1. FC Kaiserslautern
„Keine einfache Situation“: Magdeburg hadert mit der Ansetzung des Spiels auf dem Betzenberg
Es war eine Wahnsinnstat, die nicht nur in Deutschland Entsetzen und Trauer ausgelöst hat: Am 20. Dezember 2024 tötete ein Amokfahrer auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt sechs Menschen und verletzte weitere 323 Besucher teils schwer, als er mit seinem Auto in hoher Geschwindigkeit durch die Menschenmenge raste. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter Taleb A. hat vor wenigen Tagen begonnen.
Am Jahrestag dieses unfassbaren Verbrechens müssen sich die Fußballer des 1. FC Magdeburg aber auf ihren Beruf konzentrieren. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat das Zweitliga-Spiel beim 1. FC Kaiserslautern auf Samstag, 20. Dezember, 13 Uhr, terminiert. Eine Entscheidung, die in Magdeburg für Irritationen und Unmut gesorgt hat – aber wohl tatsächlich alternativlos war.
„Die Wunden sind weit davon entfernt, zu verheilen. Der jüngst gestartete Prozess wühlt die Menschen auf“, schreibt die Magdeburger „Volksstimme“. Die Zeitung kritisiert unter anderem, dass durch die Ansetzung der Partie auf dem Betzenberg der FCM nicht (oder nur mit einer sehr kleinen Delegation) bei den geplanten offiziellen Gedenkveranstaltungen in der Stadt dabei sein kann. „Das ist sicher keine einfache Situation, aber wir müssen es so nehmen, wie es vorgeschrieben ist“, sagte Sport-Geschäftsführer Otmar Schork am Dienstag der „RHEINPFALZ“. Die unglückliche Ansetzung sei nicht zu verschieben gewesen, man habe mit dem FCK und der DFL aber zumindest vereinbart, dass beide Teams mit Trauerflor auflaufen werden. „Wir sind in Gedanken bei den Opfern, zumal auch noch viele Spieler bei uns sind, die das damals miterlebt haben. Sportlich müssen wir es aber ausblenden“, sagte der gebürtige Odenwälder Schork, der einst den SV Sandhausen in der Zweiten Liga etabliert hatte.
Hercher: „Anschlag hat die Mannschaft sehr getroffen“
Am Jahrestag des Horrors von Magdeburg werden wahrscheinlich auch der Frankenthaler Baris Atik und Ex-FCK-Profi Philip Hercher im Kader des FCM stehen und mit nach Kaiserslautern reisen. „Ich persönlich habe kein Problem damit, an diesem Tag zu spielen. Es ist eher eine Motivation um den Opfern und Angehörigen etwas zurückzugeben“, sagte Hercher, zwischen 2019 und 2024 beim FCK, dieser Zeitung. Ein Spiel wie jedes andere werde die Partie bei seinem früherten Klub aber nicht. „Natürlich hat uns der schreckliche Anschlag im vergangenen Jahr auch als Mannschaft sehr getroffen. Im Gedenken an die Opfer und Betroffenen werden wir an dem Jahrestag in Kaiserslautern mit Trauerflor auflaufen und wollen gemeinsam alles dafür geben, das Spiel für uns zu entscheiden“, sagte Hercher.
Ein „Risikospiel“ und Mainz 05 im Europapokal
Wieso war keine Verlegung des Spiels auf Freitagabend oder Sonntagnachmittag möglich? Das hängt mit Vorgaben der Sicherheitsbehörden in Rheinland-Pfalz und der Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze (ZIS) zusammen. Das Aufeinandertreffen zwischen Lautern und Magdeburg ist bei der ZIS aufgrund der rivalisierenden Fanlager als Risikopartie der Kategorie „Gelb“ eingeordnet. Das hat zur Folge, dass eine Austragung des Spiels bei Dunkelheit vermieden werden muss – damit schied der Termin am Freitagabend aus. Da außerdem das Bundesliga-Heimspiel von Europapokal-Teilnehmer FSV Mainz 05 gegen den FC St. Pauli aufgrund der DFL-Regularien zur ausreichenden Regenerationszeit fix auf den Sonntag gebucht war und die rheinland-pfälzische Polizei keine zwei Fußball-Großereignisse an einem Tag stemmen will, blieb nur noch der Samstag für das Lauterer Zweitliga-Spiel gegen Magdeburg übrig.
Es bleibt eine Ansetzung mit fadem Beigeschmack, die aber Zwängen geschuldet ist, für die im Grunde niemand etwas kann.
