Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Tolle Erfolgsgeschichte einer verschworenen Gemeinschaft

Passt genial ins Spiel der SV 64: Leistungsträger Tim Götz (gegen Marcel Becker).
Passt genial ins Spiel der SV 64: Leistungsträger Tim Götz (gegen Marcel Becker).

Es war wahrlich keine einfache Saison, so ganz ohne Zuschauer. Aber die SV 64 Zweibrücken unter Trainer Stefan Bullacher machte das beste daraus und zog mit einer starken Teamleistung in den DHB-Pokal ein.

Besser hätte das Drehbuch in Form des Spielplans nicht geschrieben werden können: Am letzten Spieltag trafen die Drittliga-Handballer der SV 64 Zweibrücken und der HG Saarlouis erstmals in der 57-jährigen Vereinsgeschichte der Zweibrücker aufeinander. Beide mit der Chance, sich für den DHB-Pokal zu qualifizieren. Zweibrücken gewann, holte das Ticket und krönte die für den Aufsteiger herausragende Ligapokalrunde.„Das war absolut ein Traum“, bestätigt Stefan Bullacher, Trainer des SV 64 Zweibrücken. Jahrzehntelang waren die beiden Vereine durch mindestens eine, oft durch zwei und manchmal durch mehr Klassen getrennt. Der Liga-Pokal bescherte das erste Punktspiel gegeneinander. „Es war die beste und absolut richtige Entscheidung, den Ligapokal zu spielen“, resümiert der Architekt des Zweibrücker Erfolges. Dass diese Entscheidung mit der nie und nimmer erwarteten DHB-Pokal-Qualifikation gekrönt wurde, „setzt dem Ganzen die Krone auf“, bestätigt Bullacher.

Dass das ohnehin prestigeträchtige Derby diese Rolle spielen würde für die DHB-Pokal-Qualifikation, war nicht abzusehen gewesen, als beide Vereine in einem gemeinsamen Schreiben darum gebeten hatten, die Partie auf den letzten Spieltag zu legen, weil sie kurz zuvor zwei Testspiele gegeneinander bestritten hatten.

Testspiele sind halt nur Testspiele

Mit weiteren Testspielen gegen Dansenberg und Pforzheim war der SV, immer auf Punktspiele hoffend, aufs Spielfeld zurückgekehrt. „Es hat sich bestätigt, dass es ein enormer Unterschied ist, ob man sich in einem Testspiel, in dem es um nichts geht, oder in einem Ligaspiel gegenübersteht“, bilanziert Bullacher. Die mit der Teilnahme an der Spielrunde verknüpfte Erwartung, dass die Mannschaft nach dem Aufstieg Drittligaerfahrung sammelt, „ist voll aufgegangen“, sagt Bullacher nach fünf packenden Duellen.

Hoffnung aufs DHB-Pokal-Ticket „keimte bei uns leise nach dem zweiten Spieltag auf“, bilanziert der hauptamtliche SV-Cheftrainer und Jugendkoordinator. Von den beiden Auswärtspartien zum Auftakt – in Kirchzell und Gensungen – brachten die Zweibrücker drei verdiente Punkte mit. Als Bieberau-Modau zu Hause zwar nur knapp bezwungen, jedoch klar beherrscht wurde, „wuchs die Hoffnung“, sagt Bullacher. Beim 35:26-Heimsieg gegen Gelnhausen spielte der SV wie entfesselt auf. Den ersten Matchball beim punktgleichen Staffelsieger Nieder-Roden vergaben die Zweibrücker. Dass sich in dieser Partie alle drei Spielmacher – Tim Götz (Knöchel), Marc-Robin Eisel (Nase gebrochen) und Tim Schaller (Rote Karte) – in Halbzeit eins verabschiedeten, war wohl der Dramaturgie mit Blick auf das Finale gegen Saarlouis geschuldet.

Tim Götz passt auch menschlich zur SV 64

An der Erfolgsgeschichte, der nur das Publikum fehlte, haben viele mitgeschrieben. Der aus Hochdorf gekommene Tim Götz „hat alle Erwartungen, dir wir mit ihm verknüpft haben, absolut erfüllt. Er passt menschlich perfekt zu uns, passt perfekt in unser Spielsystem“, freut sich Bullacher. Auch der nach der Winterpause von den HF Illtal verpflichtete Philipp Kockler, der mit dem 26. Zweibrücker Tor gegen Saarlouis den Sieg perfekt machte, war die erhoffte Verstärkung.

„Es gab sehr, sehr viele Gewinner bei uns“, bilanziert Bullacher. Auch die Abwehr. Das Zweibrücker Herzstück, organisiert von Tom Grieser und Benny Zellmer, mit den die Abwehrachse vervollständigenden Torleuten Marko Ivankovic und Alexander Dörr, zermürbte zuverlässig gegnerische Angreifer. Dazu talentierte junge SV-Wilde. Viel Licht also am Ende einer pandemiebedingt lange dunklen Saison.

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