Interview
Trotz Eulen-Turbulenzen: Trainer Wohlrab bleibt gelassen und optimistisch
Herr Wohlrab, Geschäftsführerin Lisa Heßler hat angekündigt, Ende Dezember aufzuhören. Auch Torwarttrainer Patrick Jahnke geht. Befürchten Sie negative Auswirkungen auf ihre Mannschaft?
Nein, wir haben nach Lisa Heßlers Ankündigung ganz normal weiter trainiert. Es wird eine Änderung geben, das birgt immer auch Chancen. Wir müssen uns neu einspielen, weil Mex Raguse bis Jahresende ausfallen dürfte. Deshalb haben wir andere Konstellationen trainiert, also mit Sebastian Trost und mit Nicolas Waldvogel im Rückraum links. Was unsere Entwicklung angeht, lassen wir uns generell nicht aus der Ruhe bringen. Wir gehen Step für Step weiter.
Aber es laufen acht Verträge von Spielern aus. Wer kümmert sich darum?
Wir haben ja schon vor der Bekanntgabe von Lisa Heßlers Entscheidung mit den Spielern gesprochen. Ich habe das auch erst ein oder zwei Tage vor der Veröffentlichung erfahren. Wie die Bekanntgabe erfolgte, das ist sehr professionell abgelaufen. Vorher ist nichts durchgesickert. Am Ende sind das auch normale Prozesse.
Das heißt also, jeder einzelne Spieler weiß, wie seine Perspektive aussieht?
Wir führen ganz normal mit allen Spielern Gespräche. Wir wissen ja, welche Verträge auslaufen. Es sind schon Gespräche geführt worden, und es werden auch weiterhin Gespräche geführt, klar. Lisas Entscheidung ändert ja nichts daran, dass wir unseren Plan verfolgen, dass wir uns Gedanken machen, wie wir den Kader zusammenstellen wollen. Wir werden sicherlich irgendwann mit den Gesellschaftern ins Gespräch gehen und unser Konzept vorlegen. Entweder die Gesellschafter haben schon jemanden, der die Geschäftsführung zeitnah übernimmt, oder es gibt eine Übergangsphase bis Januar oder vielleicht bis Saisonende, je nachdem wie schnell man sich da einigt und jemanden findet. Ich kenne die Prozesse aus meiner Hüttenberger Zeit. Es ist nicht das erste Mal, dass ich so einen Vorgang erlebe.
Also machen Sie sich keine Sorgen?
Bedenken Sie: Wann haben wir vergangene Saison den Vertrag mit Marc-Robin Eisel verlängert? Im April!
Wie geht es bei Ihnen persönlich weiter?
Ich lese erstaunlicherweise, ich weiß gar nicht, woher das kommt, dass mein Vertrag ausläuft. Mir ist das neu, dass mein Vertrag ausläuft. Vielleicht ist es auch gut, wenn man da jetzt irgendwann mal Klarheit reinbringt. Aber ich bin relativ entspannt, weil ich genau weiß, wie mein Vertrag aussieht. Ich gehe davon aus, dass ich nächstes Jahr hier weiter Trainer bin.
Wie sieht Ihre erste sportliche Bilanz der Hinserie aus?
Jetzt bis zu dem Cut waren wir die Mannschaft in der Bundesliga und der Zweiten Liga mit den meisten Spielen. Also bis zum Spiel gegen Lübeck-Schwartau hatten wir schon eine sehr, sehr enge Taktung. Das war schon sehr herausfordernd.
Und dennoch ...
... und dennoch haben wir im Großen und Ganzen vieles gut gemacht. Wir hatten viele Höhepunkte.
Nichtsdestotrotz bin ich eher jemand, der sagt, ich bin nie zufrieden. Es gab ja noch Spiele, in denen wir hätten punkten können. Wir hatten ein bisschen Pech, krankheits- und verletzungsbedingt, gerade im verlorenen Heimspiel gegen Nettelstedt. Beim 27:28 gegen GWD Minden hatten wir den letzten Wurf, auch beim 23:23 gegen Lübeck. Wenn ich das zusammenzähle, sind das vier Punkte, die wir mehr haben könnten, wenn es perfekt gelaufen wäre. Auf der anderen Seite hat auch niemand damit gerechnet, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt auf Platz sechs stehen würden. Wenn ich „Handball Inside“ zitiere, da wurden vor der Saison acht Mannschaften als Aufstiegsaspiranten genannt, wir nicht.
Heißt: Der Trainer ist zufrieden?
Wir sind auf dem richtigen Weg rein sportlich gesehen. Die Entwicklung von jungen Spielern, was auch ein Ziel von uns war, klappt gut. Ich denke an unser Eigengewächs Mihailo Ilic.
Finn Leun ist auf halbrechts einen Schritt weiter gekommen. Marc-Robin Eisel hat sich in dieser Saison als Mittelmann gut entwickelt. Wir haben in der Abwehr Stabilität bekommen. Wir haben den Torhütern klare Rollen zugeteilt, jetzt haben wir fast die beste Abwehr der Liga mit zwei sehr guten Torhütern. Das hatten wir uns vor der Saison auch als Ziel auf die Fahne geschrieben.
Die Abwehr, ist das die größte Verbesserung der Hinrunde im Vergleich zur vergangenen Saison?
Ja, darauf haben wir auch den größten Fokus gelegt. Ich habe den Spielern gesagt, unsere DNA geht auch über die Abwehr, über den Kampf, über die Einstellung. Es ist erkennbar, dass dieser Siegeswille unglaublich stark ausgeprägt ist. Es gab in dieser Runde kein Spiel, in dem das nicht der Fall war. Wir hatten auch nur ein Punktspiel, wo wir eindeutig schwächer waren, das war in Balingen. Da kann der Weg nicht so verkehrt sein.
U-21-Nationalspieler Magnus Grupe, Leihspieler der Löwen, hat noch nicht oft im Angriff gespielt. Warum nicht?
Die Abwehr ist schon sein Steckenpferd. Bei der U21-Nationalmannschaft wurde er ausschließlich da eingesetzt. Er war die ganze Vorbereitung bei den Rhein-Neckar Löwen und vergangene Woche war er auch nicht da, er war bei der Junioren-Nationalmannschaft. Das Einspielen braucht Zeit und es braucht Trainingseinheiten. Wir setzen die Spieler zunächst da ein, wo sie sich wohlfühlen.
Es sind noch sechs Spiele bis Jahresende. Was sind die Ideen?
Das nächste Spiel ist in Ferndorf, und die Idee ist, dass wir dort gewinnen. Und dann ist die Idee, dass wir in Hagen bestehen.