Meinung
Trauernde Magdeburger müssen beim FCK spielen: Eine unsensible Ansetzung
Wenn der 1. FC Kaiserslautern am Samstag gegen den 1. FC Magdeburg antritt, ist das für die Gäste alles andere als ein normales Zweitliga-Spiel. Auf dem Betzenberg werden sehr wahrscheinlich auch Magdeburger Fans dabei sein, die vor einem Jahr bei dem scheußlichen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt der Stadt Freunde oder Familienmitglieder verloren haben, die Verletzte kennen oder die Amokfahrt selbst überlebt haben.
Dass genau am Jahrestag dieses traumatisierenden Ereignisses ein Fußballspiel ansteht, ist mindestens unsensibel. Auch wenn letztlich niemand dafür die Schuld trägt: Die rheinland-pfälzische Polizei will aus nachvollziehbaren Gründen nicht zwei Bundesliga-Spiele an einem Tag beaufsichtigen, die beiden betroffenen Vereine müssen sich ohnehin dem fügen, was die Sicherheitsbehörden und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) beschließen. Im Milliardengeschäft Profifußball bleibt abseits pflichtschuldiger Gedenkminuten vor dem Anpfiff kein Platz mehr für ehrliches Innehalten.
Diesen Umstand mag man mit gutem Recht beklagen und bedauern, ändern wird man ihn wohl aber leider nicht mehr. Es wäre nur zu wünschen, dass am Samstag zumindest die FCK-Fans im Fritz-Walter-Stadion ein gutes Gespür dafür zu zeigen, dass im Gästeblock Menschen stehen, die ein furchtbares Trauma verarbeiten mussten. Bei aller Rivalität zwischen beiden Vereinen.
Letztlich bleibt es eine Ansetzung mit fadem Beigeschmack, die aber Zwängen geschuldet ist, für die weder der 1. FC Kaiserslautern noch der 1. FC Magdeburg die Verantwortung tragen.
