Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Trainerlegende Rudi Brendel: Sonntag ist mein Tag

Klare Ansagen: Geinsheims Trainer Rudi Brendel.
Klare Ansagen: Geinsheims Trainer Rudi Brendel.

Rudi Brendel stand mit dem SV Geinsheim gerade in den Relegationsspielen gegen TuS Marienborn II. Wie der Dauerbrenner die Spiele bewertet.

Herr Brendel, in den Relegationsspielen gegen TuS Marienborn II zog ihre Mannschaft zweimal den Kürzeren. Waren Sie enttäuscht?
Überhaupt nicht! Wir waren gegen Marienborn nicht chancenlos, aber Marienborn ist verdient aufgestiegen. Vor sechs, sieben Wochen waren wir Dritter in der Bezirksliga, acht Punkte hinter Platz zwei. Das haben wir aufgeholt, das war ein großer Erfolg für unsere junge Mannschaft. Wir sind ja erst am letzten Spieltag durch die Schützenhilfe des SV Südwest an Jockgrim vorbeigezogen. Wir hatten nie Druck, auch vom Verein nicht.

Und die Mannschaft?
Man muss auch immer sehen: Wie sind die finanziellen Mittel? Wir haben ein Prinzip, das ziehen wir durch, da gibt es kein Wenn und Aber. Spieler und Fans sind gemeinsam im Bus von Mainz zurückgefahren, wir haben gesungen, die Stimmung war großartig. Ich hatte das in meinem Whatsapp-Status und bekam Anrufe mit der Frage, ob wir denn aufgestiegen wären.

Was war das Ziel vor der Saison?
Wir wollten unter die ersten fünf Mannschaften, wir wollten eine gute Rolle spielen. Das ist uns gelungen, auch wenn wir viele Verletzte hatten. Wir haben es trotzdem immer wieder aufgefangen. Die Spieler, die reinkamen, haben es klasse gemacht.

Sie haben ein sehr junges Team ...
Ja, mittlerweile ist es so, dass wir angerufen werden von Spielern. Sie wollen wissen, ob sie mal mittrainieren dürfen. Wir pflegen die Kameradschaften, jeden Donnerstag machen drei Spieler nach dem Training ein Essen für die Mannschaft – auch wenn an diesem Tag ein Wirt im Vereinsheim ist. Ab und zu gucken wir Fußball zusammen. Wenn man das heute nicht macht, kann man es vergessen. Und: Überall wo wir hinkommen, sind wir gut angesehen. Der SV Geinsheim ist wie eine große Familie. Von der Vorstandschaft bis zum Platzwart ziehen alle an einem Strang – und das alles ehrenamtlich

Was haben Sie nächste Saison vor?
Wir wollen wieder eine gute Runde spielen, unter die ersten fünf Mannschaften kommen. Mit den Neuzugängen sind wir durch, wir haben vier Spieler dazugenommen.

Sie waren auch lange Spieler in Geinsheim. Welche Zeit war schöner: die als Spieler oder die als Trainer?
Die Zeit als Spieler war schön, ich kam 1989, zu Beginn waren wir ja in der Oberliga, das war damals die dritthöchste Klasse. Die Trainerzeit am Anfang war nicht einfach für mich. Ich wollte eigentlich 2003 noch ein Jahr spielen. Dann habe ich mit ein paar Spielen gesprochen, sie alle haben gesagt, Rudi mach’ es. Ich bin glücklich, dass ich es gemacht habe. Was ich mit Spielern schon alles erlebt habe in der Zeit, mit den Menschen im Klub und Eltern, das war einfach toll.

Geinsheim – der etwas andere Fußball-Verein?
Ja, würde ich sagen. In der Bezirksliga bringen wir auswärts die meisten Zuschauer mit, so 30, 40 sind in aller Regel immer dabei. Und diese Zuschauer sind auch bei den Heimspielen. Unsere Zuschauer haben eine große Nähe zu den Spielern, da wird hinterher miteinander gesprochen und diskutiert. Es kommen jetzt Leute zu uns auf den Sportplatz, die hat man fünf Jahre oder mehr nicht mehr gesehen.

