1. FC Kaiserslautern
Stress hat mehrere Gesichter – die Getränke- und Essens-Situation bei FCK-Heimspielen
Die Roten Teufel führen 1:0 gegen den FC St. Pauli. Fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff wagen es viele Hundert der 39.579 Fußballfans im Fritz-Walter-Stadion. Sie nehmen in Kauf, dass sie ein Tor verpassen. Das 2:0? Das 1:1? Aber der Durst ist eben groß bei 30 Grad Außentemperatur, und rasend schnell kommt man nicht an ein Getränk an einem der 34 Kioske im und um das Stadion des Fußball-Zweitliga-Aufsteigers 1. FC Kaiserslautern. Nichts trinken, nichts essen, nur Fußball gucken? Das wollen nicht alle. Und so spekulieren viele Fans eben, dass sie ein Wasser oder ein Bier samt Bratwurst kaufen und möglichst nicht viele Spielminuten verpassen, indem sie kurz vor dem Anpfiff oder kurz vor der Halbzeit eine der Imbissbuden aufsuchen. Keine Sekunde versäumen und trotzdem Essen und Getränke kaufen – das geht nur, wenn man ganz, ganz früh dran ist oder alles erst nach dem Spiel bestellt.
Mitunter sehr lange Wartezeiten an den Kiosken
Mit Beschwerden von Fans sieht sich der FCK schon lange konfrontiert. Nicht nur, was sportliche, sondern vor allem, was organisatorische Dinge angeht. Wartezeiten an den Kiosken sind da oft ganz oben auf der Liste. Das liegt nicht daran, dass das ausschließlich unbare Bezahlen seit dieser Saison mit den gängigen Bank-, EC- oder Kreditkarten erfolgt. Das funktioniert in den allermeisten Fällen schon rasch und reibungslos.
Dass der Fan zum Teil lange auf das heiß ersehnte Kaltgetränk warten muss, liegt an der hohen Nachfrage, an vielfach beengten Platzverhältnissen, am Personalmangel und an vermehrt auftretenden Problemen von Lieferanten. So fasst es Marcello Bisignani (47) zusammen, Leiter der FCK Gastronomie GmbH. Die Tochterfirma der FCK-Profifußball-Kapitalgesellschaft ist für die Kioske im und am Stadion zuständig, die wiederum meist verpachtet sind, vielfach an regionale Metzgereien.
Fähiges Personal händeringend gesucht
Zum Saisonauftakt gegen Hannover 96, als 40.579 Zuschauer auf den „Betze“ pilgerten, gab es deutlich mehr Beschwerden und Probleme beim Gastronomie-Betrieb als nun gegen St. Pauli. Gegen Hannover am 15. Juli seien 60 Gastro-Mitarbeiter, zum Teil Aushilfen, äußerst kurzfristig ausgefallen. Zum Teil wegen einer Corona-Infektion, zu einem beträchtlichen Stück aber auch wegen spontanen Einfach-nicht-Auftauchens am Arbeitsplatz, sagt Bisignani. Nun gegen St. Pauli habe es weniger Ausfälle gegeben – inklusive Küchenpersonal und Hostessen im VIP-Bereich waren 900 Gastrokräfte im Einsatz. Sehr vieles sei besser gelaufen, auch wenn er weiter fieberhaft Mitarbeiter vor allem für Service, Küche und Logistik suche. „Es ist äußerst schwierig, fähiges Personal an Land zu ziehen“, sagt Bisignani. Ein Problem, das er mit vielen Kollegen und Branchen teilt.
Alles auch ein Platzproblem
Lage und bauliche Bedingungen des „Betze“ schränken die Catering-Möglichkeiten im Vergleich zu vielen Großarenen oder freien Festivalflächen ein. „Den Platz für mobile Kioske wie etwa bei Rock am Ring haben wir einfach nicht“, sagt der Gastrochef.
Besonders beengt geht es baulich bedingt im Bauch der Südtribüne zu. Dort gibt es aus Platzgründen keinen Umlauf und keine Essens- und Getränkelager. Dort ist noch mehr Geduld gefragt. Man kenne den Engpass dort, sagt Bisignani, und habe zwei Ausschankstellen nur für Bier eröffnet. Kleine Stände, aus Platzgründen. „Wir haben eben ein Stadion, das mitten in der Stadt steht, nicht auf der grünen Wiese mit großzügigen Freiflächen drumherum“, sagt FCK-Sprecher Stefan Roßkopf mit Blick auf die baulichen Zwänge am „Betze“.
Handwerker kommen nicht hinterher
„Wir versuchen alles, um ständig besser zu werden“, sagt Bisignani. Aber selbst wenn man genug Platz und Personal habe – zurzeit sei es auch schwer, neue Buden überhaupt gebaut zu bekommen; Stichwort: Lieferschwierigkeiten, Handwerkermangel. Bisignani ist trotz der Probleme positiv gestimmt: Für ihn ist es nach ganz harten Pandemiejahren positiver Stress, angenehmer Stress. „Man weiß, wofür man arbeitet, man arbeitet wieder für die Menschen.“
Übrigens: Mit 2:1 hat der FCK gegen St. Pauli am Ende gewonnen. Die meisten Fans haben trotz allem sämtliche drei Tore gesehen.

