Minimalziel Viertelfinale“ ist voller Hindernisse – 18 statt 22 Spieler, der Honduras-Eklat. Wie sehr stört das noch?
Wir haben alles zu den äußeren Bedingungen gesagt, nehmen sie an und konzentrieren uns jetzt voll auf die kommenden Aufgaben.

Wie haben Sie ganz spontan die erste Woche seit eurer Ankunft in Japan insgesamt empfunden?
Es liegt viel Unsicherheit in der Luft, aber auch viel Herzlichkeit und Freundlichkeit vonseiten der japanischen Bevölkerung.

Was ist besonders liebenswert am Gastgeberland, was ist besonders gewöhnungsbedürftig – außer Sushi schon zum Frühstück?
Die strikten Regeln lassen aktuell kaum Kontakt zu „Land und Leuten“ zu. Wir hoffen, dass sich das noch ein wenig ändert und freuen uns sehr auf den Spirit der Olympischen Spiele.

Es ist viel über die klimatischen Bedingungen geredet worden. Wie war es die ersten Tage, wie wird’s beim Brasilien-Spiel in Yokohama sein?
Im Trainingslager in Wakayama hatten wir um die 30 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Deshalb waren das harte Training und der Test gegen Honduras so wichtig, um den Körper früh an die klimatischen Bedingungen anzupassen. Seit Sonntag sind wir in Yokohama, wo wir die ersten beiden Spiele haben. Hier ist es noch wärmer, dafür ein wenig trockener.

Wie viele Corona-Tests müsst ihr während eurer Zeit in Japan machen?
Wir werden jeden Tag über einen Spucktest getestet. Dazu messen wir täglich unsere Temperatur und tragen sie in eine App ein.

Ihre Spieler attestieren Ihnen, dass Sie Teams zusammenschweißen können. Zuletzt sagte das etwa Benjamin Henrichs. Auch Abwechslung hilft Ihnen dabei. Was bezwecken Sie mit dem Singen oder Vortragen beim Abendessen für den, der als Letzter drei Tore in einem Extra-Wettbewerb nach dem eigentlichen Training macht?
Wenn sich eine Mannschaft diszipliniert zeigt, halte ich nichts von Geldstrafen, sondern lasse lieber Kinderlieder singen. Daran haben dann alle Spaß (lacht).

Was für ein Kinderlied zum Beispiel?
Japanische Kinderlieder.

Wie sieht die Achse des deutschen Olympia-Teams aus?
Die erfahrenen Spieler werden die „Achse“ bilden: Flo Müller, Felix Uduokhai, Arne Maier, Maxi Arnold, Max Kruse. Aber am liebsten ist mir die „Elf-Spieler-Achse“ (lacht).

Mit Brasilien am Donnerstag gleich der Topgegner zu Beginn – undankbar, weil ohnehin kaum ein Einspielen möglich war? Oder perfekt, um sofort voll da sein zu müssen?
Zumindest spielen wir gegen einen Topfavoriten auf die Goldmedaille und wissen danach, wo wir stehen.

Was haben Sie dem Team als Ziel mitgegeben für Japan?
Wir sind alles Vollblutsportler und wollen immer den maximalen Erfolg.

Wie sehr reizt Sie bei Ihrer ersten Olympia-Teilnahme das olympische Dorf für die Teams, die in Tokio oder Saitama spielen. Wenn ihr Gruppensieger werdet, spielt ihr das Viertelfinale in Saitama und seid im „Dorf“. Die Spieler haben oft von der „Dorf-Sehnsucht“ geredet.
Allein für die Verständigung und das Treffen mit anderen Sportlern und Sportarten sollten wir das olympische Dorf besser kennenlernen. Alle, die länger dort waren, schwärmen von der Atmosphäre.

Wo und wie haben Sie in Japan bisher olympisches Flair erlebt in diesen ersten Tagen im Gastgeberland?
Bis jetzt nur beim Aufeinandertreffen mit anderen Sportlern aus anderen Nationen am Flughafen. Und natürlich auch, als wir Anfang dieser Woche zu einem Kurzbesuch im olympischen Dorf waren. Da haben unsere Jungs dann immer versucht, auf der Akkreditierung die Namen der anderen Athleten zu erkennen. Da habe ich gesehen, wie ihre Augen geleuchtet haben.

Hier geht es zum RHEINPFALZ-Kommentar zum olympischen Fußball-Turnier und zur deutschen Auswahl.

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