Fussball
TuS Rüssingen – die etwas andere Mannschaft der Verbandsliga
In der vorletzten Saison zum Beispiel lief ein komplett brasilianisches Team für den TuS auf, in der vergangenen eine Mannschaft gespickt mit Portugiesen und Franzosen. In der aktuellen Saison ist Deutsch wieder die Amtssprache in Rüssingen. Trotzdem unterscheiden sich die Nordpfälzer wieder einmal von den anderen Klubs der Verbandsliga, denn die Mannschaft, die überwiegend aus Kickern aus der Vorderpfalz besteht, trainiert nicht im heimischen Rüssingen, sondern im 35 Kilometer entfernten Ludwigshafener Stadtteil Pfingstweide.
Trainer-Netzwerk sorgt für Kuriosum
Die Erklärung liefert Ediz Sari, seit dieser Saison Trainer beim TuS. „Ich habe am 28. Mai die Zusage gegeben, dass ich das mache, und Rüssingen stand ohne Spieler da. In einem Kraftakt konnte ich in kurzer Zeit 25 Spieler verpflichten“, berichtet Sari und führt weiter aus: „Weil ich selbst aus Ludwigshafen komme, ist mein Netzwerk natürlich auch überwiegend auf die Vorderpfalz ausgerichtet. Deshalb kommt jetzt auch das Gros der Spieler aus der Vorderpfalz. Da hat sich das angeboten, dass wir nicht alle nach Rüssingen fahren, sondern hier trainieren.“
Natürlich ist dieser Umstand auch auf dem Rüssinger Sportplatz, bei den Heimspielen, hin und wieder ein Thema und wird bei den Zuschauern – jedoch sind dies nur noch sehr wenige, aktuell meist 60 bis 70 – schon kontrovers diskutiert. Allerdings sieht man dabei auch den Aspekt, dass eine Verbandsligamannschaft in Rüssingen nur mit Akteuren aus der näheren Umgebung wohl kaum vorstellbar wäre. Und so ein bisschen hat man sich in Rüssingen im sechsten Jahr der Zugehörigkeit auch an Verbandsligafußball gewöhnt.
Die Fans sehen’s pragmatisch
Natürlich ist es auch für die Rüssinger Anhänger ungewöhnlich, dass ihre Mannschaft nur alle zwei Wochen an der Heimstatt des Vereins zum Spielen auftaucht. Aber auch das sehen die Rüssinger Fans am Ende eher pragmatisch. „Beim Training hat ja eh niemand zugeschaut. Und dann ist es, gerade in der jetzigen Zeit, doch wesentlich klimafreundlicher und ressourcenschonender, wenn von hier einer nach Ludwigshafen fährt, statt 35 von Ludwigshafen nach Rüssingen“, sagt ein Stammgast des TuS.
Kontaktpflege wird groß geschrieben
Außerdem legt Ediz Sari Wert darauf, dass die Spieler nach dem Schlusspfiff nicht sofort wieder zurückfahren, sondern sich ein bisschen zusammensetzen und auch möglichst Kontakt mit den Zuschauern suchen. „Das Feedback von den wenigen Zuschauern, die da sind, ist gut. Die sehen, dass wir in den Spielen alles geben“, sagt der engagierte Coach.
Sportlich wähnt Sari seine Mannschaft auf einem guten Weg, sieht aber noch viel Arbeit, bis der Klassenerhalt, den er jetzt als primäres Ziel ausgibt, geschafft ist. „Wir haben uns von der guten Vorbereitung und den guten Ergebnissen etwas blenden lassen, hatten gehofft, uns so zwischen Platz sieben und neun zu bewegen. Aber die Liga ist brutal eng, wir müssen um jeden Punkt kämpfen. Mittlerweile sind wir eine echte Einheit, und vieles geht leichter.“ Sein Trainerteam mit Christian Heil und Dennis Brecht sowie der Sportliche Leiter Osman Boyraz seien ihm eine große Hilfe.