Hatten Sie schon mal richtige Konflikte mit Spielern?
Nein. Ich bin ein Trainer, der viel mit seinen Spielern spricht. Und ich spreche vor allem mit den Spielern, die nicht zum Einsatz kommen, erkläre ihnen die Gründe. Natürlich fallen mir diese Spieler nicht um den Hals, aber im Endeffekt ziehen alle mit. Die Spieler, die spielen, mit denen muss ich nicht reden. Ich bin der Kumpeltyp, aber auf dem Platz zählt es. Nach der ersten Halbzeit im Spiel gegen Marienborn bin ich laut geworden, das war mir zu wenig.

Haben Sie einen Dauerauftrag in Geinsheim? Oder wird der Vertrag jedes Frühjahr neu verhandelt?
Bei uns ist es so: Der Verein fragt mich, ob ich weitermache. Es wird so sein, dass ich irgendwann einmal selbst sage, ich höre auf. Wann das sein wird, kann ich nicht sagen. So lange ich Spaß habe ... Der Sonntag ist mein Tag. In Geinsheim haben sie volles Vertrauen in mich. Es gibt immer Höhen und Tiefen, aber es macht Spaß, in Geinsheim dazuzugehören. Der Verein hat immer gesagt: Rudi, du bist unser Mann. Und der Vorstand sagt jedes Jahr ganz klar: Ich allein bestimme, wann für mich Schluss ist.

Mich hat kürzlich eine Aussage beeindruckt: Als es um die Terminierung der Relegation ging, haben Sie schon wieder an die Vorbereitung gedacht.
Es sind ja derzeit immer noch Spiele, aber die Spieler brauchen doch mal eine Pause. Die Trainer wollen eine längere Sommerpause. Ich fange am 26. Juni wieder mit dem Training an. Vielleicht ist die Winterpause zu lang. Und warum wird nicht öfter während der Woche gespielt, Sonntag, Mittwoch? Unter der Woche sind die Zuschauerzahlen höher, wir haben jetzt seit kurzem Flutlicht, was denken Sie, was da los ist. Das gehen wir in der neuen Saison an, wenn wir mal ein Derby haben. Und jeder Spieler hat gerne mal ein freies Wochenende mit seiner Partnerin. Für mich wäre das auch gut, dann kann ich am Wochenende andere Mannschaften beobachten. Ganz wichtig: Meine Frau unterstützt mich bei allem.

Sie haben die aufregenden Jahre in der Oberliga mitgemacht. Mit Stefan Ertl schaffte sogar ein Spieler den Sprung zu Borussia Mönchengladbach. Trifft sich die Mannschaft von damals noch?
Nach drei Jahren sind wir abgestiegen. Sieben Mann sind damals zu 08 Haßloch. Das hat mich ein wenig geärgert. Ich hätte auch gehen können, ich war einer der Besseren. Ich wollte das nicht, ich habe gesagt, ich bin mit abgestiegen und bleibe. Dann waren wir noch zwei Jahre in der Verbandsliga. Leider sehe ich kaum einen noch aus der Zeit, wir haben auch kein Treffen. Wir waren als Mannschaft stark, aber irgendwann war die Oberliga zu hoch für uns.

Hätten Sie die Möglichkeit gehabt, sich weiter zu verbessern?
Ja, bei einem unserer Spiele war ein Scout von Hannover 96. Er hat eigentlich Wolfram Schanda beobachtet, ist aber in dem Spiel gegen Eintracht Trier auf mich aufmerksam geworden. Ich habe ein Riesenspiel gemacht. Er hat mich auf dem Parkplatz dann angesprochen. Er wollte mich zur zweiten Mannschaft von Hannover holen, hat mich dann noch einmal angerufen. Aber mit 27 Jahren wollte ich das Risiko nicht eingehen. Ich war zu alt. So wie es war, war es gut. Nach den Auswärtsspielen saßen wir immer noch vor dem Bus und haben Brote geschmiert. Die Spieler der anderen Mannschaften haben sich dann zu uns gesetzt. Das wäre heute vermutlich nicht mehr möglich.

Zur Person

Längst eine Legende: Rudi Brendel (62) wechselte 1989 zum SV Geinsheim. Der Ludwigshafener spielte in seiner Laufbahn noch beim SV Südwest Ludwigshafen, MSV Ludwigshafen und Viktoria Herxheim. Als Mittelfeldspieler war Brendel während der Oberliga-Jahre Teil der legendären Mannschaft. 2003 (!) wurde er Trainer des Vereins und ist es bis heute – in guten wie in schlechten Zeiten.

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