Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Waldhof Mannheim feiert – und muss weiter bangen

Yes! Marcel Seegert (rechts) jubelt nach dem Führungstor in Richtung Terrence Boyd und Torschütze Samuel Abifade (verdeckt).
Yes! Marcel Seegert (rechts) jubelt nach dem Führungstor in Richtung Terrence Boyd und Torschütze Samuel Abifade (verdeckt).

Die Leichtigkeit des Seins kehrt langsam zurück bei den Blau-Schwarzen. Doch auch nach dem Sieg gegen Arminia Bielefeld ist die Lage in der Dritten Liga prekär.

Sieben Punkte aus den vergangenen drei Spielen hat Waldhof Mannheim eingefahren – was aber noch wichtiger ist: Die Qualität des Spiels wird von Partie zu Partie besser. Auch, weil Trainer Marco Antwerpen voll auf Leistung setzt. „Es geht alles nur ums Punkten. Fertig. Da spielt nichts anderes eine Rolle. Wir müssen mit der bestmöglichen Mannschaft für das Spiel gewappnet sein und drei Punkte einfahren. Da muss jeder sein Ego hintanstellen“, sagt Kapitän Marcel Seegert.

Jüngstes Opfer des neuen Leistungsprinzips des Trainers war Torhüter Lucien Hawryluk. Der Ex-Dortmunder fand sich nach seinen beiden Patzern, die in Ulm und Köln zu spielentscheidenden Gegentoren geführt hatten, gegen Bielefeld auf der Tribüne wieder. Für ihn kam Winterneuzugang Omer Hanin zu seinem ersten Waldhof- und Drittliga-Einsatz. „Wir sind davon überzeugt, dass uns Omer auf dem Platz im Moment mehr bietet als Lucien. Wir müssen alle Spieler bei hundert Prozent haben, da nehmen wir auch den Torhüter nicht aus“, sagte Antwerpen.

Bis zum Geht-nicht-mehr

In der Tat war Hanin mit seinen Paraden gegen starke Bielefelder einer der Garanten, dass der Waldhof am Freitagabend 1:0 (1:0) gewann. „So schnell geht das im Fußball. Ich freue mich, dass es heute geklappt hat. Wenn man gut ins Spiel reinkommt, tut das gut“, sagte der Israeli.

Bielefeld verzeichnete eine deutliche Überzahl an klaren Chancen. Doch Hanin, Pfosten, Latte und mitunter auch die eigene Unzulänglichkeit standen dem Torerfolg im Weg. Am Ende war der Erfolg des SV Waldhof ein Sieg aus der Kategorie schmutzig. „Das war ein hartes Stück Arbeit. Wir haben in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel gemacht und uns in der zweiten reingeworfen bis zum Geht-nicht-mehr. Das war nur noch Kampf und Leidenschaft – das haben wir großteils gut gemacht, aber auch Glück gehabt“, sagte Innenverteidiger Malte Karbstein.

Boyd robust, Abifade abschlussstark

Dass Mannheim in Führung ging, verdankte es einer diskussionswürdigen Entscheidung von Schiedsrichter Wolfgang Haslberger. Stürmer Terrence Boyd traf auf der linken Außenbahn Christopher Lannert mit seinem Arm im Gesicht, sodass Lannert zu Boden ging. Die Bielefelder reklamierten durchaus berechtigt Foulspiel, doch Haslberger ließ weiterlaufen. Wenige Ballkontakte später kam Luca Bolay auf links frei zur Flanke, weil Lannert immer noch auf dem Boden hockte. Den langen Ball verwertete Samuel Abifade per Kopf.

„Ich habe gefühlt, dass ich ihn erwische. Aber das ist natürlich nicht Absicht gewesen. Wenn der Schiedsrichter nicht abpfeift, dann muss ich die Situation weiterspielen. Wir sind im Abstiegskampf. Denkst Du, der Gegner würde Rücksicht auf uns nehmen? Nein, das juckt ihn doch nicht“, sagte Boyd über die Situation. Ganz ohne Foulspiel, dafür mit einem klugen Pass legte der 33-Jährige in der Nachspielzeit noch eine gute Chance für den eingewechselten Jonas Carls auf. Doch dieser vergab.

Schulterschluss zwischen Spielern und Fans

Auch so war wenige Minuten später der Sieg unter Dach und Fach – und anders als noch vor zwei Wochen nach dem 3:1-Erfolg gegen Jahn Regensburg feierten Spieler und Fans die drei Punkte ausgelassen.

„Ich weiß noch, dass wir vor dem Spiel gegen Regensburg ausgepfiffen worden sind. Wir sind keine Roboter, die auf dem Platz stehen. Wir haben uns das jetzt erarbeitet und uns da rausgezogen. Dass wir jetzt wieder die anderen emotionalisieren können, ist wunderschön, und es tut richtig gut, vor den Fans zu feiern. Die haben uns heute 90 Minuten unterstützt – und so soll das sein“, sagte Seegert über den neuen Schulterschluss zwischen Spielern und Anhängern.

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