Tennis
„Struffi“ ist jetzt Rekordhalter in Stuttgart und lobt Zverev
Bei den French Open gewann Jan-Lennard Struff überraschend gegen den Mann, der mitunter das spektakulärste Tennis auf dem Erdball spielt: Alexander Bublik. Beim ATP-Rasenturnier in Stuttgart, wo er gerade einen Rekord aufgestellt hat, kann der Hüne aus Warstein dies am Mittwoch noch einmal tun.
„Let’s go, Struffi, let’s go!“, hallte es immer wieder von den Rängen des Center Courts am windigen Weißenhof. Jan-Lennard Struff ist zweifelsohne ein Publikumsliebling. Der 36-Jährige hatte am Dienstag in seinem Erstrundenmatch bei den mit 768.000 Euro dotierten Boss Open den kanadischen Qualifikanten Alexis Galarneau zum Gegner. Auf dem Papier eine eher leichte Aufgabe für den US-Open-Achtelfinalisten von 2025, doch es wurde spannend.
Aufschlag mit Wucht
Der aufschlagstarke Struff, der beim ersten Service oft Geschwindigkeiten über 210 Stundenkilometer erreicht, schien zunächst ungefährdet. „Ich habe einen super ersten Satz gespielt“, sagt er später zu dem 6:2. Doch Galarneau, die Nummer 187 der Weltrangliste, reduzierte seine Fehler, machte eine Hechtrolle nach der anderen auf dem Stuttgarter Rasen. Der zweite Satz ging in den Tiebreak. Ein Doppelfehler des Deutschen bescherte dem schnellen Außenseiter zwei Satzbälle, den zweiten nutzte er, weil Struff unbedrängt eine Rückhand ins Netz schlug.
Der Routinier steckte dies gut weg, spielte „offensiv und mutig“, hielt so die Ballwechsel meist kurz. Struff schlug bei 5:3 zum Matchgewinn auf, schockte dann bei 30:30 aber seine Fans, als er bei einem einfachen Smash den Ball nur mit dem Rahmen traf. Damit Breakball statt Matchball und obendrein noch eine Verwarnung von der Stuhlschiedsrichterin, weil er zu viel Zeit für den nächsten Aufschlag verstreichen ließ. „Struffi“ blieb cool, holte sich noch das Spiel und damit das Match. Mit nun 14 gewonnenen Partien ist er jetzt der erfolgreichste Spieler in Stuttgart, seit beim Weißenhof-Turnier 2015 von Sand- auf Rasentennis umgestellt wurde.
Jetzt gegen den Künstler
In Runde zwei geht es gegen Alexander Bublik, die Nummer drei der Setzliste. Bei den French Open schlug Struff den Tenniskünstler aus Kasachstan in vier Sätzen. „Das wird ein komplett anderes Match als auf Sand in Paris, eine toughe Aufgabe“, weiß Struff.
Der große Paris-Triumph von Landsmann Alexander Zverev habe ihn sehr gefreut, „weil er es absolut verdient“ habe. „Die erste Phase des Finals habe ich beim Physio auf der Behandlungsbank verfolgt, den vierten und fünften Satz dann auf der Couch vorm Fernseher“, erzählte Struff. Zverev hätte eigentlich die Top-Attraktion in Stuttgart sein sollen, sagte aber wegen seines Finaleinzugs bei den French Open ab und startet erst eine Woche später im westfälischen Halle in die Rasensaison.
Struff erreichte als zweiter Deutscher die Runde der letzten 16. Vor ihm hatte sich Yannick Hanfmann mit 7:6 (7:5), 7:6 (7:4) gegen den US-Amerikaner Aleksandar Kovacevic durchgesetzt. Der Karlsruher schlug dabei 22 Asse. Zwei Matchbälle hatte Hanfmann bereits bei 5:4 im zweiten Satz. „Rasentennis ist immer etwas Besonderes. Ich freue mich immer darauf. Es kommt meinem Spielstil entgegen“, sagte Hanfmann, der nun auf den Italiener Mattia Bellucci trifft.
Auf dem „Colosseum“, wie der Veranstalter den stets gut besuchten Nebenplatz getauft hat, stand der mit einer Wildcard ins Hauptfeld gerutschte Ratinger Tom Gentzsch kurz vor einer Überraschung. Er hatte gegen den Australier Rinky Hijikata zwei Matchbälle, verlor dann aber 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6. Daniel Altmaier unterlag am Abend dem Stuttgart-Sieger von 2023, Frances Tiafoe, mit 6:7 (3:7), 6:4, 4:6.