Rhythmische Sportgymnastik RHEINPFALZ Plus Artikel TV Dahn und TB Oppau bei Finals in Dresden: Belebende Konkurrenz und anmutige Dominanz

Mit dem Band sind die Sportgymnastinnen des TV Dahn um Marlene Kriebel (Bildmitte) nur schwer zu schlagen.
Mit dem Band sind die Sportgymnastinnen des TV Dahn um Marlene Kriebel (Bildmitte) nur schwer zu schlagen.

Der TV Dahn gewinnt zum fünften Mal in Folge den nationalen Titel im Mehrkampf. Dass der Sieg nur über eine Gruppe aus der Pfalz geht, zeichnet sich schnell ab.

Die Anspannung fällt auch bei der Trainerin mit dem letzten Ton ab. Als die Musik verstummt, nimmt Aline Kriebel die Hände aus dem Gesicht, wenig später hat sie ihre Mutter Nicole im Arm. Beide ahnen, was kurze Zeit später Gewissheit ist: Die Übung mit den Bändern, die ihre Schützlinge gerade gezeigt haben, hat nicht nur das Publikum begeistert, sondern auch die Juroren überzeugt: dramatische Klänge, eindrucksvolle Posen und Figuren, technisch anspruchsvoll. Bei den Finals in Dresden gewinnen die Rhythmischen Sportgymnastinnen des TV Dahn im Mehrkampf der Gruppe den deutschen Meistertitel – zum fünften Mal hintereinander.

Einmal Gold und zwei Silber holte die Gruppe des TB Oppau.
Einmal Gold und zwei Silber holte die Gruppe des TB Oppau.

Dass es der Gruppe gelingt, die Serie fortzusetzen, kommt zwar nicht ganz überraschend. Und doch ist es an diesem frühen Abend nicht von vornherein klar. Weil sich die Wertungsvorschriften geändert haben, sind die fünf Gruppen, die bei diesem Wettbewerb am Start sind, enger beisammen. „Man muss Risiko gehen, um genug Schwierigkeit zu turnen“, sagt Aline Kriebel, „aber zeitgleich muss es halt auch in der Ausführung klappen.“ Und genau das gelingt den Dahnerinnen nicht komplett. Bei der ersten Übung mit drei Bällen und zwei Reifen unterläuft den Turnerinnen ein Missgeschick. Zweimal fällt der Ball zu Boden, der TB Oppau liegt nach Durchgang eins in Führung vor dem großen Favoriten.

Entspannen in der Semperoper

Tags zuvor sind die Dahner Sportlerinnen Marlene Kriebel, Marie Laux, Johanna Herder, Marie Decker, Nina Kowalczyk und Melissa Gys nach Dresden gefahren. Am Vorabend des Wettbewerbs haben sie sich das Musical „Elisabeth“ in der Semperoper angeschaut. „Wir hatten zweieinhalb Stunden einfach mal den Kopf frei“, sagt Aline Kriebel. „Wir haben uns mit etwas ganz anderem beschäftigt.“ Nicht nur auf der Fläche versteht sich die Gruppe, sondern auch abseits davon passt. „Und das, obwohl sie in ganz unterschiedlichen Lebensphasen stecken“, sagt die Trainerin. Die älteste Turnerin der Erfolgsformation ist 27 Jahre alt, die jüngste 15.

Es floss bei den Dahnerinnen auch so manche Freudenträne.
Es floss bei den Dahnerinnen auch so manche Freudenträne.

Dass die Titel bei den nationalen Meisterschaften nur über die Formationen aus der Pfalz gehen, zeichnet sich schnell ab. Der Abstand zu den Gruppen des TV St. Wendel, VfL Zehlendorf und des SV Dallgow ist enorm. Der TV Dahn und der TB Oppau strahlen eine anmutige Dominanz auf der Fläche aus – an diesem Abend und am Morgen danach, als direkt die nächsten Entscheidungen anstehen. „Ich würde es tatsächlich als Konkurrenz bezeichnen, aber als positive Konkurrenz“, sagt Kriebel über das Verhältnis der beiden Vereine. Man kennt sich, man schätzt sich, aber jeder will sich auch beweisen – und immer wieder einen draufsetzen in den Choreografien.

Das „Krönchen“

„Weil beide Vereine in der Gruppe stark aufgestellt sind, steigert man sich halt auch“, sagt Kriebel. Gesunde Konkurrenz belebt das Geschäft – auch in der ästhetischen Rhythmischen Sportgymnastik. In den Gerätefinals siegt Dahn mit dem Band, Oppau holt den Titel mit Reifen und Ball. Der direkte Konkurrent gewinnt jeweils Silber. „Für uns ist der Mehrkampftitel schon so ein bisschen das Krönchen“, sagt Kriebel: „Weil das einfach zeigt, dass man beide Übungen auf den Punkt bringen muss.“

Die Dahner Gruppe bei ihrer Übung mit Reifen und Ball.
Die Dahner Gruppe bei ihrer Übung mit Reifen und Ball.

Zwischen den Übungen blicken die Turnerinnen nur kurz auf das Malheur zurück, als „kontrolliert“ beschreibt Kriebel die Stimmung in der Kabine. „Wenn man viermal hintereinander gewinnt, erwarten die Leute auch ein Stück weit, dass man wieder gewinnt“, sagt sie. „Der Druck ist schon da, und die Mädels haben halt auch die Erwartungshaltung.“ Gut 30 Fans sind aus der Südwestpfalz mit nach Sachsen gefahren, um ihre Gymnastinnen anzufeuern. Bei jeder gelungenen Aktion jubeln sie.

Stolze Dahnerinnen mit ihren Medaillen. Rechts im weißen Shirt Aline Kriebel, Vierte von rechts ihre Mutter und Trainerpartnerin
Stolze Dahnerinnen mit ihren Medaillen. Rechts im weißen Shirt Aline Kriebel, Vierte von rechts ihre Mutter und Trainerpartnerin Nicole Kriebel.

Von denen gibt es bei der Übung mit dem Band sehr viele. Die Turnerinne des TV Dahn lassen mit dem Band keinen Zweifel daran, wer an diesem Abend in Dresden die Nummer eins der Rhythmischen Sportgymnastik in der Gruppe ist – in der Pfalz und in Deutschland. „Bei den letzten 15 Entscheidungen in den fünf Jahren haben wir 13 Mal Gold gewonnen und zweimal Silber“, sagt Aline Kriebel: „Das ist schon eine Hausnummer.“ Von Anspannung ist nun nicht s mehr zu spüren. Stattdessen: Freude und Stolz.

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